Karriere

Gute Absichten und redliches Handeln

Andreas Matz

Inhalt:

Vor dem Hintergrund allfälliger Kritik an der Wirtschaft entwickelt der Autor Reinhard K. Sprenger im ersten Teil einen eigenen ethischen Ansatz für die Mitarbeiter- und Unternehmensführung. Diesen bündelt er in der Denkfigur des „anständigen Unternehmens“. Das klingt ein wenig angestaubt, ist es aber ganz und gar nicht. Mit Max Weber im Rücken positioniert sich Sprenger klar auf der Seite der Verantwortungsethiker: Die gute Absicht allein reicht nicht. Ein Unternehmen muss immer den Kundennutzen, Nebenwirkungen und Konsequenzen im Blick behalten. Nach dieser kurzen theoretischen Vorarbeit folgen in fünf Kapiteln die Prinzipien eines anständigen Unternehmens. Das sind 24 Abschnitte, in denen Sprenger mit so gut wie jedem Thema abrechnet, welches im aktuellen Mainstream als modern gilt: Identifikation mit dem Unternehmen, Führungskräfteentwicklung, Feedbackrunden, Frauenförderung, Englisch als imperiale Unternehmenssprache, Mitarbeiterbindungsprogramme – alles Mumpitz, nicht anständig und aus moralphilosophischer Sicht nicht zu begründen, lautet Sprengers Fazit. Für ihn ist das die „positive Kraft des negativen Denkens“. Festzuhalten wäre, das in diesem Buch skizzierte anständige Unternehmen gibt es so nicht in der Realität. Es darf als Utopie gelten. Aber mit seinem Plädoyer für das eigentliche Zentrum, um das ein Unternehmen gebaut sein sollte, hilft Sprenger natürlich jede Menge Geld einzusparen und an anderer Stelle zu verdienen. Der Kunde muss immer im Mittelpunkt stehen. Alles andere führt letztlich zur Beschäftigung mit sich selbst, zum Unternehmensautismus.

Präsentation:

Sprenger gilt seit seinem Erstlingswerk als Bestsellerautor. Das hat mit einem Gespür für aktuelle Themen, einem außerordentlichen Horizont, analytischer Klarheit aber vor allem mit der Fähigkeit, die Dinge sehr spitz auf den Punkt zu bringen, zu tun.

Praxiswert:

Jede Zeit hat ihre Managementmoden. Die jüngere Vergangenheit hat dabei eine Reihe Überflüssiges produziert. Unter dem Aspekt von Ethik und Verantwortung besteht Korrekturbedarf. Im Zeitalter der guten Absicht bleibt Sprenger eine zuverlässige Quelle kritischer Vernunft für den Führungsalltag. Reinhard K. Sprenger ist auch 25 Jahre nach seinem Debüt frisch und provozierend. Er bleibt einer der wenigen echten Vorausdenker abseits des Mainstreams.