Studium

Schritt für Schritt zur Bachelorarbeit

Ein Student in der Bibliothek der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW).

Ein Student in der Bibliothek der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW).

Foto: Markus Scholz / picture alliance / dpa Themendie

Die Abschlussthesis sorgt bei Studenten oft für Bauchschmerzen. Viele schieben sie lange vor sich her. Tipps für die Organisation.

Irgendwie ist sie plötzlich da: Die Bachelorarbeit steht an. Natürlich wusste man, dass sie am Ende des Studiums wartet, aber doch hat man den Gedanken an die Abschlussarbeit Semester für Semester verdrängt. Wie soll man diese durchaus große Aufgabe anpacken? Wichtig ist ein realistischer Zeitplan. Schritt für Schritt geht es damit durch die Thesis.

Organisation

Mit der Vorbereitung sollte man sich spätestens ein Semester vor Beginn der Arbeit beschäftigen. Diese Fragen gilt es zu klären: Wann muss ich meine Arbeit anmelden, welche Prüfungen muss ich vorher bestanden haben, und wie viele Betreuer korrigieren meine Arbeit? Die Anforderungen unterscheiden sich von Fakultät zu Fakultät, festgelegt sind sie in der Prüfungsordnung.

Hat man alle Informationen zusammen, sollte man sich einen Zeitplan mit Meilensteinen erstellen, rät Ute-Regina Roeder, Psychologiedozentin der Universität Münster. Bis zu dieser Phase hat man sich auch mit dem wissenschaftlichen Arbeiten auseinandergesetzt: die Literaturrecherche, das Zitieren oder Schreibtechniken sind die Basis. Die meisten Hochschulen bieten dazu regelmäßig Seminare an.

Themensuche

Steht die Organisation, muss ein Thema her. Und zwar spätestens Ende der Ferien, die vor dem Abschlusssemester liegen. „Man sollte sich kein Thema vom Professor aufschwatzen lassen“, sagt Roeder. Nur wenn einen das Thema interessiert, ist man motiviert und bleibt auch in Durstphasen mit Interesse dabei. Wenn man noch keine Idee hat, hilft die Frage: Welcher Themenbereich aus meinen Studium interessiert mich besonders? Danach schaut man, welche Professoren in diesem Bereich lehren und was sie dazu veröffentlicht haben. Auf die Dozenten kann man zugehen – oft kann eine Bachelorarbeit zum Forschungsschwerpunkt eines Professors beitragen. Nachdem die ersten Themenvorschläge entwickelt wurden, kontaktieren Studenten den Betreuer. Hier ist Vorsicht geboten: Der erste Eindruck zählt auch bei Professoren. Eine förmliche E-Mail mit Vorstellung der eigenen Person und der Themen kommt meistens gut an. Auf keinen Fall sollte man ohne Themenvorschläge in der Sprechstunde auftauchen. Am besten kann man mehrere präsentieren.

Recherche und Eingrenzung

Nun muss das Thema konkretisiert werden. Studienberaterin Cordula Meier von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf empfiehlt ihren Studenten, das Thema nach vier Fragen auszuwählen: Was will ich in meiner Bachelorarbeit untersuchen? Mit welcher theoretischen Grundlage oder mit welchen Modellen werde ich arbeiten? Mit welchen Methoden werde ich mein Thema untersuchen? Welche Erkenntnis über mein Thema strebe ich an?

Zu dieser Phase gehört die Recherche, um sich einen Überblick zu verschaffen: Welche Werke kommen für meine Arbeit infrage? Gibt es aktuelle Literatur zu meinem Thema? Um nicht zwischen den Büchern in der Bibliothek zu versinken, hilft es, den Betreuer nach Empfehlungen zu fragen. Dieser nennt meistens die Grundwerke, die hinzugezogen werden müssen.

Viele Studenten machen den Fehler, sich nur auf Bücher zu konzentrieren, obwohl aktuelle Spitzenforschung in vielen Disziplinen in Fachjournalen veröffentlicht wird. Hier lohnt sich ein Blick abseits der Bibliotheksschätze, rät Gerret von Nordheim. Er lehrt Wissenschaftliches Arbeiten an der Technischen Universität Dortmund. Gerade die Literaturrecherche sollte man systematisch angehen. Das spart Zeit. Programme wie Zotero, Citavi oder Endnote helfen bei der Literaturverwaltung.

Festlegung

Steht die konkrete Fragestellung der Bachelorarbeit, und die Vorrecherche hat Ergebnisse gebracht, muss die Arbeit angemeldet werden. Das macht man gemeinsam mit dem Betreuer. „Es kommt immer gut an, wenn man dem Betreuer einen genauen Zeitplan vorlegt“, rät Ute-Regina Roeder. Dieser sollte detailreicher sein als die Meilensteinplanung aus der ersten Phase. „Dazu zäumt man das Pferd am besten von hinten auf.“ Das bedeutet, man beginnt beim Zeitplan mit dem Abgabetermin, legt dann den Zeitraum der Phase der Korrektur und Fertigstellung fest, die Zeit zum Schreiben der einzelnen Kapitel und zu guter Letzt die Literaturrecherche oder Datenerhebung.

Schreiben der Bachelorarbeit

Jetzt fängt die heiße Phase im Abschlusssemester an. „Die Vorarbeit ist das A und O“, sagt Cordula Meier. Denn: Je genauer man das Thema vorbereitet hat, desto besser ist man drin, baut die Arbeit auf und kann sich ganz auf das Schreiben konzentrieren. Damit das Schreiben leichter fällt, kann man sich einen potenziellen Leser vorstellen. Dieser sollte nicht der Betreuer sein, der in dem Gebiet ein Experte ist.

Beim Schreiben beginnt man mit dem Hauptteil. Die Einleitung, in der man seine Methode und das Vorgehen vorstellt, wird erst zum Schluss geschrieben – denn dann weiß man, wie der Hauptteil aufgebaut ist und was er aussagt. Das erleichtert ebenso das Schreiben des Fazits, das daher ebenfalls nach dem Hauptteil verfasst wird. Hier kommt es gut an, Ansätze für weitere wissenschaftliche Arbeit über seine eigene hinaus vorzustellen.

Fertigstellung

Nun ist das meiste geschafft. Aber auch für diese Phase sollte man einen zeitlichen Puffer einplanen. Die Arbeit sollte von zwei Personen gegengelesen werden. Roeder empfiehlt eine Person, die nur Rechtschreibfehler korrigiert, und eine Person, die sich mit dem Inhalt auskennt. „Das kann beispielsweise ein Kommilitone sein, der nicht zu sehr im Thema drin ist, aber darüber Bescheid weiß.“ Auch das Formatieren der Arbeit schluckt meistens mehr Zeit, als man denkt. Meier empfiehlt, erst jetzt Bilder, Grafiken und Tabellen einzufügen. „Während des Schreibens verrutscht dadurch nur immer wieder das Layout.“