Hamburg

Nach Still-Eklat: Hochbahn führte Gespräch mit Mutter

Eine 24-Jährige hatte einen Bus der Linie M14 verlassen müssen, weil sie ihrem Kind die Brust gab. Nun hat man sich geeinigt.

Hamburg. Harburg. Julia H., 24, ist die junge Mutter, die aus einen Bus der Linie M14 geworfen wurde, – offenbar weil der Fahrer missbilligte, dass sie ihren 15 Monate alten Sohn im Bus stillte. „Ich wollte gar nicht mehr über die Geschichte sprechen“, sagt die alleinerziehende Mutter. Doch dann habe sie im Internet Kommentare gesehen, in denen es hieß, sie habe sich die ganze Geschichte nur ausgedacht. Zuvor hatte die Hochbahn bekanntgegeben, dass für den fraglichen Zeitraum alle Videos aus den Bussen der Linie M14 gesichtet und jeder Busfahrer befragt worden war. Dadurch habe sich der Vorfall nicht bestätigen lassen. Gleichzeitig stellt der Sprecher des Unternehmens, Christoph Kreienbaum, aber klar: „Die Hochbahn glaubt der Mutter – uneingeschränkt.“

Dass ihre Geschichte solche Wellen schlägt, damit habe sie nicht gerechnet, sagt Julia H. dem Abendblatt. Zumal sie die Episode doch in einer geschlossenen Facebook-Gruppe gepostet habe. Eine Gruppe, in der sich Befürworter des „attachment parenting“ austauschen; Eltern, die wie Julia H. für eine „bindungs- und bedürfnisorientierte Erziehung auf Augenhöhe“ eintreten. Das Stillen wird in diesem Zusammenhang als wichtiger Baustein gesehen. Dass Mütter, die ihre Babys in der Öffentlichkeit stillen, angefeindet werden, empfindet Julia H. als unerträglich. Sie vermutet, dass jemand aus der Gruppe den Fall, aus Empörung oder wohlmeinend, öffentlich gemacht habe.

Am Donnerstag sei sie mit ihrem Sohn auf dem Spielplatz in Harburg gewesen. Gegen 17 Uhr, so genau erinnere sie sich nicht mehr, weil ihr „Akku total leer“ gewesen sei, sei sie in einen Bus der Linie M14 gestiegen. Als sie ihren Sohn gestillt habe, der sich überdies im Tragetuch befand, habe sich möglicherweise eine vor ihr sitzende ältere Dame aus Protest umgesetzt. Sie wisse aber nicht, ob sich die Frau beim Busfahrer beschwert habe. Von dem habe sie aber eine Ansage bekommen: Sie solle aufhören zu stillen oder den Bus verlassen. An der Haltestelle Eißendorfer Straße sei sie empört ausgestiegen – nicht ohne dem Fahrer noch die Meinung zu sagen. „Ich sagte, er müsse dringend ein Gespräch mit seiner Mutter führen, weil er eine Menge aufzuarbeiten habe, so empathielos, wie er sich gezeigt hat.“

Nachdem der Skandal öffentlich war, häuften sich bei der Hochbahn die Beschwerden. Doch weder für Julia H. noch für das Unternehmen ist eine Kündigung des Busfahrers ein Thema. „Durch den öffentlichen Druck ist er schon genug gestraft“, sagt sie. Die Gespräche mit der Hochbahn seien „sehr freundlich und konstruktiv“ gewesen, die Entschuldigung habe sie angenommen. Julia H.: „Im Scherz wurde mir als Wiedergutmachung ein Praktikumsplatz für meinen Sohn angeboten.“