Gastro-Tipp

Gerd Rindchen zu Gast im japanischen Restaurant Daruma

| Lesedauer: 5 Minuten
Gerd Rindchen
Von außen ziemlich unscheinbar: das Restaurant Daruma

Von außen ziemlich unscheinbar: das Restaurant Daruma

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Der Genussexperte speist heute hinter den Deichtorhallen im Lokal Daruma. Hier gibt es vorzügliche Gerichte zu moderaten Preisen.

Hamburg. Unlängst erzählte mir der ehemalige Japan-Korrespondent eines Hamburger Nachrichtenmagazins ganz begeistert, dass ihm in unscheinbarer Randlage hinter den Deichtorhallen eine just eröffnete, ursprüngliche japanische Gaststätte, das Daruma, untergekommen sei, wie er sie in seinerzeit in Tokio kennen- und schätzen gelernt habe. Natürlich elektrisierte mich diese Nachricht förmlich – authentische japanische Küche zählt zur feinsten und reinsten Nahrungsart, die man bekommen kann –, und wir eilten spornstreichs dorthin. Die Begeisterung war groß, das Essen geradlinig, ehrlich und preiswürdig, und so schlug ich vor einiger Zeit meiner Frau vor, dort erneut einzukehren.

Hocherfreut konnten wir feststellen, dass sich seit meinem Erstbesuch 1983 (so viel zur Dehnbarkeit des Begriffes „unlängst“) so gut wie nichts verändert hatte: Nach wie vor zaubert Patron Hiroshi Ishibashi (übersetzt „Steinbrücke“, offenbar der japanische Familienzweig eines ehemaligen Kanzlerkandidaten) in seiner kleinen offenen Küche hervorragende japanische Hausmannskost im besten Sinne, während seine Frau Keiko mit großer Wärme und Herzlichkeit den Service leitet. Wer sich unter einem japanischen Lokal bislang aufwendig dekorierte Gourmettempel mit kleinen, feinen Häppchen zu atemberaubenden Preisen vorstellte, muss hier umdenken: Das Daruma ist eher ein Izakaya, eine klassische japanische Kneipe, wo etliche Esser am Sperrholztresen rund um die offene Küche hocken. Die anderen Gäste sitzen äußerst schlicht an in die Jahre gekommenen blanken Holztischen unter einfachen Lampions, das Interieur ist eher frühes Ikea als feines Ikebana.

Vorzügliche Gerichte zu moderaten Preisen

Wen das nicht stört, der bekommt hier vorzügliche, geradlinige Gerichte aus besten Zutaten zu moderaten Preisen. Schon die Vorspeisen und kleinen Gerichte machen richtig Spaß: Die Gyoza, gebratene Teigtaschen mit Hackfleisch und Kräutern gefüllt und sonst oft ein berüchtigtes Convenience-Produkt, sind hier noch liebevoll hausgemacht und äußerst köstlich (6 Euro). Aromensatt und elegant kommt auch das Agedashi-Tofu des Weges, zartes, gebackenes Seidentofu im kraftvollen Sud (6 Euro). Ein interessantes Appetithäppchen zwischendurch ist das Hiyayakko, kaltes Seidentofu mit ein paar Bonito-Schnipseln (3 Euro).

Unbedingt anzuraten ist auch der Verzehr des Maguro Natto, rohe Thunfischwürfel bester Qualität (hier gibt es ja Riesenunterschiede) mit zart nussigen, fermentierten Sojabohnen (10 Euro). Wer den Reiz rohen Fisches für sich entdeckt hat, dem sei hier das Sashimi Moriawase unbedingt empfohlen: Lachs und Thunfisch in jeweils bester Qualität, umwerfender, roher Tintenfisch, der auf der Zunge zergeht, würzige Makrele und feinster Loup de Mer, flankiert von guter Sojasauce, Wasabi und richtig knackigem Ingwer – das ist ganz schön viel Glück auf dem Teller zum überaus moderaten Preis (18 Euro). Wer sich noch mal gaumenfällig deutlich machen möchte, wie Sushi früher mal war, bevor diese Produktgruppe wie keine zweite gequält, geknechtet und mit unsäglichen billigen Zutaten wie fettigem Frischkäse, faden Möhren oder schwer-süßen Toppings pervertiert wurde, der möge sich im Daruma das große Nigiri Sushi (24 Euro) bestellen: Bester frischer Fisch in mannigfaltiger Zahl, auf subtil gesäuerten Reisbällchen serviert – das war’s und so soll es sein. Und wer die mit Algenpapier umwickelten Varianten schätzt, findet hier mit Tekka Maki vom Thunfisch (14 Euro) oder vom Lachs (13 Euro) die Klassiker in bewährter Qualität.

Eine Produktgruppe, an der man die Qualität eines Restaurants auch sehr gut festmachen kann, sind die frittierten Tempura: Sie werden nur lecker und bekömmlich, wenn das verwendete Fett ganz frisch und die Frittiertemperatur richtig gewählt ist. Auch hier zeigt das Daruma mit seinem klassischen, vorzüglichen Tempura mit Hummerkrabben, Fisch und verschiedenen Gemüsen auf, wie’s geht (18 Euro). Bei den Teriyaki-Gerichten ist der Lachs (16 Euro) zwar perfekt angebraten, die hausgemachte Teriyaki-Sauce allerdings recht süßlich und erdrückt das unschuldige Meerestier ein wenig.

Besser funktioniert das mit dem gebratenen Schweinebauch (16 Euro). Wem es zu mühsam ist, sich sein Menü aus den vielen Möglichkeiten zusammenzupuzzeln, der kann sich auch einfach in die Hände von Meister Ishibashi begeben und sich mit dem Überraschungs-Chefmenü verwöhnen lassen: Auf eine traditionelle Misosuppe folgen hier kleine Vorspeisen, Sashimi, Fisch vom Grill, ein geheimer Hauptgang nach Tageslaune des Patrons und ein Dessert (40 Euro).

Kleine Weinkarte im Daruma

Die Weinkarte ist klein und umfasst nur fünf Positionen – das reicht aber völlig, weil sich darunter ein perfekt zu Fisch und Seafood passender, kristallklarer Riesling vom Top-Nahewinzer Jakob Schneider (Fl. 24 Euro) befindet und, für die Fleischfreunde, auch der einzige Rotwein ziemlich anständig ist. So steht also einem authentischen und nostalgischen Genießerabend in der japanischen Eckkneipe nichts mehr im Wege.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Gastronomie