Bio-Gemüseabo

Sannmann – ein Pionier des biodynamischen Landbaus

Thomas Sannmann mit einer Auswahl seiner Salate.

Thomas Sannmann mit einer Auswahl seiner Salate.

Foto: Eva Häberle:

Thomas Sannmann bewirtschaftet seinen Hof in den Vier- und Marschlanden schon seit 1985 biologisch. Gerd Rindchen hat ihn besucht.

Thomas Sannmann ist der wohl bedeutendste Pionier des biodynamischen Landbaus in den Vier- und Marschlanden. Dabei war ihm das Bio-Gen nicht in die Wiege gelegt: Obst- und Gemüseanbau ist heutzutage Hochleistungssport, und das Gros der Betriebe wirtschaftet nach wie vor konventionell.

So auch Thomas Sannmanns Vater, der anfänglich das früh geweckte Interesse seines Sohnes für den biodynamischen Landbau äußerst skeptisch beäugte. Aber die Hinwendung zur Bio­dynamie zog – nomen est omen – eine äußerst dynamische Geschäftsentwicklung nach sich. Heute sind es rund 30 Mitarbeiter in der Gärtnerei und drei in der Verwaltung, die für die Befriedigung der stetig wachsenden Nachfrage im Einsatz sind.

Hier gibt es im Spätsommer die Vierländer Platte

Spezialisiert ist der Betrieb auf seltene Gemüsesorten, Wildkräuter und hochwertige Biosalate. So gibt es hier im Spätsommer die Vierländer Platte, eine phänomenal aromatische und köstliche, nur in der Region heimische Tomatensorte, die von Thomas Sannmann wieder belebt wurde und die italienischen und französischen Edeltomaten locker in die Schranken verweist.

Es gibt fast nichts, womit ich lieber koche, denn: Vierländer-Platte-Wochen sind kulinarische Festwochen! Schon seit Jahrzehnten bietet Sannmann mittlerweile rund 3000 Haushalten in Hamburg und Umgebung ein immer überraschendes Bio-Gemüseabo, bei dem wöchentlich oder 14-täglich ein Kistchen mit Gemüsen, Kräutern und Salaten der Saison am heimischen Herd landet.

Ein Quell für Wissbegierige

Durch solch ein Gemüseabo entdeckte ich einst meine Leidenschaft für den Winterportulak, eine äußerst köstliche, vitaminspendende und nitratarme Salatart. Ohnehin sind die Edelsalate ein Rückgrat des Betriebs – großflächig wird Feldsalat angebaut, und Sannmann experimentiert unermüdlich mit Sorten wie Erdnusssalat, Wasabisalat, Rübstiel, Picanto, Agorasalat oder Winterkresse. Kein Wunder, dass schon Spitzenköche aus ganz Deutschland vorstellig geworden sind – oder gar, wie Heinz Wehmann vom Landhaus Scherrer, seit Jahrzehnten eng mit ihm kooperieren.

Die Internetseite www.sannmann.com ist ein Quell für Wissbegierige, die mehr über Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit des biodynamischen Landbaus erfahren möchten. Und wer gerne mal vor Ort reinschnuppern oder die begehrten Köstlichkeiten erntefrisch für den Hausgebrauch erwerben möchte, kann dies jeden Sonnabend zwischen 10 und 15 Uhr tun – dann ist der Hofladen am Ochsenwerder Norderdeich 50 geöffnet. Ganzheitliches Wirtschaften und Bewahren des fragilen Naturerbes für die nächsten Generationen – das ist es, was den Bio-Pionier beseelt.

Sannmann erzählt seine Geschichte

Hier erzählt er, wie es dazu kam: „Geboren wurde ich 1958 in Bergedorf. Gemüseanbau hat bei uns Tradition – ich bewirtschafte den väterlichen Hof in neunter Generation. Schon meine Großmutter fuhr einst mit dem Pferdefuhrwerk zum Großmarkt, der seinerzeit auf dem Rathausmarkt oder dem Rödingsmarkt stattfand. Mein Interesse für die Biodynamie wurde früh geweckt, als ich während meiner Ausbildung zum – konventionellen – Gärtner in Glückstadt bei der Landjugend einen Vortrag über die Biodynamie nach Rudolf Steiner hörte. Seitdem lässt das Thema mich nicht mehr los.

Mein Vater hatte erst schwere Bedenken, als ich nach Hause zurückkam, und gestattete mir nur eine kleine Versuchsfläche für den biodynamischen Anbau. Aber die Ergebnisse waren so gut, dass ich den ganzen Hof umstellen konnte, seit 1985 biologisch wirtschafte und 1992 die Umstellung auf den komplett biodynamischen Wirtschaftskreislauf vollzogen habe. Zu unseren ursprünglich drei Hektar Gemüseanbau sind mittlerweile weitere 57 Hektar Pachtfläche hinzugekommen. Etwa die Hälfte davon ist Grünfläche, die ich für unsere 20 Kühe benötige.

Auf den richtigen Kompost kommt es an

Die Kühe sind keine Milchkühe – die Milch geht an die Kälber, und alle leben mit viel Bewegungsfreiheit im offenen Laufstall. Es geht um den Kompost, den wir in der Biodynamie dringend benötigen. Da Kühe als Wiederkäuer vier Mägen haben, ist ihr Dung besser verdaut und als Dauerhumus besonders wertvoll für die Bodenqualität und Biodiversität. Das ist auch der beste Umweltschutz: Ein optimal mit Dauerhumus versorgter Boden kann bis zu 240 Tonnen CO2 pro Hektar binden! Und der Boden ist das Medium, in dem die Pflanzen wachsen.

„Genusshelden“

  • Gerd Rindchen, Hamburger „Wein-Papst“ und exzellenter Kenner der hiesigen Gastro-Szene, stellt in seinem Buch „Genusshelden“ Hamburger vor, die mit ihrer Leidenschaft für gutes Essen und Trinken die Stadt kulinarisch bereichern.
  • Das Buch, das vom Junius Verlag und dem Abendblatt gemeinsam herausgebracht wird, enthält insgesamt 30 Porträts sowie ebenso viele Rezepte. Es hat 144 Seiten, kostet 29,90 Euro und ist im Buchhandel, in der Abendblatt-Geschäftsstelle (Großer Burstah 18–32) sowie unter www.abendblatt.de/shop erhältlich. Das Abendblatt druckt eine Auswahl der Geschichten jeden Sonnabend auf der Seite „Zu Tisch“.

Ist der Boden nicht nachhaltig entwickelt, kann er dem Menschen seine Kräfte über die Pflanzen nicht mehr vermitteln. Über die Pflanzen nehmen wir alles Notwendige auf: Sie speichern für uns die Energie des Sonnenlichts und die Kraft des Bodens und geben diese an uns weiter. Nur durch optimal bekömmliche Pflanzen kann der Mensch sich körperlich und geistig weiterentwickeln, denn es gibt einen Kausalzusammenhang zwischen körperlicher Gesundheit und geistiger Leistungsfähigkeit.

Unsere Auszubildenden kommen aus ganz Deutschland

Das Schöne: Diese Einsichten sind allmählich ansteckend! Viele Nachbarbetriebe geben ihre Töchter oder Söhne zu mir in die Ausbildung, und einige davon haben sich schon mit biodynamischen Betrieben selbstständig gemacht. Unsere Auszubildenden kommen aus ganz Deutschland. Im Moment freue ich mich sehr, dass eine meiner Töchter in den Betrieb eingestiegen ist.“