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Studienbeginn: Was Erstsemester tun und lassen sollten

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Marie Blöcher, Julia Ruhnau, dpa
Erstsemester bekommen bei Einführungsveranstaltungen viele Informationen rund ums Studium

Erstsemester bekommen bei Einführungsveranstaltungen viele Informationen rund ums Studium

Foto: picture alliance

Für Studienanfänger fühlt sich der Uni-Alltag an wie ein Abenteuer. Alles müssen sie selbst organisieren.

Gerade gehörte man als Abiturient noch zu den Großen an der Schule, da macht man an der Uni wieder erste Schritte. Erstsemester sein bedeutet, sich neu zu orientieren – im Studienfach und im Alltag. Im Vergleich zur Schule ist die Freiheit an der Uni größer. Damit steigt aber auch der Anspruch an die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Es wird einem nicht mehr gesagt, was man wann zu lernen hat. Damit der Start gelingt, sollten sich Erstsemester anschauen, was im Uni-Kosmos anders läuft.

Das fängt schon beim Thema Lernen an: Wer das Abitur bewältigt hat, ist Meister im Pauken. Doch das Lernen an der Uni ist anders. In der Schule gibt es das Wissen in Häppchen serviert – im Studium nicht. Was ein Student bis zu einem bestimmten Zeitpunkt lernen muss, wird nicht so stark eingegrenzt. Studenten müssen sich in ihrem Fach selbst zurechtfinden. Entspannter wird das Lernen dadurch nicht, sagt Philipp Bahrt vom Allgemeinen Studierendenausschuss der Freien Universität Berlin: „Im Bachelor zählen alle Noten von Anfang an, da kommt man schnell unter Druck.“

Bei Einführungsveranstaltungen wird erklärt, wie ein Studium abläuft

An den meisten Unis gibt es Vorkurse, Einführungsveranstaltungen, Bibliotheksführungen und „Ersti“-Wochenenden. Hier erfahren die Uni-Starter, was im ersten Semester erwartet wird und wie sie sich auf dem Campus zurechtfinden. Bei der Gelegenheit lernt man auch gleich ein wichtiges Wort: Kommilitonen. Die sitzen nämlich um einen herum, und man schließt neue Freundschaften.

Und mit denen ziehen die „Erstis“ auch gern um die Häuser – wer aus dem Elternhaus ausgezogen ist und erstmals ohne Aufsicht lebt, will die Freiheit auskosten. Das soll man auch machen, jedoch besser nicht exzessiv. Das rät jemand, der übernächtigte Studenten in seinen Vorlesungen kennt: Andreas Schütze, Professor für Messtechnik an der Universität des Saarlandes: „Ich würde auf keinen Fall die ganze Zeit Party machen.“ Denn die Anfangsphase sei extrem wichtig. Wer hier nicht aufpasst, kommt manchmal das ganze Semester nicht mehr hinterher. Nicht nur beim Feiern, sondern auch beim Nebenjob achten Erstsemester besser auf ein gutes Maß. „Wenigstens das erste Semester sollte man nicht nebenher arbeiten. Da braucht man Zeit, um sich einzugrooven“, erklärt Schütze. Eine gute Lösung ist später eine Stelle als studentische Hilfskraft: „Da ist man räumlich angebunden und lernt noch was dabei.“

Apropos: Viele Studenten müssen Geld verdienen. Einnahmen und Ausgaben, Studium und Job oder Bafög – das alles muss ein „Ersti“ selbst koordinieren. „Oft müssen Studienanfänger noch herausfinden, wie viel Geld man zum Leben braucht“, sagt Cornelia Gerecke vom Kölner Studierendenwerk. Stefan Grob vom Studierendenwerk Deutschland sieht hier einen besonders großen Unterschied zur Schulzeit: „Ganz plötzlich wird man vom Taschengeldempfänger zum Manager.“ Er empfiehlt einen „Cash-Alarm“: Sobald der Kontostand einen bestimmten Betrag – zum Beispiel 100 Euro – unterschreitet, ist strenges Sparen angesagt. Wollen Studenten einen Bafög-Antrag einreichen, sollten sie davon vorab eine Kopie machen. Vielen ist nicht klar, dass sie nach jedem zweiten Semester ihren Antrag erneuern müssen. Dann ist es gut, einen Nachweis zu haben, welche Informationen sie beim ersten Mal angegeben haben, wie die DGB-Jugend in der im April herausgegebenen Broschüre „Studium. Bafög. Job. Tipps und Infos zur Studienfinanzierung“ mitteilt. Sie ist zu finden, wenn man auf der Seite www.dgb-jugend.de ganz hinunterscrollt und im Menüpunkt „Materialdownload“ das Stichwort „Broschüren“ anklickt. Haben Uni-Anfänger alle Unterlagen eingereicht, kann die Bearbeitung einige Wochen dauern. Das Geld wird dann rückwirkend ab Antragstellung gezahlt.

Das Studium selbst, neue und alte Freunde, das Hobby von früher und der Job – Zeitmanagement ist besonders wichtig, erklärt Grob. Ein Student hat mehr Freiheiten, sich die Zeit einzuteilen. Doch Vorsicht, das kann dazu verleiten, Dinge aufzuschieben. Auf den letzten Drücker zu lernen, ist keine gute Idee. Darauf zu setzen, dann mit dem „Prof“ zu reden, ist naiv: Dozenten haben viele hundert Studenten. Da hätten sie eine Menge zu tun, wenn sie bei jedem Erstsemester ein Auge zudrücken würden, das ihnen mit Augenklimpern Gründe angibt, warum es nicht so gut für eine Klausur lernen konnte. Auch Noten für mündliche Beteiligung gibt es an der Uni nicht mehr. Dennoch kann man einen guten Eindruck machen – nämlich in der fachlichen Diskussion mit Kommilitonen und Dozenten. „Im Diskurs den eigenen Standpunkt vertreten – das ist an der Uni erwünscht“, sagt Stefan Grob.

Auskünfte lässt man sich ambesten schriftlich geben

Es ist ratsam, nicht alles auf sich zukommen zu lassen: In vielen Studiengängen sind Praktika sinnvoll oder sogar in der Studienordnung vorgeschrieben, erläutert Philipp Bahrt. Schon Erstsemester sollten darüber nachdenken, wann und wo sie ein Praktikum machen möchten. Welche Leistungspunkte man sich anrechnen lassen kann und welches Praktikum anerkannt wird, kann über die Studiendauer bestimmen, erklärt Bahrt. Deshalb gilt: Informationen immer so früh wie möglich sammeln, bei wichtigen Fragen am besten schriftlich. „Auch offizielle Stellen können Fehler machen“, warnt er. Wer sich eine Auskunft schriftlich bestätigen lässt, ist auf der sicheren Seite.

Viele neue Erfahrungen, vieles, das zu beachten ist. Das ist anstrengend – aber auch spannend. „Studieren lernt niemand an einem Tag“, beruhigt Grob. Das Wichtigste ist deshalb, sich helfen zu lassen – ob in der Studienberatung, an der eigenen Fakultät, beim Allgemeinen Studierendenausschuss Asta oder durch die älteren Studenten an der Uni. Was im Studium bleibt, ist wie in der Schule: Die Leute, die neben einem sitzen, müssen genau so viel Neues lernen.

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