Karolinenstraße

Hamburgs Gastromeilen: Genießen unter dem Fernsehturm

Ein bunte Auswahl von Lokalen bietet große kulinarische Vielfalt an der Karolinenstraße. Teil acht der großen Serie.

Hamburg.  Als Antonio Paci 2006 seine Trattoria Cento Lire im Haus mit der Nummer 12 eröffnete, war die Karolinenstraße eine reine Durchfahrtstraße zwischen Fernsehturm und Innenstadt – mit einer Handvoll Lokalen, die damals noch nicht alle gleichermaßen einladend waren. Paci ist also einer der Genuss-Pioniere – und mitverantwortlich dafür, dass aus „seiner“ Straße eine große Gastromeile geworden ist. Ebenfalls vor zwölf Jahren begann Martina Olufs (Koch Kontor) für ihre Gäste aus Kochbüchern einen fantastischen Mittagstisch zu zaubern. Acht weitere Restaurants versorgen Anwohner, Touristen, Messebesucher, die Mitarbeiter aus nahen Agenturen und den umliegenden Läden des Karoviertels.

1. Man Nam Vom recht kargen Ambiente des im Souterrain liegenden Lokals darf man sich nicht abschrecken lassen. Wer den Weg ins Man Nam gefunden hat, wird mit authentischer koreanischer Küche belohnt, etwa hausgemachten Maultaschen (Mandus), Kimchi (eine Portion für drei Euro) und Bul-Go-Gi, marinierte Rindfleischscheiben mit Zwiebeln, die am Tisch zubereitet werden (13 Euro). Dazu gibt es wechselnde Beilagen (Banchan) aus Gemüse, Tofu, Ei oder Fisch. Wer in größerer Runde im Man Nam (koreanisch für „Treffpunkt“) feiert, kann landestypisch Karaoke auf der Bühne singen.
Karolinenstraße 1, Di bis Do 12–15 Uhr und 18–23 Uhr, Fr/Sa bis 24 Uhr, So nur 18-23 Uhr, 040/43 09 71 71, www.man-nam.de

2. Dulf’s Burger Gegrillte Fleisch-Pattys gehen anscheinend immer. Die Karolinenstraße hat mit Dulf’s Burger und Edelsatt gleich zwei ganz besondere Burger-Läden (zu Edelsatt kommen wir später). Für Dulf’s Cheeseburger (150 Gramm, 8,40 Euro) oder den Farmer Burger (9,20 Euro) wird Fleisch von artgerecht gehaltenen Rindern aus Schleswig-Holstein verwendet. Brot und Saucen wie Wasabi und Trüffel Mayo kommen aus eigener Herstellung. Unbedingt Platz lassen sollte man für einen Milkshake, wobei der Dulf’s Oreo Freakshake (0,5 Liter, 7,90 Euro) eine eigene Mahlzeit ist. Kindergeburtstag für Große!
Karolinenstraße 2, täglich 11.30-22.30 Uhr, Fr/Sa bis 23.30 Uhr, 040/46 00 76 63, www.dulfsburger.de

3. TeoLino Der Nachbar des Platzhirsches Cento Lire lockt mit einer kleinen, feinen Karte mediterraner Spezialitäten wie Lasagne, Ravioli mit Trüffeln und Salbei sowie Tiramisu. Zum Glück ist das Baugerüst am Haus verschwunden, sodass die Gäste auch draußen an kleinen Tischen mit karierten Decken und Blick auf den Tschaikowskyplatz tafeln können.
Karolinenstraße 6, Mo bis Fr 11–22.30 Uhr, Sa 17-23 Uhr, Tel. 040/46 64 55 27

4. Trattoria Cento Lire Es soll Besucherinnen geben, die allein wegen Antonio Paci ins Restaurant kommen. Der Sizilianer ist sogar charmant, wenn er herzhaft in ein Panino beißt und dabei „Buon­giorno, Signora“ ruft. Seine Trattoria ist der Italiener im Karoviertel, in dem er seit 20 Jahren lebt. Auf gemütlichen Kissen sitzt man bei marktfrischen Antipasti und saisonalen Hauptspeisen an den großen Fensterfronten oder lauschig bei Kerzenschein zu zweit – soweit das in einem Szenelokal geht. Nettes Plus: Jedem Essen geht eine kleine Suppe voraus. Das Olivenöl stammt aus Pacis eigener sizilianischer Produktion. Unbedingt reservieren. Nur Barzahlung.
Karolinenstraße 12, Mo bis Sa 11–15.30 Uhr und 18–1 Uhr, 040/41359177, www.trattoriacentolire.de

5. Das Peace „Shalömchen!“ – Die Begrüßung ist geblieben, ebenso das Interieur mit dem Glasmosaik im Wintergarten. Nur der Name hat sich geändert: Aus dem Peacetanbul (mittlerweile auf Kampnagel) ist 2017 Das Peace geworden. Sevgi und Salman Iscan sind die neuen herzlichen Gastgeber, sie betreiben auch das bolivianische Lokal La Paz in Eimsbüttel. Tapas (ab neun Euro), Köfte (Hacksteak) und Hotdog aus Bio-Lamm (beides 7,50 Euro) stehen auf der Karte, dazu hausgemachte Durstlöscher und süße Verlockungen ab 1,50 Euro.
Karolinenstraße 14, geöffnet Di bis Fr 12 Uhr bis open end, Sa/So 13 Uhr bis open end, 040/59458777

6. Variable Pizzen, Salate, Pasta und vegetarische Gerichte für sechs Euro – an diesem Mittagstisch-Angebot (montags bis freitags 12 bis 16 Uhr) kommt man kaum vorbei. Das Team um Inhaber K. Dehghan Azimi bietet seinen Gästen aber auch darüber hinaus eine große kulinarische Bandbreite. Eine „Kleinigkeit“ wie zum Beispiel die persische Spinat-Spezialität Borani kostet 4,70 Euro, ein Rumpsteak mit Beilage nach Wahl 14,20 Euro. Die auf den ersten Blick üppige vegetarische Karte besteht hauptsächlich aus überbackenen Gemüsesorten (ab 5,90 Euro). Klassisch geht’s beim Dessert zu: Neben Eis & Heiß und Roter Grütze stehen sechs hausgemachte Pfannkuchen-Varianten zur Wahl.
Karolinenstraße 23, geöffnet täglich 12–22.45 Uhr, 040/430 53 26, www.restaurant-variable.de

7. XeÔm Achtung, scharfe Sachen! Wer es nicht gewohnt ist, vietnamesisch zu essen, sollte vor der Bestellung nach dem Grad der Würzung fragen (bitte keinen Chili!). Dann schmecken die Pho-Suppen ganz köstlich und sind gerade richtig bei der klirrenden Kälte. Es gibt sie mit Rindfleisch, Hühnchen, Tofu und mit Pak Choi rauchig-angebraten für 7,50 Euro. Auch zu empfehlen: Reisnudelsalat, Frühlingsrollen und Cháo, der traditionelle Reisbrei. Das kleine Restaurant ist heiß geliebt im Viertel: Um Punkt 12.30 Uhr sind alle Plätze belegt. Wie gut, dass die Betreiber in Kürze einen Ableger in der Nachbarschaft planen. Wer sich fragt, warum die Wand im hinteren Teil lauter Mopeds zeigt - XeÔm heißt das in Vietnam typische Moped-Taxi.
Karolinenstraße 25, geöffnet Di bis Do 12–22 Uhr, Fr bis 22.30 Uhr, Sa/So 14–22.30 Uhr, 040/18 13 82 63

8. Koch Kontor Zeit sollte man mitbringen für einen Besuch in diesem außergewöhnlichen Ladenlokal mit elf Tischen. Schließlich gibt es mit rund 2500 Kochbüchern die größte Auswahl der Stadt zu entdecken! Paleo-Diät und Persische Küche, Alfred Biolek und Donna Hay, Rezepte aus dem berühmten Noma in Kopenhagen und „Zu Hause bei Au­drey“. Ob man jemals daraus etwas kochen wird, sei dahingestellt. Zumindest Martina Olufs und ihre Mitarbeiter tun das: Jeden Tag werden wechselnde Rezepte in der offenen Küche nachgekocht und zum Mittagstisch von 12 Uhr an serviert. Auf der Website steht der Wochenplan mit den jeweiligen Rezepten; Morgen ist beispielsweise ein Grünes Fischcurry von Donna Hay dran. Zu guter Letzt Martinas Tipp: Am Sonnabend, wenn es etwas ruhiger ist, zum Schmökern kommen – und die selbst gebackenen Kuchen probieren.
Karolinenstraße 27, geöffnet Mo bis Fr 10–19 Uhr, Sa/So 11–17 Uhr, 040/43 21 60 36, www.koch-kontor.de,

9. Maui Poke Guys „Wir sind die Neuen hier“, steht groß am Fenster geschrieben. Tatsächlich ist der hawaiianische, rosafarben getünchte Imbiss der jüngste Neuzugang auf der Schlemmermeile – und mit gerade einmal acht Plätzen der kleinste. Maui Poke, wobei Poke so gesprochen wird, wie man es liest, stammt ursprünglich aus Hawaii und bedeutet: viele klein geschnittene Zutaten. Zu Lachs, Thunfisch, Hühnchen oder Tofu werden Gemüse, Reis, Nüsse, Sesam und Granatapfelkerne in eine Bowl, also Schüssel, gemischt. Gäste können aus Marinaden und Toppings sowie Fritz-Getränken wählen.

Dieser leichte und erfrischende Mittagstisch wird von 12 bis 14 Uhr angeboten und kostet zwischen 9 und 10,50 Euro. Kennengelernt hat Chef Wito Ziegler diese Speisen nicht auf Maui, sondern in Australien, wo er ein Jahr lang lebte. „Dort ist Poke besonders bei Surfern beliebt. Dieses Strandgefühl wollte ich nach Deutschland transportieren“, so Ziegler, der selbst wie ein Beach-Boy strahlt und seine Umgebung kurzerhand „Karo Beach“ getauft hat.
Karolinenstraße 30, geöffnet Di bis Fr 11.30–21 Uhr, Sa/So 13–22 Uhr, 0176/40 20 93 56

10. Edelsatt Neben der Filiale am Mühlenkamp gibt es seit Frühjahr 2017 ein zweites Edelsatt. Das Besondere: Burger und Currywürste werden ausschließlich mit Wildfleisch aus heimischen Revieren zubereitet. Preise: 8 bis 13 Euro.
Karolinenstraße 32, geöffnet Mo 12–21 Uhr, Di bis Sa 12–22.30 Uhr, 040/ 72376160, www.edelsatt.de,

Alle Teile der Serie unter abendblatt.de/gastromeilen