Privatleben leidet unter Fernstudium

Experten geben Tipps, wie Paare diese anstrengende Phase meistern und was sie beachten sollten, damit die Weiterbildung ein Erfolg wird

Mareile Weber hat sich für ein Fernstudium entschieden und verbringt seit einigen Monaten viel Zeit mit Lernen – neben ihrem anstrengenden Beruf Physiotherapeutin. Freie Zeit hat sie kaum noch, und auch ihre Partnerschaft erlebt eine Belastungsprobe.

In Deutschland entscheiden sich immer mehr Menschen für ein Fernlernangebot, um sich weiterzubilden. Im vergangenen Jahr gab es über 400.000 Fernlerner, so die aktuelle Fernunterrichtsstatistik des Fachverbands Forum DistancE-Learning. Davon waren rund 143.000 in ein akademisches Fernstudium eingeschrieben – und das, obwohl ein Fernstudium sehr zeitintensiv ist.

„Wer sich für ein berufsbegleitendes Studium entscheidet, steht nicht nur vor einer großen Herausforderung, sondern mit ihm gemeinsam auch der Lebenspartner“, sagt Professor Manfred Ahn, Geschäftsführer von Wings, dem Fernstudienzentrum der Hochschule Wismar. „Erfolgreich ist ein Fernstudent vor allem dann, wenn der Partner Verständnis für die Situation hat und ihm während der gesamten Zeit unterstützend zur Seite steht.“ Nach Auffassung von Markus Jung und Anne Oppermann, Autoren des Ratgebers „100 Fragen und Antworten zum Fernstudium“, hat der Partner in dieser Phase deshalb die Rolle eines Coachs, „der dem Fernlerner besonders in Prüfungsphasen den Rücken stärkt und ihn von seinen Familienpflichten entlastet“.

Damit Fernstudenten gemeinsam mit ihrem Partner kritische Situationen vor und während der beruflichen Weiterbildung meistern können, sollten sie Folgendes beachten: die Fernstudienpläne gemeinsam besprechen. Vorher offen mit dem Partner sprechen. Keine Entscheidungen im Alleingang treffen. Einwände des Partners ernst nehmen: Persönliche und berufliche Situation gemeinsam analysieren und mögliche Einwände des Partners vertrauensvoll besprechen. Finanzierung des Fernstudiums sicherstellen: Ein berufsbegleitendes Fernstudium kostet pro Jahr durchschnittlich rund 2500 Euro. Vorab mit dem Partner klären, ob Ersparnisse für die Weiterbildung verwendet werden können.

Während des Fernstudiums: einen genauen Zeitplan erstellen. Gutes Zeitmanagement ist die Basis eines erfolgreichen Fernstudiums. Deshalb mit dem Partner einen gemeinsamen Zeitplan für jedes Semester erstellen und klären, wann Zeit für die Beziehung bleibt. Die Kinderbetreuung regeln: Ein Fernstudium benötigt Zeit und Ruhe. Daher sicherstellen, dass der Partner genügend Zeit für die Erziehung der Kinder einplant. „Die meisten unserer Fernstudenten, die eine Familie haben, verlegen ihre Lernzeiten auf den späteren Abend, wenn die Kinder bereits schlafen“, sagt Professor Manfred Ahn.

Auch Jeanette Prescher, die als Mutter zweier Kinder ihren Bachelor in Medieninformatik per Fernstudium macht, lernt vorwiegend abends. Sie rät, unbedingt den Partner für die Betreuung des Kindes mit einzubinden. „Das Umfeld muss passen, wenn man eine Fortbildung mit Kind plant.“ Für andere Dinge bleibt ohnehin keine Zeit. „Hobbys und Freizeit entfallen“, sagt Prescher.

Dennoch raten Experten, bewusst Freiräume zu schaffen und sich zu belohnen. Regelmäßige Pausen einlegen und einen Tag in der Woche dem Partner widmen – in dieser Zeit sollte das Fernstudium nicht Thema sein.

Um zu Studienbeginn möglichst rasch Routine zu bekommen, sollten Fernlernende in den Studienplan feste Lerntage und -zeiten eintragen. Dabei sollte Raum für Experimente sein. So kann man versuchen, früher aufzustehen und vor der Arbeit zu lernen.

Viele Fernlernende nehmen sich am Anfang zu viel vor und verplanen jede Minute. Sie sind dann schnell erschöpft. Besser ist es, das Pensum langsam zu steigern. Karriereexperten empfehlen sechs bis acht Stunden pro Woche einzuplanen – nicht mehr. Darin sollte alles enthalten sein: das Lernen am Schreibtisch sowie kurze Wiederholungen des Lernstoffs.

Vor allem für Fernlernende mit Familie ist es häufig schwer, ihre Planung konsequent einzuhalten. Kaum sitzen sie am Schreibtisch, wollen die Kinder oder der Partner etwas von ihnen. Deshalb sind klare Absprachen besonders wichtig. Dazu gehört, dass Störungen tabu sind, wenn der Fernlernende am Schreibtisch sitzt. Im Gegenzug sollten feste Auszeiten für Familie und Freunde eingeplant werden, in denen man ausschließlich für sie ansprechbar ist.

Und für ein Motivationstief gilt: Sich dann zum Lernen zu zwingen hilft häufig nicht. Wegen mangelnder Konzentration geht es mit dem Lernstoff oft nicht voran. Wer sich blockiert fühlt oder müde ist, sollte sich deshalb eine Pause gönnen und den Fernlehrgang erst einmal für ein oder zwei Tage ruhen lassen.