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Schöne Masche

Barbara Lohmann: Die Cashmere-Kreative

Foto: Hamburger Abendblatt / Andreas Laible

Die Nische der erfolgreichen Modedesignerin Barbara Lohmann: Stricksachen aus edlen Stoffen. Sie liebt diese Materialien.

Sie ist gerade fertig geworden. In allerletzter Minute. Die Herbstkollektion von Barbara Lohmann, der erfolgreichen Modedesignerin und Unternehmerin mit dem eigenen Label. Die für 2011 natürlich, sagt sie. Die Reste liegen noch auf dem großen Marmortisch, hier in ihrem Arbeitszimmer in Lemsahl. Garne aus luftig leichter Cashmerewolle mit dem eleganten C, nicht dem profanen K. Und hauchzarte, filigrane Seidenstoffe. Kleine Fitzelchen nur, Muster und Proben.

Barbara Lohmann liebt das Wühlen und Suchen in edlen Materialien. Seit dem verrückten Anfang vor mehr als 20 Jahren. Dem Tag im Spätsommer auf der Autobahn von München nach Hamburg, als ihrem 26 Jahre älteren Ehemann, dem erfolgreichen Agenten italienischer Modemarken, der Versace in Deutschland einführte, gerade die Vertretungen gekündigt worden waren. "Dann machen wir 'ne eigene Modemarke auf", habe sie kühn gesagt, und er: "Gut. Brief und Siegel drauf."

Fünf lange harte Jahre folgten. Mit viel Tränen. Bis sie ihre Nische gefunden hatte: Stricksachen aus edlem Cashmere. Jacken, Kleider, Röcke, selbst Jeans. Für die Frau ab 40, nicht labelbesessen, aber qualitätsbewusst, die das alles auch bezahlen kann.

Sohn Philip kommt kurz rein. Der 26 Jahre alte Modemanager, der mit in der Familienfirma ist, seitdem sich der Vater mehr daraus zurückgezogen hat. Er habe ein Händchen fürs Geschäft, mit ihm könnte sie ihrem Traum vielleicht näherkommen: dem internationalen Markt in den USA, Japan, Korea.

Barbara Lohmann ist eine warmherzige, offene, spontane und heitere Frau, die gerne und viel lacht. Eine typische Löwin vom Sternzeichen her sei sie. Mit Aszendent Skorpion, dem Sternzeichen ihres Mannes. Zwei starke Persönlichkeiten, die gut zusammenpassten. Und sanft und weich sei sie auch, ergänzt sie lachend. Das sehe man ja schon an ihrer Figur. Und nur noch gebremst temperamentvoll, seit der überschrittenen Halbzeitgrenze von 50. Der kleine Vulkan, wie sie früher genannt wurde, kokele nur noch lau vor sich hin. Großes Gelächter.

Es ist leicht, ihr zuzuhören. Ihren Geschichten, ihrem Leben. Ihrer Liebe zu hochwertigen Materialien, schon zu Hause aufgesogen bei der aus Masuren stammenden Mutter, auf deren elterlichem Hof noch alles selbst versponnen, gewebt, genäht und gestrickt wurde. Und die ihre Tochter später selbst benäht. Kleidung aus feinster, haltbarer Qualität vom großen Stoffgeschäft am Ballindamm mit den riesigen Holztischen. Irgendwann wird's der pubertierenden Tochter zu hausbacken. Sie träumt von gekauften Sachen, gibt Nachhilfeunterricht, kauft sich in der Innenstadt bei Elsner "sündhaft" teure Saffianlederschuhe. Die mit den Riemchen aus dem Fenster. Kratzt den Preis ab, packt die Tüten um. Schämt sich vor den Eltern für den horrenden Preis. Ein Schlüsselerlebnis, sagt sie, dass gute Qualität eben ihren Preis habe.

Sie selbst lasse nur in kleinen deutschen Handwerksbetrieben arbeiten, kaufe Stoffe und Garne in Italien, England und Frankreich. Europa sei für sie überschaubar. Indien und China seien von hier aus nicht zu kontrollieren. Diese Twinsets für 9,99 Euro, sagt sie empört, für nur 25 Cent in Bangladesch eingekauft von einer großen deutschen Handelskette. Was für eine Marge und um welchen Preis!

Zurück geht's zum eigenen Industriepraktikum. Berlin-Kreuzberg, dritter Hinterhof. Eine Polsterfabrik. Akkordarbeiterinnen, denen die Hände zitterten, sobald sie von den schweren Nähmaschinen aufstanden. Pause. Und dann ein Sprung. Zum Sommerurlaub mit Mann und Sohn vor knapp 13 Jahren in Saint-Tropez. Die aufkommende Langeweile. Die Fahrt nach Grasse, der Hochburg des Parfüms. Das Schwelgen in Düften, Aromen, Gerüchen - der erste eigene Duft, aus Jux kreiert. Und jetzt zum 20. Firmenjubiläum diese vier neuen Düfte. "Hier", sagt sie, "riechen Sie mal." Vanille und Lavendel, der typische Männerduft der Südprovence." Sie könnte sich darin verlieren.

Und so kehren wir lieber zurück in diesen sonnigen Raum mit dem riesigen Hundekorb. Rosi liegt normalerweise darin, die große dreieinhalbjährige Deutsche Dogge. Auf Augenhöhe sozusagen mit ihrer 1,65 Meter großen Besitzerin. Kuschelig, aber extrem wachsam, und Seelentrost, wenn alles über ihr zusammenschlägt.

Sie erzählt von der privaten Reise nach Indien nächste Woche. Das Land, in dessen Farben, Gerüche, Menschen sie stundenlang eintauchen könne. Ihr Faible für Ayurveda, der traditionellen indischen Heilkunst, und dass sie eigentlich lieber Ärztin hätte werden wollen, nur ihren Eltern nicht so lange auf der Tasche liegen mochte, aber dafür Homöopathie jetzt ihr Hobby sei.

Irgendwann haben wir uns schlicht festgeredet. An einfach allem. Der Liebe zu ihrem Mann, dessentwegen sie ihr Studium abbrach; ihrer Morgenmuffelei; ihrer Abneigung gegen große Events; ihrer Lust am Buddeln im Garten. Und dann geht's doch irgendwann los. Über den gepflasterten Hof, auf dem vor Jahren ein Riesensandberg lag, erzählt sie lachend. Drei Kubikmeter Sand, zu viel für die Sandkiste! Ihr Fehlkauf, der zum Riesenspielplatz für den Sohn und alle seine Freunde wurde. Ein Backermatschparadies. Und auch das könnte eine lange Geschichte werden ...