Karriere

Wann genau beginnt die Probezeit?

Die Leserfrage: Nach meinem schriftlichen Arbeitsvertrag hat mein Arbeitsverhältnis am 10.12.2014 begonnen. Mit dem Arbeitgeber habe ich aber eine Aufnahme der Tätigkeit erst ab 20.12.2014 vereinbart. Jetzt hat mir der Arbeitgeber am 18.6.2015 „innerhalb der Probezeit“ gekündigt. Ich bin aber der Auffassung, dass die Probezeit am 9.6.2015 ablief. Was kann ich tun?


Das sagt Rechtsanwalt Christian Wieneke-Spohler: Entscheidend ist bei einer Kündigung, ob das Kündigungsschutzgesetz (KSchG) Anwendung findet. Danach müssen mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigt werden. Außerdem muss die sechsmonatige Wartezeit absolviert sein. Hier gilt im Regelfall als Beginn der Wartezeit der Zeitpunkt der tatsächlichen Arbeitsaufnahme, in Ihrem Fall der 20.12.2014. Das gilt aber nicht, wenn nach dem übereinstimmenden Willen von Arbeitgeber und -nehmer der Termin der vereinbarten Arbeitsaufnahme und der rechtliche Beginn des Arbeitsverhältnisses auseinanderfallen. In Ihrem Fall waren Sie sich einig, dass zu Beginn eine Zeitspanne liegen soll, in der Sie nicht zu arbeiten hatten. Das Bundesarbeitsgericht (BAG Urteil vom 24.10.2013, 2 AZR 1057/12) hat hierzu entschieden, dass es nicht darauf ankomme, ob eine Zeit der Unterbrechung der Arbeit gleich zu Beginn des Arbeitsverhältnisses liegt oder erst später im Verlauf der Wartezeit eintritt – in keinem Fall wird die sechsmonatige Wartezeit nach § 1 KSchG dadurch verlängert. Relevant für den Beginn der Wartezeit ist der Zeitpunkt, von dem ab die Parteien ihre wechselseitigen Rechte und Pflichten begründen wollten. Da nach Ihrem schriftlichen Vertrag ausdrücklich der 10.12.2014 als Beginn des Arbeitsverhältnisses gelten sollte, hat deshalb auch an diesem Tag die Wartezeit begonnen. Die sechsmonatige Wartezeit war deshalb am 9.12.2014 abgelaufen, und Sie genießen seit dem Kündigungsschutz nach dem KSchG – bei mehr als zehn Mitarbeitern. Sie müssen binnen drei Wochen Klage beim Arbeitsgericht einreichen. Dann muss der Arbeitgeber die soziale Rechtfertigung der Kündigung beweisen.