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So werden Schüchterne im Job sichtbar

Zurückhaltende Menschen fallen ungern auf. Mit ein paar Tricks aber werden sie trotzdem
für ihren Beruf sichtbar

Zurückhaltende Menschen fallen ungern auf. Mit ein paar Tricks aber werden sie trotzdem für ihren Beruf sichtbar

Foto: Andrey Popov / iStock

Nichtjeder Mensch stehtim Job gern im Vordergrund. Um vom Vorgesetzten bemerkt zu werden, gibt es fürIntrovertierte hilfreiche Strategien.

Sie sitzen in Meetings in der Runde, hören aufmerksam zu – wenn um Meinung gebeten wird, melden sie sich aber nur ungern zu Wort. Am liebsten sind sie unbehelligt fleißig und müssen nicht im Vordergrund stehen: Für „Hoppla, hier komm’ ich!“ sind introvertierte Menschen gar nicht zu haben. Über die berufliche Qualifikation muss diese Charaktereigenschaft nichts aussagen. Dennoch laufen leise Gemüter Gefahr, übersehen zu werden. „In unserer Welt haben es extrovertierte Menschen leichter“, sagt Coach Natalie Schnack. Doch auch zurückhaltende, schüchterne Menschen können dafür sorgen, im Job gesehen zu werden.

Wer eher zurückhaltend ist, überlegt und wägt in der Regel gut ab, bevor er etwas sagt. In Meetings mit ausdrucksstarken Kollegen und Vorgesetzten kann das dazu führen, dass derjenige nie zu Wort kommt. Immer reden die gleichen Leute und werfen sich gegenseitig die Bälle zu. „Die introvertierten Menschen bekommen dann schnell das Gefühl, dass ihre Meinung nicht gefragt ist und sie regelrecht dafür kämpfen müssen, Gehör zu finden“, sagt Schnack. Weil das anstrengend ist, schweigen sie lieber. Dieser Teufelskreis lässt sich durchbrechen. Schritt 1: Begreifen, dass die eigene Meinung gefragt ist, die Kollegen nur nicht gewohnt sind, sie zu hören. Schritt 2: Sich fest vornehmen, etwas zu sagen. „Bereiten Sie sich gezielt auf das Meeting vor, machen Sie sich Notizen“, rät Schnack.

Für manch einen ruhigen Zeitgenossen sind auch Firmenfeiern wenig angenehm – von sich aus sprechen sie nicht unbedingt Kollegen an, schon gar nicht, wenn Grüppchen zusammenstehen und im Zweifelsfalle dann alle Augen auf sie gerichtet wären. Gleichzeitig gehört Small Talk dazu, was auch nicht unbedingt die Lieblingsbeschäftigung introvertierter Menschen ist. Dabei sind solche Feste gute Anlässe fürs Netzwerken. Doch während andere Kontakte knüpfen, nippen sie an ihrem Getränk. Wegbleiben ist keine Option, denn die Präsenz zeigt die Verbundenheit zur Firma. Coach Anne Heintze empfiehlt, sich einen Verbündeten zu suchen. „Verabreden Sie sich mit einem Kollegen vor Ort, oder fahren Sie gemeinsam hin.“ Sinnvoll sei auch, sich im Vorfeld zu überlegen, mit wem und worüber man sprechen kann. Gibt es gemeinsame Themen mit Kollegen, etwa Hobbys oder Interessen? „Man muss ja auch nicht zwingend Small Talk machen, sondern kann sich über Unternehmensthemen austauschen“, so Heintze.

Da wäre aber auch noch das Vieraugengespräch – wenn der Chef zum Termin bittet. Weiß man nicht genau, dass es um einen fachlichen Austausch des Jobs geht, bekommen in dem Moment die meisten Mitarbeiter leichtes Muffensausen – was will er bloß? Ex­trovertierte Menschen kommen damit ganz gut klar, denn sie vertrauen auf ihre Fähigkeit, stets die richtige Antwort parat zu haben. Introvertierte Menschen sind aber selten so spontan. „Sie würden am liebsten exakt wissen, was auf sie zukommt“, sagt Schnack. Eine Möglichkeit ist, den Chef vorab um Informationen zu bitten, worum es geht. „Man signalisiert durch das Nachfragen auch, dass man sich optimal vorbereiten möchte. Das ist kein Nachteil!“, erklärt Schnack. Bei kurzfristig anberaumten Terminen, in denen keine Vorbereitung möglich ist, sei es wichtig, sich keinen inneren Druck aufzubauen. „Wenn der Chef Antworten fordert, die Sie noch nicht haben, können Sie um eine Bedenkzeit bitten.“ Ehrlich sein und bei sich bleiben, offen zugeben, wenn man keine Antwort hat, statt verunsichert überspielen wollen – das ist ein guter Weg. Nicht jeder muss der Sonnyboy in der ersten Reihe sein.

Für stille Menschen ist der hohe Geräuschpegel in Großraumbüros belastend. „Introvertierte reagieren schneller gestresst auf Außenreize als Extrovertierte“, erklärt Psychologin Felicitas Heyne. Sie empfiehlt ruhigen Gemütern, zu überprüfen, ob es am Arbeitsplatz Erleichterungen geben kann: Kann man zum Beispiel morgens anfangen, wenn im Büro noch nicht viel los ist? Könnte man einen Tag im Home-Office verbringen? Können Pflanzen aufgestellt werden, die zumindest optisch eine Trennung bewirken? Man sollte den Kollegen dann allerdings erklären, warum man diese Maßnahmen ergreift, damit die sich nicht vor den Kopf gestoßen fühlen.

Und dann ist da noch die Präsentation, bei der alle Aufmerksamkeit auf dem Vortragenden ruht – oh Graus! An eigenen Ideen mangelt es vielen Introvertierten nicht unbedingt. Diese Ideen jedoch vor einem größeren Publikum vorzustellen und sie zu bewerben, ist nicht die Lieblingsaufgabe von Menschen, die sich eher im Hintergrund halten. „Da hilft nur üben, üben, üben!“, sagt Heintze. „Das Problem ist, dass introvertierte Menschen oft nicht das beste Selbstbild haben und ihr größter Kritiker sind.“ Sie empfiehlt, eine Präsentation zu Hause vor dem Spiegel zu üben und sich Familie und Freunde einzuladen. „Lassen Sie sich dabei mit dem Handy filmen“, rät Heintze. „Wenn man sich selbst mal von außen sieht, merkt man, dass eigentlich alles ganz gut aussieht. Das macht souveräner.“ Wer bei Präsentationen Sorge hat, durch Nachfragen aus dem Konzept gebracht zu werden, kann vorbeugen: „Sagen Sie vor Ihrer Präsentation, dass Fragen im Anschluss geklärt werden. Dann haben Sie Ruhe.“