Vom Wappenmaler zum Werbeprofi

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Hans-Jörg Munke

Foto: Heiner Köpcke

Wer heute Schilder- und Lichtreklamehersteller wird, lernt einen kreativen Beruf mit modernen Aufgaben und vielseitigen Herausforderungen

Ja, Schilder malen kann er natürlich. Doch zu seinem Alltag gehören auch Designentwürfe am Computer und die Beratung von Kunden. Elias Wagner, 20, befindet sich im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Schilder- und Lichtreklamehersteller bei der NH-Außenwerbung und hat damit einen Beruf mit Zukunft gewählt. Denn Werbung prägt unsere Städte – sie prangt an Gebäuden, leuchtet uns entgegen und ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

„Ich wollte nicht nur am Rechner sitzen, sondern auch handwerklich arbeiten. Hier macht man wirklich von der Kundenberatung bis zum fertigen Produkt alles“, erzählt Elias. „Zuerst kommt der Kunde mit seiner Anfrage, und wir machen Entwürfe. Nicht zu viele, man muss sich auf zwei oder drei beschränken, sonst verwirrt man den Kunden. Nachdem er seinen Favoriten ausgewählt hat, beginnen wir mit der Produktion“, sagt er, „das heißt: Wir drucken das Motiv und laminieren es mit einer Folie, um den Druck zu schützen. Anschließend spannen wir den Druckbogen, beispielsweise mit einem riesigen Schweinske-Logo, in den Plotter und lassen das Gerät die Schneidarbeit erledigen.“

Besonders viel Spaß macht dem 20-Jährigen das sogenannte Car-Wrapping. „Dabei packt man ein ganzes Auto in Folie ein – ein ideales Vorgehen, um Pkws ganz individuell zu gestalten. Gut ist, wenn sie eine neutrale Farbe haben, also Schwarz oder Weiß. Und: Will man den Wagen später verkaufen, lassen sich die Folien problemlos wieder entfernen. Man sieht dann absolut nichts mehr. Der Lack ist zudem gut gegen Steinschlag geschützt.“ Das einzige Manko dabei sind die Kosten – sie liegen fast so hoch wie bei einer neuen Lackierung. „Meinen letzten Wagen hatte ich auch komplett eingepackt. Das sah echt cool aus“, begeistert sich Azubi Elias, und dabei merkt man ganz deutlich, dass er den richtigen Platz im Berufsleben gefunden hat.

Der Beruf des Schildermalers zählt zu den ältesten im Malerhandwerk: Die Schilderer, Schilter oder Schildner bildeten bereits 1197 eine Zunft. Sie kennzeichneten und bemalten Schutzschilde, später Wappenschilder und schließlich Handwerks- und Hinweisschilder. Auch wenn der Beruf heute nicht mehr so handwerklich ist, so bietet er sehr viel Abwechslung. „Heutzutage wird am Rechner entworfen, und die fertigen Motive werden über einen Schneidplotter ausgegeben“, sagt der Inhaber von NH-Außenwerbung, Norbert Hafenstein. Der Anteil der Computerarbeit liege nur bei rund 50 Prozent. Die andere Hälfte sind Arbeiten an den riesigen Druckern und Schneidplottern, an Fahrzeugen, Fassaden und anderen Werbeträgern. Langeweile kommt dabei bestimmt nicht auf.

Derzeit sind im Unternehmen zehn Mitarbeiter beschäftigt, darunter nur ein Azubi. „Wenn Elias ins dritte Lehrjahr kommt, kann wieder ein neuer Auszubildender beginnen“, so Inhaber Hafenstein. Man bilde vorwiegend für den eigenen Bedarf aus.

Projektarbeit, wie sie das tägliche Geschäft der Außenwerber ausmacht, prägt auch den Berufsschulalltag. „Wir bekommen Kundenaufträge und arbeiten sie ab. Da kommt dann mal ein wenig Elektronik beim Thema Leuchtreklamen dazu oder wir lernen, was es beim Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden zu beachten gibt“, erzählt Elias. Die Berufsschulklassen seien sehr klein. Die drei Jahrgänge säßen zusammen in einer Klasse, insgesamt seien es nur 15 Azubis. „Da wir Projekte von leicht nach schwer abarbeiten, kommt alles einmal dran.“ Elias Wagner brachte Realschulabschluss und Fachabitur als Voraussetzung mit. Für den Beruf reicht aber eigentlich ein Hauptschulabschluss. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Man kann aber um ein halbes Jahr verkürzen, was für den angehenden Werbeexperten wegen seiner guten Vorbildung und der zahlreichen Lehrgänge, die er im Rahmen seiner Ausbildung schon besucht hat, keine allzu große Hürde sein wird. Obwohl ein wenig Respekt bleibt: „Seit diesem Jahr gibt es keine Zwischenprüfung mehr, sondern einen ersten Teil der Gesellenprüfung. Der zählt dann schon für die Endnote. Da muss man sich auch schon Mühe geben“, sagt Elias.

Wie die Projekte im Einzelnen aussehen, ist ganz unterschiedlich. Ein Schwerpunkt ist der Digitaldruck. „Derzeit sind grelle Farben schwer im Trend. Da guckt man hin“, ist sich Elias Wagner sicher. Rund 460 drehbare Litfaßsäulen werden von der NH-Außenwerbung in Hamburg und Umgebung betreut und regelmäßig mit neuen Motiven versorgt. Jede trägt drei riesige Drucke. Neben Arbeiten an Fassadenbildern, Schildern oder Lichtreklamen liebt Elias alles, was mit Folien zu tun hat, unter anderem die Autobeschriftungen. „Besonders interessant sind Reparaturen“, sagt Elias. „Wenn man zum Beispiel Autobeschriftungen repariert, dann braucht man Reparaturbeschriftungen. Man nimmt von der heilen Seite mit Schusterwachs die Schrift ab, scannt den Abdruck ein, sucht die passende Schrift und produziert die schadhafte Folie nach.“ Wenn es sich um eine hochwertige Achtjahresfolie handele, dann lohnen Reparaturen und sparen eine Menge Geld. „Billige Folien dagegen werden bereits nach kurzer Zeit spröde und können dann reißen. Außerdem bleichen sie schneller aus – und im schlimmsten Fall lösen sie sich vom Lack. Das wird dann letztlich teurer, als wenn der Kunde gleich eine hochwertigere Folie genommen hätte“, erklärt der 20-Jährige und hört sich dabei schon jetzt an wie ein echter Profi.