Karriere

So werden Sie im Beruf ein Überflieger

Um auf den Olymp der Zufriedenheit im Einklang zwischen Job und Privatleben zu gelangen, braucht es innere Ruhe

Um auf den Olymp der Zufriedenheit im Einklang zwischen Job und Privatleben zu gelangen, braucht es innere Ruhe

Foto: picture alliance

Den wenigsten ist es gegeben, in Job und Privatleben immer erfolgreich zu sein. Aber man kann von solchen Multitalenten einiges lernen.

Es gibt diese Menschen, bei denen man sich jeden Tag fragt, unter welch günstiger Sternenkonstellation sie wohl geboren sein mögen: Sie sind erfolgreich und gut in ihrem Job, haben immer ausreichend Zeit für Familie und Sport, sie wirken nie gestresst, sondern stets ausgeglichen, und obendrein sehen sie auch noch adrett aus, sind kein bisschen eingebildet, sondern nett und freundlich. Im Englischen nennt man diese Menschen Super-Achiever. So wird jemand bezeichnet, der in seinem Leben mehr erreicht als andere. Insgeheim wünscht sich da so manch einer, ihr Geheimnis zu lüften. Vieles ist dabei eine Frage der Einstellung, eines sonnigen Gemüts – oder einer klugen Strategie. Man selbst muss nicht verbissen versuchen, genauso scheinbar perfekt zu sein. Lernen aber kann man von den Überfliegern.

Schwieriges nicht lange aufschieben, sondern gleich morgens anpacken

Ute Bölke, seit 15 Jahren Karriereberaterin, hatte schon einige Menschen vor sich, die dem Idealbild des Super-Achievers nahekamen. „Diese Leute haben nicht weniger Aufgaben auf dem Tisch liegen als andere, sie haben die Belastung aber besser im Griff“, sagt Bölke: „Man merkt das an ihrer Ausstrahlung: Sie wirken sehr präsent und sind mit sich im Reinen.“ Das Gegenteil sind jene Menschen, die Bölke als „Getriebene“ bezeichnet: „Diese können nicht aus eigener Stärke heraus agieren.“ Sie wirken im Auftritt weniger souverän, lassen sich einiges gefallen und äußern ihren Unmut darüber meist nur hinter vorgehaltener Hand. Die Folge: Vieles wird ihnen diktiert, sie wehren sich nicht, bekommen noch mehr Aufgaben – das führt zu Anspannung und Unzufriedenheit. Nicht immer nur ja zu allen Aufgaben zu sagen, ist für Getriebene ein Schritt in die richtige Richtung. Das Nein sollte jedoch nicht zickig oder beleidigt klingen, sondern höflich, aber bestimmt. Das ist anfangs ungewohnt und kann anstrengend sein, aber wer seine eigene Belastungsgrenze kennt, sollte diese auch verteidigen.

Die vermeintlichen Super-Achiever mögen immer so wirken, als wuppten sie alles mit links. Tatsächlich aber verstehen sie sich darauf, effektiv zu arbeiten. So ist es beispielsweise klug, komplexe Probleme gleich am Morgen anzugehen, statt sie vor sich herzuschieben, weil man sich mit Unangenehmem ungern beschäftigt. Am Morgen ist die Konzentrationsfähigkeit am höchsten. Deshalb packt man schwierige oder nervige Aufgaben am besten in dieser Zeit an, rät Prof. Michael Kastner vom Institut für Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin. Wer in der Früh fokussiert loslegt, schafft mehr.

Um sich auch am Rest des Tages nicht in vielen Aufgaben zu verzetteln, gilt es, sich zu strukturieren. E-Mails checken, Fragen von Kollegen beantworten, ans Telefon gehen: Im Job lauern oft Ablenkungen. Die Kunst, in wenig Arbeitszeit viel zu schaffen, liegt deshalb in der Fokussierung. „Es ist eine Frage des Willens, äußere Einflüsse und Gedanken während der Arbeit auszublenden“, erklärt Coach Kerstin Till, die wirtschaftspsychologische Beratung anbietet. Löblich sind Firmen, die Ruheräume für ungestörtes Arbeiten anbieten. Viele Beschäftigte fühlen sich davon gestört, dass Kollegen laut telefonieren oder sie immer mitten in der Arbeit ansprechen. Statt sich zu ärgern, sollten sie einfach die Ruheräume nutzen.

Das Zauberwort „fokussieren“ gilt auch in Bezug darauf, nicht alles gleichzeitig erledigen zu wollen. Eine Kunst des effektiven Arbeitens besteht darin, sich immer voll auf eine Aufgabe zu konzentrieren. „Wer dabei schnell von einem Thema ins andere springen kann, hat Vorteile“, weiß Kastner. Damit meint der Professor aber nicht das Hin-und-Her-Springen zwischen verschiedenen Aufgaben. Vielmehr ist gemeint, an einem Thema zu arbeiten, es zu Ende zu bringen, dann abzuhaken und nicht noch in Gedanken daran herumzudoktern. Stattdessen konzentriert man sich auf das nächste – und nur auf dieses. Eins nach dem anderen tun, statt zu jonglieren.

Und dann ist da noch die viel zitierte Work-Life-Balance. Um sich wohlzufühlen, das haben Super-Achiever verstanden, braucht es den Blick auf die eigenen Bedürfnisse. Und auf die „Ich-Zeit“ – für Sport, für ein Hobby, auch Treffen mit Freunden sind wichtig. Wer hier einwenden möchte: „Ich habe keine Zeit“ sollte hören, was die Überflieger darüber denken: Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich, nämlich für einen wirklich netten Menschen: sich selbst. Am besten trägt man Termine mit sich selbst auch fest in den Kalender ein. „Dabei plant man besser bewusst Zeitpuffer ein, um seine Termine im Griff zu behalten“, sagt Bölke.

Die letzten Minuten vor Feierabendnutzen, um abzuschalten

Und in der Freizeit gilt: Freizeit ist nicht Arbeit. Viele Menschen schleppen Probleme von der Arbeit mit nach Hause, grübeln und können nur schwer herunterfahren. Das ist nicht gut für die psychische Gesundheit, warnt Kerstin Till. Statt vom Arbeitsplatz aufzuspringen und mit wehendem Mantel zur privaten Verabredung oder nach Hause zu eilen, könnte man die letzten Minuten am Arbeitsplatz die Unterlagen sortieren, in Ruhe die Kaffeetasse abspülen, eine To-do-Liste für den nächsten Tag schreiben und dann ins Private übergehen. Wenn das auch nicht jeden Tag gelingen mag, so kann man doch versuchen, dies als Ritual einzurichten.

Keiner kann in allen Anforderungen seines Jobs perfekt sein. Es hilft deshalb enorm, die eigenen Schwächen zu kennen. „Man muss lernen, Aufgaben zu delegieren oder ein zu 80 Prozent gutes Ergebnis auch mal als ausreichend zu betrachten“, sagt Bölke. Gerade sehr Gewissenhafte müssen das oft hart erlernen.

Wer im Beruf erfolgreich ist, ist es doch überall. Oder? „Falsch“, sagt Till. Die Wirklichkeit sieht anders aus: „Alle Menschen spielen immer auch eine Rolle nach außen.“ Es schadet nicht, den Bekannten, der scheinbar alles locker hinkriegt, mal etwas auszuquetschen. Meist rückt sich das Bild dann gerade.