Bahrenfeld

Hamburg kontrolliert nach zweitem Großfeuer alle Bunker

An der Von-Sauer-Straße in Bahrenfeld kam es zum zweiten Großbrand in einem Bunker innerhalb weniger Tage. Die Feuerwehr löschte durch schmale Gitterlucken

An der Von-Sauer-Straße in Bahrenfeld kam es zum zweiten Großbrand in einem Bunker innerhalb weniger Tage. Die Feuerwehr löschte durch schmale Gitterlucken

Foto: Michael Arning

Heftige Explosion in Bahrenfeld. Bezirke sollen Anlagen und darin gelagerte Güter prüfen. Innensenator dankt Feuerwehr.

Hamburg. Nach zwei Großbränden mit Explosionen innerhalb einer Woche stellt die Stadt alle verbliebenen Weltkriegsbunker in Hamburg auf den Prüfstand. Innensenator Michael Neumann (SPD) wies die sieben Bezirke an, bis zum Dienstag umfassende Listen der Anlagen zu erstellen. Im Anschluss sollen Fachleute mehr als 60 Bunker vor Ort auf Gefahren kontrollieren. „Es stellt sich auch die Frage, ob heikle Güter noch in Bunkern in den Wohngebieten gelagert werden können“, sagte Hendrick Frese, Sprecher der Hamburger Feuerwehr.

Zuletzt war in der Nacht zu Sonnabend in einem Hochbunker in der Von-Sauer-Straße in Bahrenfeld ein Feuer ausgebrochen. Dort hatten Händler etwa 5,5 Tonnen Pyrotechnik gelagert, es kam zu einer Explosion. Noch am Sonntag war die Feuerwehr mit den Löscharbeiten beschäftigt. Bereits am Dienstag war ein mit ätherischen Ölen gefüllter Hochbunker in Rothenburgsort in Brand geraten. 45 Menschen wurden durch extreme Rauchentwicklung und eine Detonation verletzt. Bei den Großbränden mussten insgesamt 550 Anwohner in Sicherheit gebracht werden.

Hinweise auf einen Zusammenhang gibt es bislang nicht. Beide Einsätze waren laut Feuerwehr aber „extrem kompliziert“. Weil die Bunker über keine Fenster und keine Dachzugänge verfügen, erreicht die Feuerwehr bei einem Brand nur sehr schwer die Glutnester. Im Inneren besteht für die Beamten durch die enge Bauweise Gefahr, von plötzlichen Explosionen erfasst zu werden. „Wir haben riesiges Glück, dass die Kollegen beim ersten Vorstoß lebend herausgekommen sind“, sagte ein Feuerwehrsprecher nach dem Einsatz in Bahrenfeld.

Welche Stoffe sich in den Bunkern befinden, wird bislang nicht systematisch erfasst. Ein Großteil der Schutzgebäude befindet sich in privatem Besitz und wird von Unternehmen als Lagerfläche genutzt. „Wir müssen klären, was dort lagert und welche Genehmigungen dafür vorliegen“, sagte Frank Reschreiter, Sprecher der Innenbehörde. Auch die Stabilität der Bauwerke soll in Zusammenarbeit mit den Bezirksämtern überprüft werden. Bei beiden Brandherden der vergangenen Woche war die Lagerung der Gefahrenstoffe angemeldet worden. Im Abstand von mehreren Jahren fand eine sogenannte Brandverhütungsschau mit Experten der Feuerwehr statt. Wie es von Fachleuten heißt, könnten am Ende der Überprüfung schärfere Sicherheitsauflagen stehen.

Innensenator Neumann sprach den Mitgliedern von Berufs- und Freiwilligenfeuerwehr seine Hochachtung aus. „Diese Serie von Großeinsätzen war eine Herkulesaufgabe, die gemeistert wurde“, sagte Neumann. „Hamburg kann stolz auf seine Einsatzkräfte sein. Ich jedenfalls bin es.“