Eimsbüttel

Tiroler Küche mit Schwarzwälder Note

Brotzeit: Den Marend-Besitzern und-Köchen Lara Eva Hahnel und Diego Beltran schmeckt's selbst.

Brotzeit: Den Marend-Besitzern und-Köchen Lara Eva Hahnel und Diego Beltran schmeckt's selbst.

Foto: Andreas Laible

Das Restaurant Marend in Eimsbüttel bietet zartes Wiener Schnitzel, feine Spinatknödel, aber auch Linseneintopf mit Spätzle.

Eimsbüttel. Ist Kochen Kunst? Wenn es schnell gehen muss,nicht immer. „Marend“ etwa ist ein Begriff aus Österreich, in Tirol bedeutet er „deftige Pause“ oder auch „Brotzeit“.Mithin eine Zwischenmahlzeit. Lara Eva Hahnel lebt mittlerweile gut zehn Jahre in Hamburg und ist Künstlerin. Nach der Zeit an der Contemporary Dance School trat die ausgebildete Bühnentänzerin mit eigenen Stücken auf, tanzte in der Staatsoper, und ihr in Eigenregie produzierter Kurzfilm„Ankommen“eröffnete das interkulturelle eigenarten-Festival.

Wie der Zufall und die Liebe es wollten, lernte die gebürtige Schwarzwälderin in der Hansestadt den Kolumbianer Diego Beltran kennen, auch er ein Künstler, studierter Musikpädagoge am Johannes Brahms-Konservatorium und Sänger der Band Reggaedemmi, indes auch Koch. Als solcher arbeitet er seit zwei Jahren im seit 2017 geöffneten Eimsbütteler Restaurant Marend dessen Ursprung noch immer auf St. Pauli steht. In dem größeren Lokal mit fast 50 Sitzplätzen in einer Seitenstraße vom Eppendorfer Weg sind Diego und Lara seit gut einem dreiviertel Jahr ihre eigenen Chefs. Sprich Inhaber, Betreiber, Köche und Servicekräfte oder eben „Mädchen für alles“, wie es Lara Hahnel nennt.

„Schlutzkarpfen“? Besser man bestellt Schlutzkrapfen wie auf der Karte

Und selbst wenn die Jung-Chefin an einem turbulenten Sonnabend mal eine Reservierung falsch zugeordnet hat, braucht sie nicht im Herrgottswinkel zu Kreuze kriechen, mit seinen Figuren und Bildchen ein typischer Ort für Wirtshäuserin Süddeutschland und Österreich sowie hier in Eimsbüttel. Dank ihres herzlichen Charmes steigt die Vorfreude auf ein Wiener Schnitzel beim Warten am Tresen. Und soll der Herrgottswinkel nicht sogar protestantische Gäste und Heidenkinder mahnen, sich zurückzuhalten?

An einem kleinen der hellen Holztische mit massiven Stühlen an der Fensterfront nun gut platziert, dauert es gar nicht mehr so lange, bis das Schnitzel à la Diego kommt: ein feines zartes Stück Kalbsfleisch, nicht zu dick paniert, mit sehr bekömmlichem Kartoffelsalat, Preiselbeeren und gemischtem Salat für 19,50 Euro.

Aus unserem zweiten Hauptgericht macht sich die Chefin einen Spaß: Zweimal schon hätten Gäste bei ihr jüngst „Schlutzkarpfen“ bestellt, erzählt sie, obwohl sich Lara und Diego nicht viel aus Fisch machen. Wer allerdings Schlutzkrapfen (!) wie auf der Karte ordert, bekommt flache Teigtaschen gefüllt mit Spinat und Ricotta,mit Butter und Parmesan, dazu gemischten Salat mit gerösteten Kernen für faire 10,70 Euro. Schmackhaft und gut gewürzt ist die Tiroler Nudelspezialität mehr als eine Zwischenmahlzeit.

Auf der Karte stehen Tiroler Spezialitäten wie Käsknödel

Die Einrichtung im Marend ist rustikal-minimalistisch, dank des hellen Holzes aber durchaus freundlich. Und wenn das Lokal nicht mehr so brechend voll ist wie am Anfang des Abends, sinkt die Geräuschkulisse auch an den langen Holztischen auf ein Normalmaß. Stammgäste kommen offenbar gern später. Ein einzelner Herr bestellt das, was einen als Marend-Neuling schon zuvor neugierig gemacht hat: Spinatknödel in brauner Butter mit Parmesan und Salat.

Sie stehen als Tiroler Spezialität auf der Karte wie Rote-Bete-Knödel und Käsknödel (je 10,70 Euro). Einer statt der üblichen zwei grünen Genuss-Bälle muss zum Probieren genügen – sehr delikat und das Hauptgericht fürs nächste Mal. Als Nachspeise bekommen wir den letzten leckeren Kaiserschmarrn des Abends, selbstredend hausgemacht. Eine reichhaltigePortion (9,60 Euro), von der wir den leer ausgegangenen beiden jungen Damen am anderen Nachbartisch gern etwas abgeben. So schmeckt vierfaches Glück.

Ihr Glück als Duo scheinen Lara und Diego mit dem Marend gefunden zu haben. Das Kochen habe sie, so erzählt Hahnel noch, schon als Teenager gemocht und viel von der Oma und der Mutter übernommen. Noch heute sei sie für die Soßen zuständig. Und Laras Mittagstisch-Angebote wie Pfannkuchen mit Pilzcreme-Füllung oder Linseneintopf mit Spätzle (je 8,50Euro) sollen dem Marend, das zu dem zehn Außenplätze zu bieten hat, eine zusätzliche Schwarzwälder Note geben. Nicht nur Hausmanns-, auch Kochkunst.

Marend Von-der-Tann-Str. 5

www.marend.net