Berlin/Bonn (dpa/tmn). Auslandssemester im Studium sind nichts Ungewöhnliches. Doch auch während einer Ausbildung kann man Erfahrungen fernab von zu Hause sammeln - und Förderung dafür bekommen. So klappt's.

Ein anderes Land kennenlernen, Sprachkenntnisse aufpolieren, fernab von Deutschland neue Menschen treffen: Während einer Berufsausbildung kann man in die Ferne schweifen - und Erfahrungen abseits des heimischen Ausbildungsbetriebs sammeln.

„Wir stellen fest, dass das noch längst nicht allen bekannt ist“, sagt Theresa Mayerhöffer von der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB). Dabei können Azubis laut Berufsbildungsgesetz bis zu einem Viertel der Ausbildung im Ausland verbringen.

Eine Zeitspanne, die allerdings nur die wenigsten ausreizen, wie Jakob Schmachtel weiß, Ausbildungsberater bei der Industrie- und Handelskammer Berlin: „Der übliche Auslandsaufenthalt liegt zwischen vier und acht Wochen.“

Ausbildungsbetrieb muss Praktikum zustimmen

Eine Möglichkeit dafür: Die Ausbildung im Rahmen eines Praktikums anderswo fortführen. „Der Lernort der Ausbildung wird dann für eine Zeit ins Ausland verlagert. Die Ausbildung wird damit nicht unterbrochen“, sagt Theresa Mayerhöffer, die im Beratungsservice für Auslandsaufenthalte tätig ist. Darüber hinaus gibt es die Option, Auslandserfahrungen im Rahmen von Zusatzqualifikationen zu erwerben.

So oder so: Der Betrieb muss zustimmen. „Ein Auslandspraktikum ist Bestandteil des Ausbildungsvertrags. Das hat die Vorteile, dass ich weiterhin versichert bin und Geld bekomme“, sagt Jakob Schmachtel. „Ich muss für dieses Praktikum keinen Urlaube nehmen.“ Der Nachteil: „Wenn der Ausbildungsbetrieb den Auslandsaufenthalt nicht unterstützen will, dann ist dem so“.

Klappt es mit der Zustimmung, braucht es zudem einen Betrieb im Ausland, der die Fortführung der Berufsausbildung übernimmt. „Diesen zu finden, funktioniert sehr unterschiedlich und ist auch von der Berufsbranche abhängig“, sagt Theresa Mayerhöffer.

Während mancher auf Partnerbetriebe des eigenen Unternehmens im Ausland zurückgreifen kann, suchen andere Azubis initiativ. Manchmal habe die Berufsschule Partnerschaften im Ausland, manchmal lohne es sich über Städtepartnerschaften Ansprechpartner zu finden. Manchmal funktioniere Mayerhöffer zufolge auch die Suche über entsprechende Organisationen am besten.

Und davon gibt viele verschiedene, je nach Zielland oder Berufsbranche. „Es gibt auch Special-Interest-Organisationen“, so Schmachtel. „Wenn man besondere Wünsche hat, lohnt es sich zu gucken, ob es eine Organisation gibt, die sich im jeweiligen Bereich besonders gut auskennt.“

Ohne Sprachkenntnisse wird's schwer

Ähnlich individuell wie die Suche nach einem Betrieb im Ausland, gestaltet sich die Suche nach einer Unterkunft. Ob in Betriebswohnungen, Wohngemeinschaften oder Gastfamilien, eines dürfte nahezu jeden Auszubildenden vor kleinere oder größere Herausforderungen stellen: die Sprache.

Eine Mindestanforderung an die Sprachkenntnisse gibt es zwar nicht. Aber „wenn ich etwas zu meinem Berufsbild lernen soll, muss ich meinen Ausbilder und Anweisungen verstehen können“, sagt Schmachtel. „Sonst bin ich nicht arbeitsfähig.“ Englisch funktioniere Mayerhöffer zufolge meist als „Brückensprache“. Manchmal sind auch Besuche von Sprachschulen in die jeweiligen Auslandspraktika integriert.

Fördermöglichkeiten für Azubis

Wissen sollten Azubis in jedem Fall: Auch wenn das Ausbildungsgehalt weiter gezahlt wird, kann ein Auslandsaufenthalt teuer werden. Rechnen muss man neben Kosten für die Unterkunft auch mit Reise- und Organisationskosten. Hinzu kommen eventuell noch Ausgaben für einen Sprachkurs.

Aber: „Es gibt verschiedene Förderprogramme, die bestimmte Berufsgruppen, Zielländer oder auch den Zeitpunkt - während oder nach der Ausbildung - im Fokus haben“, sagt Mayerhöffer. Das größte von ihnen ist Erasmus+, das über Gelder der Europäischen Union finanziert wird.

Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung bietet ein Förderprogramm an. Es nennt sich Ausbildung Weltweit und bezuschusst etwa Fahrtkosten, Unterkunft, Verpflegung und Sprachkurse bei Praktika in Ländern, die nicht Programmländer von Erasmus+ sind. Voraussetzung für eine Antragstellung ist, dass man bereits einen Partnerbetrieb im Ausland gefunden hat. Den Antrag muss dann - wie auch beim Programm Erasmus+ - nicht der Azubi selbst, sondern etwa der Ausbildungsbetrieb oder die berufliche Schule stellen.

Aufenthalt rechtzeitig planen

Informationen über Fördermöglichkeiten, Tipps für die Suche eines Praktikumsbetriebs und Antworten zu häufigen Fragen rund ums Visum finden Azubis auf der Webseite „meinauslandspraktikum.de“ der NA beim BIBB.

Ein Rat der Experten: Wer ins Ausland möchte, sollte das in jedem Fall frühzeitig bei seinem Arbeitgeber ansprechen. „So kann der Betrieb es besser einplanen und auch für den Azubi ist das sehr wichtig“, sagt Schmachtel. „Viele Berufe haben gestreckte Abschlussprüfungen. Einen Auslandsaufenthalt kurz vor solch eine Prüfung zu legen, wäre doof.“ Solche Dinge sollte man bedenken.

Auch im Hinblick auf eine mögliche Beantragung eines Visums sei es wichtig, das Thema Auslandspraktikum frühzeitig anzugehen, empfiehlt Theresa Mayerhöffer. Für jede andere denkbare Hürde, sagt sie, „gibt es immer Lösungen, damit dem Auslandsaufenthalt nichts im Wege steht“.