Arbeit

Antrag auf Teilzeit: Das müssen Sie beachten

Gegen Mittag die
Sachen packen und
nach Hause: Teilzeit
macht’s möglich

Gegen Mittag die Sachen packen und nach Hause: Teilzeit macht’s möglich

Foto: Leander Baerenz / dpa

Wer im Beruf kürzertreten will, muss einiges bedenken. Es gibt weniger Geld – und wer wieder durchstarten will, kann Probleme haben.

Ein Kind, eine Weiterbildung, die Pflege eines Elternteils oder einfach mehr Zeit für sich selbst: Es gibt viele Gründe, um im Beruf kürzerzutreten – grundsätzlich oder für eine befristete Zeit. Wer von Voll- in Teilzeit wechselt, hat jedoch einiges zu beachten.

Wie Zahlen der Bundesarbeitsagentur zeigen, arbeitet mehr als jeder vierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach diesem Modell. Besonders verbreitet ist Teilzeit in Pflege- oder Altenheimen: Hier war Ende Dezember 2013 sogar die Mehrheit, nämlich 55,6 Prozent auf diese Weise beschäftigt. Ähnlich hoch ist die Quote im Erziehungsbereich, in der Gas­tronomie, bei Postdiensten und im Einzelhandel. Vor allem immer mehr Frauen in Deutschland sind in Teilzeit beschäftigt. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums arbeiteten im vergangenen Jahr 6,3 Millionen Frauen in sozialversicherungspflichtigen Teilzeitjobs. Das waren 2,5 Millionen mehr als im Jahr 2001. Weitere 5,3 Millionen weibliche Beschäftigte hatten im vergangenen Jahr nur einen Minijob.

Gerade nach der Babypause wählen Mütter gern die Teilzeit, um in den Beruf zurückzukehren. Vor der Geburt ist für junge Eltern nur schwer abschätzbar, wie stark sie durch das Kind eingespannt sind. Viele machen den Fehler, den Aufwand zu unterschätzen und sich zu viel aufzuhalsen. Daher sind viele Mütter und Väter schnell überfordert und entmutigt. Uta Ossmann, die sich als Coach auf berufstätige Mütter spezialisiert hat und in Pinneberg ansässig ist, rät zu einem Wiedereinstieg mit 15 bis 20 Stunden pro Woche. Und die gilt es auch einzuhalten. Denn ein häufiges Problem bei Teilzeit ist, dass einem mehr Arbeit aufgebürdet wird, als in der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit zu schaffen ist. Hier muss man klare Grenzen ziehen, statt immer länger zu arbeiten. „Ausnahmen werden sonst schnell zur Gewohnheit“, so Ossmann.

Generell gilt, dass nicht jeder einen Anspruch darauf hat, die Arbeitszeit zu reduzieren. Voraussetzung ist, dass das Arbeitsverhältnis seit mindestens sechs Monaten besteht und der Betrieb in der Regel mehr als 15 Angestellte hat, erklärt das Bundesarbeitsministerium in einer Broschüre.

Arbeitnehmer müssen den Antrag auf Teilzeit mindestens drei Monate im Voraus stellen. Der Arbeitgeber kann bis einen Monat vor dem Wunschtermin schriftlich widersprechen. Andernfalls gilt der Antrag als genehmigt. Ablehnen lässt er sich aus betrieblichen Gründen, erklärt Hans-Georg Meier, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Ein Argument kann sein, wenn sich feste Produktionsabläufe etwa bei der Schichtarbeit in einer Fabrik mit Teilzeitkräften nur schwer organisieren lassen, oder wenn hohe Mehrkosten drohen. „Ein weiteres Beispiel ist eine Kita, deren pädagogisches Konzept vorsieht, dass die Kinder möglichst durchgehend eine feste Bezugsperson haben“, ergänzt Marta Böning, Arbeitsrechtsexpertin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Vor einem Dilemma stehen Arbeitnehmer beim Pensum: Gehen sie gleich auf eine halbe Stelle herunter, spüren sie das deutlich im Geldbeutel. Reduzieren sie nur ein paar Stunden, verpufft der Effekt leicht, und der Unterschied von Voll- und Teilzeit ist fast gleich Null. Das passende Maß sollten sich Beschäftigte gut überlegen: „Anspruch auf eine erneute Verringerung der Arbeitszeit haben sie erst nach zwei Jahren wieder“, erklärt Meier.

Wer Arbeitszeit reduziert, hat nicht automatisch eine Dreitagewoche

Die gewünschte Verteilung der Arbeitszeit gibt der Arbeitnehmer am besten zusammen mit seinem Teilzeitwunsch an, erklärt Böning. Wer von 40 Stunden auf 20 oder 24 Stunden reduziert, hat dabei künftig nicht automatisch eine Dreitagewoche. Denn Beschäftigte können die Verteilung nicht einseitig vorgeben. Das Gesetz sieht vor, dass sie mit dem Chef eine einvernehmliche Lösung finden. Der könnte etwa Einwände erheben, wenn jemand im Service arbeitet oder wenn für seine Klienten durchgehend ansprechbares Personal benötigt wird und dies beim Aufteilen der Arbeitszeit auf bestimmte Wochentage nicht mehr möglich ist.

Auch wenn Teilzeitkräfte nur zu der Zeit, in der die Kinder in der Kita oder Schule sind, in die Firma kommen wollen, müssen sie sich mit dem Vorgesetzten einig werden. „Die Frage ist dabei immer: Gibt es Ersatzkräfte für die übrige Zeit? Wenn ja, ist das kein Pro­blem“, sagt Meier. Schwierig kann es aber werden, wenn jemand immer von 9 bis 13 Uhr arbeiten will und dadurch ein Ersatz von 13 bis 17 Uhr nötig wird, der nur schwer zu finden ist.

Arbeiten Teilzeitkräfte weiter fünf Tage pro Woche, bleibt der Urlaubsanspruch gleich. Bei einer Dreitagewoche reduziert er sich entsprechend: Wer vorher 30 Urlaubstage hatte, bekommt dann nur noch drei Fünftel oder 60 Prozent, also 18 Tage. Unstimmigkeiten kann es aber geben, wenn ein Beschäftigter mit halber Stelle an wechselnden Tagen kommt. Wie viele Urlaubstage muss er dann opfern, wenn er 2,5 Wochen freihaben will? Und gilt ein Feiertag an einem Montag dann als Arbeitstag für ihn oder nicht? „Darüber kann man streiten“, sagt Meier. Einfacher ist es, wenn die Arbeitstage festgelegt sind: Wer regelmäßig montags arbeitet, bekommt auch den freien Ostermontag bezahlt, erklärt ein Sprecher der Arbeitnehmerkammer Bremen.

Nun gibt es auch den umgekehrten Fall – man will wieder Vollzeit arbeiten. Nach dem Wechsel auf Teilzeit haben Beschäftigte bislang keinen Anspruch, später wieder auf eine Vollzeitstelle zurückzukehren, gibt Meier zu bedenken. Wenn der Arbeitgeber mitspielt, können Beschäftigte aber schriftlich mit ihm vereinbaren, dass die Teilzeit befristet wird, beispielsweise auf ein oder zwei Jahre.