Gastro-Tipp

Bootshaus Kombüse in der Neustadt: Essen fast wie an Deck

Steuerfrau und Smutje: Chefin Kristina Kawalla und Alexander Speck, einer der beiden Köche in der Kombüse

Foto: Michael Rauhe

Steuerfrau und Smutje: Chefin Kristina Kawalla und Alexander Speck, einer der beiden Köche in der Kombüse Foto: Michael Rauhe

Der Großneumarkt liegt meistens im Trockenen. Ganz in der Nähe jedoch, an der Straße Thielbek, steht das Bootshaus – und das schon seit fünf Jahren. Wer dieses nach längerer Abstinenz mit leerem Magen ansteuert, muss erst mal hungern: Dort, wo bis zum Vorjahr Bistro, Café und der Ahoi Marie Shop auf wenigen Qua­dratmetern komprimiert waren, ist nur der Bootshaus Hafen geblieben. In dem stehen maritime Utensilien, blau-weiße Teller und Tassen zum Verkauf.

Gut jedoch, dass es den „Kulturlotsen“ gibt. Der gleichnamige, in der deutschen Kleinkunstszene verankerte Künstleragent namens Björn – sein Büro liegt zufällig gleich um die Ecke – weist uns freundlicherweise den kurzen Weg durch die Neustadt und steuert selbst zielsicher die Bootshaus Kombüse an. So heißt das Lokal, das in der Steinwegpassage Nähe Wexstraße einen neuen Liegeplatz gefunden hat. „Maritimer Speiseraum“ haben es Chefin, pardon Steuerfrau Kristina „Tina“ Kawalla und ihre Smutjes Mario Kayser und Alex Speck genannt. Schon am alten Hafen hatte „Tina“ unter Kapitän Hauke Neumann die Mittagstisch-Matrosen satt gemacht. Jetzt kann sie ihnen mit ihrer Crew an fünf Werktagen pro Woche mit mehr Sitzplätzen im Saal und auch vor der Bootshaus Kombüse dienen. Und die Öffnungszeiten heißen hier selbstredend Liegezeiten.

Der „Kulturlotse“ weiß , dass es „für den Fisch immer Beeilung heißt“. Fix bestellt er am Tresen den auf der Wandtafel angepriesenen Knusperseelachs mit Rote-Bete-Kartoffelauflauf. Für 9,20 Euro offensichtlich eine gute Wahl, wie sich beim Essen am Tisch zeigt – gefräßige Stille. Als Neu-Matrose kann man aber auch bei Pasta Bolognese (8,40 Euro) nichts falsch machen: Mit gleich zwei Nudelsorten, hausgemachter Soße und feinem Gemüse ist der Hunger alsbald besiegt. Dazu noch eine Flasche Misch Masch (0,33 l zu 2,90 Euro) statt einer ebenfalls denkbaren ostfriesischen Limonade – und die Lebensgeister sind wieder erwacht.

Zwei Fischgerichte stehen täglich auf der Karte, erläutert Steuerfrau „Tina“ („Ich bin Kopf und Gesicht im Gastraum“) nach dem Mahl. Die kleine, aber feine Küche bietet neben experimentellen auch traditionelle Gerichte, gewürzt mit einer Prise Andersartigkeit. Vertraute norddeutsche Speisen reichern die Smutjes mit neuen Ideen an. Das können auch mal rote Pellkartoffeln mit grünen Bohnen sein, Senf-Eier, Lachspfannkuchen, Fischfrikadellen oder die Bootshaus-Salate mit Räuchermakrele (8,50) respektive Ziegenkäse (8,20 Euro) – auch Stammgästen wie dem Kulturlotsen bekannt.

Außer Mittagstisch-Matrosen sollen hier aber auch Kaffee-Nixen auf den Geschmack kommen, die koffeinhaltigen Varianten sind vielfältig. Nach dem Essen reicht ein Espresso (1,90 Euro), die verschiedenen Kuchen-Variationen lassen wir aus. So bleibt ein Teil der Heuer fürs nächste Ma(h)l. Die Bootshaus Kombüse sollte man auf dem Radar behalten. Die liebevolle Zubereitung der Speisen und die Chance zu einem kleinen Schnack gibt es auf hoher See schließlich nicht.

Bootshaus Kombüse montags bis freitags 11.30 bis 16 Uhr, Steinwegpassage 5, T.­ 49 20 90 63

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.