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Red Chamber: Das Geheimnis der roten Kammer

Die Brüder Xinyi, Qiuyi und Julian Chen (v. l.) in ihrem neuen Restaurant Red Chamber an der Schauenburgerstraße in der City

Die Brüder Xinyi, Qiuyi und Julian Chen (v. l.) in ihrem neuen Restaurant Red Chamber an der Schauenburgerstraße in der City

Foto: Andreas Laible

Die Betreiber des bekannten Ni Hao in Wandsbek eröffnen mit dem Red Chamber ihr drittes China-Restaurant in der Stadt.

Altstadt.  Schweinbauch klingt unsexy. Mit dieser Meinung dürfte Qiuyi Chen nicht allein dastehen, und weil dem Geschäftsführer des Red Chamber Sexappeal wichtig ist, sagt er lieber „Bauch vom Schwein“. Das neue asiatische Restaurant an der Schauenburgerstraße in der Altstadt ist neben dem Copper House auf St. Pauli und dem Ni Hao in Wandsbek schon das dritte Restaurant der Brüder Qiuyi, Xin­yi und Julian Chen in Hamburg.

Das Ni Hao ist so etwas wie die alte Liebe der Familie Chen: nicht so sexy, aber bewährt. Das Restaurant gibt es seit 1994, seit der älteste Bruder Julian aus den Niederlanden, wo die Eltern in Deventer ein China-Restaurant führten, nach Hamburg zog. Er war auf der Suche nach einem Standort. Dass die Wandsbeker Zollstraße so gar nicht sexy ist, sondern eher etwas für ein typisches China-Restaurant mit Lampions und Winkekatzen, wusste der Neu-Hamburger damals noch nicht.

Bekannt für seine Peking-Ente

Egal, die jüngeren Brüder kamen nach, und zusammen bauten sie ihr erstes Restaurant auf. „Wir haben sehr gehoben angefangen, aber das hat in Wandsbek nicht funktioniert“, sagt Qiuyi Chen, der bis zu seinem neunten Lebensjahr in China lebte. Dann ging die Familie in die Niederlande und folgte damit einer Tradition. „Schon der Bruder meines Opas wanderte 1905 nach Europa aus und heiratete eine Holländerin“, sagt Qiuyi Chen.

Das Ni Hao ist mittlerweile vor allem für seine Peking-Ente bekannt und, wie die Brüder selbstbewusst sagen, der „beste Chinese Hamburgs“. Verantwortlich ist Chefkoch Julian Chen. Vor sieben Jahren kam dann das Copper House an der Davidstraße hinzu, Xinyi, jüngster Bruder und Weinimporteur, übernahm die Leitung. Die beiden Schwestern arbeiten in allen Restaurants mit. Kettenläden zu eröffnen, sei nicht infrage gekommen. „Jedes Restaurant soll etwas Besonderes sein, auf das wir stolz sein können.“

Qiuyi ist Diplom-Physiker, arbeitete früher für Philips. „Manchmal habe ich die Hälfte des Jahres auf Geschäftsreisen in Asien verbracht. In Peking und Shanghai werden tolle Gastronomie-Ideen entwickelt“, sagt er. Eine weitere Qualität zeichnet ihn als denjenigen der Brüder aus, der die Bedürfnisse der Restaurantgäste bestens verstehen dürfte. „Mein Hobby ist essen“, sagt der Vater eines drei Jahre alten Sohnes sehr ernsthaft. „Ich kenne fast alle Restaurants in Hamburg.“ Der 41-Jährige ist ein sehr kritischer Gast. „Ich weiß genau, was ich will. Um ein passendes Restaurant zu finden, bin ich mit meiner Frau auch schon eine Stunde lang durch den Regen gelaufen.“

Tische und Stühle aus China

Man könnte Qiuyi Chen als Perfektionisten bezeichnen. Nach dem Namen „Copper House“ hat er drei Monate lang gesucht, bis er zufrieden war. Im Red Chamber – der Name erinnert an den chinesischen Roman „Der Traum der roten Kammer“ und an die unmittelbare Nähe zur Handelskammer – hat er allein mehrere Monate lang den Keller sanieren und mehrere Wanddurchbrüche machen lassen.

Auch bei der Inneneinrichtung hat der Gastronom nichts dem Zufall überlassen. Tische, Stühle, Stäbchen und Teller kommen aus China. Das Besteck ist dagegen von Villeroy und Boch. Es ist das gleiche, dass Qiuyi Chen zu Hause in Eilbek hat. „Eigentlich viel zu hochwertig für die Gastronomie“, sagt er. „Aber ich wollte es unbedingt haben.“ Praktische runde Drehtische wie im Ni Hao sucht man im Red Chamber vergebens, stattdessen ist die „Kammer“ mit rund 80 Sitzplätzen in Schwarz- und Rottönen gehalten, die rot beleuchtete Bar nimmt einen prominenten Platz ein. Die Chens stellen sich vor, dass in ihrem dritten Restaurant auch der „late evening“ interessant werden soll. Qiuyi Chen spricht von „Nightlife-Atmosphäre“ und dem Nikolaiquartier als aufkommendem Ausgehviertel für Hotelgäste. Die Getränkekarte ist deutlich dicker als die Speisekarte. Öffnungszeiten bis Mitternacht, bei Bedarf auch länger.

Für 32,50 Euro pro Person könnensechs Gerichte ausgewählt werden

Vielfältigkeit, sagt Qiuyi Chen, sei entscheidend. Die Gäste sollen verschiedene Speisen bestellen, jeder kann überall probieren. Für 32,50 Euro pro Person können sechs Gerichte ausgewählt werden. Während das Ni Hao eher „authentische Küche“ biete, stehe im Copper House mit dem Show-Kochen in der offenen Küche das „Erlebnis“ im Vordergrund.

In allen drei Restaurants gehe es um das gemeinsame Ausprobieren unterschiedlicher Gerichte, „wie in Asien“. Dazu erzählt Qiuyi Chen eine Geschichte: Ein Paar kam zusammen ins Ni Hao und bestellte – dramatischer Griff an den Kopf – zwei identische Entengerichte. Das ist Jahre her, bis heute erzählen die Brüder davon.

Am Donnerstag feiern die Familie Chen und ihre Gäste die offizielle Eröffnung des Red Chamber. Mit dabei auch Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU). Er hatte Qiuyi Chen das aus Schleswig-Holstein stammende Susländer Schwein empfohlen, das in dem Gericht „Mao’s Favorite“ verarbeitet ist. In der Karte natürlich als sexy „Bauch vom Susländer Schwein“ zu finden. Was Sexappeal angeht, hat Wandsbek also schon ein wenig aufgeholt.

Red Chamber Schauenburger Str. 49

www.red-chamber.de