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Fußballclubs sind auch nur Firmen

Forscher haben in einer Studie untersucht, wie gut Bundesligisten gemanagt werden

Im Fußball geht es nicht nur um Tore, sondern auch um Millionen. Bundesligaklubs wie Borussia Dortmund oder der FC Bayern München sind wirtschaftliche Schwergewichte. Aber auch Vereine wie der HSV, der 1. FC Köln oder der FSV Mainz sind Unternehmen mit beachtlichen Budgets.

Wie die Clubs gemanagt werden, interessiert nicht nur Fans, sondern auch Forscher. Stefan Prigge, Professor für Unternehmensfinanzierung an der Hamburg School of Business Adminis­tration (HSBA), beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Corporate Governance. Gemeinsam mit Alexander Juschus, Geschäftsführer des Beratungsdienstleisters Ivox Glass Lewis, erarbeitete Prigge eine Studie, die analysiert, wie gut die Clubs geführt werden. Ebenfalls beteiligt an der Studie, die in diesem Monat veröffentlicht wird, war Ralf Leister, der kürzlich seinen Bachelor an der HSBA erworben hat. Das Team untersuchte die Bundesligaclubs der Saison 2015/2016 nach mehr als 70 Kriterien. Geprüft wurde unter anderem die Vergütungs- und Veröffentlichungspolitik der Clubs. Grundlage für die Bewertung der Unternehmensführung war der Deutsche Corporate-Governance-Kodex für börsennotierte Konzerne, dessen Kriterien an die Besonderheiten der Fußballbranche angepasst wurden.

"Wir haben den Kriterienkatalog an alle 18 Vereine geschickt. Sechs Vereine haben geantwortet, fünf davon, indem sie unsere Angaben vervollständigt haben", sagt Professor Stefan Prigge. Die Forscher erstellten eine Corporate-Governance-Tabelle, die der BVB vor Bayern München und dem HSV anführt. Diese Clubs haben ihre Profiteams in Aktiengesellschaften ausgegliedert und sind ihren Anteilseignern rechenschaftspflichtig. Größere Defizite sehen die Forscher bei Clubs, die noch als eingetragene Vereine am Spielbetrieb teilnehmen. Bundesligisten, die einem Konzern oder Hauptinvestor gehören, wie der VfL Wolfsburg (10.), Bayer Leverkusen (14.) oder 1899 Hoffenheim (15.), landen in der unteren Tabellenhälfte.

Die Studie ergab zudem, dass die Veröffentlichungspolitik der meisten Clubs mangelhaft ist, Lebensläufe der Aufsichtsräte fehlten, Qualifikationen für Posten selten ersichtlich seien. Im Vergleich zu anderen Branchen hinke der Fußball, was gute Unternehmensführung angehe, hinterher. Professor Stefan Prigge: "Die Clubs sind in den vergangenen Jahren sehr schnell gewachsen. Da sind nicht alle Strukturen mitgewachsen, und nun gibt es da einen Nachholbedarf."

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