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Nach Feierabend zur Arbeit ist nich immer gern gesehen

Wer einen zweiten Job anstrebt, sollte in jedem Fall vorher seinen Arbeitgeber im Hauptberuf informieren

Wer einen zweiten Job anstrebt, sollte in jedem Fall vorher seinen Arbeitgeber im Hauptberuf informieren

Foto: Mascha Brichta / picture alliance / dpa-tmn

Manche Beschäftigte möchten sich mit einem Nebenjob etwas dazuverdienen. Dabei gilt es, einige Regeln zu beachten

Der eine will seine Wohnung renovieren, der andere ein neues Auto kaufen, manch einer möchte auch einfach nur das monatliche Salär ein wenig aufbessern – mit Nebenjobs wie etwa als Yogalehrer oder Wochenendkraft in einem Geschäft. Einen Nebenjob zu finden, ist nicht schwer. Unter dem Link Jobsuche.Hamburg.de finden sich allein für die Metropolregion unzählige Angebote. Aber nicht immer sieht der aktuelle Arbeitgeber das gern. Bevor Mitarbeiter also einen zweiten Job annehmen, sollten sie ein paar Punkte bedenken. Denn wer allzu sorglos ist, handelt sich im schlimmsten Fall eine fristlose Kündigung ein.

Die Frage, was beim Thema Nebenjob zu beachten ist, stellt sich immer mehr Berufstätigen: Nach Zahlen der Bundesarbeitsagentur hatten im Januar 2015 rund 2,4 Millionen Menschen einen Nebenjob. Das sind rund 2,8 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres, wie Jürgen Wursthorn von der Bundesagentur für Arbeit erklärt. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht sogar von mehr als 2,7 Millionen mit Zweitjob aus. Der Unterschied ergibt sich daraus, dass beim IAB auch Nebenjobber eingerechnet werden, die im Hauptberuf selbstständig oder verbeamtet sind.

Als erstes wirft man idealerweise einen Blick in den Arbeitsvertrag. Im Grundsatz kann der Arbeitgeber es seinen Mitarbeitern nicht verbieten, eine Nebentätigkeit aufzunehmen. Das ergibt sich aus dem Grundgesetz: Nach Artikel 12 hat jeder das Recht, seinen Beruf frei auszuüben. Auch vom Arbeitgeber darf niemand eingeschränkt werden. Doch viele Firmen möchten über die Zweitjobs zumindest Bescheid wissen.

Häufig sind deshalb in Arbeitsverträgen Klauseln zu finden, die besagen, dass der Arbeitgeber über eine Nebentätigkeit informiert werden muss, sagt Jobst-Hubertus Bauer, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Ist das der Fall, sollten Mitarbeiter Bescheid sagen, sonst droht eine Abmahnung. Steht im Arbeitsvertrag nichts zum Thema Nebenjob, müssen Mitarbeiter den Chef nicht einweihen. Eine Sonderregelung gibt es allerdings für Beamte: Sie müssen eine Nebentätigkeit immer anzeigen und sie sich auch genehmigen lassen. „In 90 Prozent der Fälle wird der Arbeitgeber gegen den Nebenjob nichts einwenden“, meint Bauer. Er nimmt den Zweitjob schlichtweg zur Kenntnis. Doch es gibt Ausnahmen.

„Heikel wird es, wenn der Mitarbeiter dem Arbeitgeber mit dem Nebenjob Konkurrenz macht“, sagt Ulf Dörfel-Ganzhorn, Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Arbeitsrecht in Hamburg. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn ein Friseur nach Feierabend auf eigene Rechnung Haare schneidet. Das Gleiche gilt für den Kfz-Mechatroniker, der in seiner Freizeit gegen Geld Autos repariert. Auch ein in einer Kanzlei angestellter Anwalt kann in seiner Freizeit nicht ohne weiteres für andere Sozietäten arbeiten. Eine Nebentätigkeit aufzunehmen, die in Konkurrenz zum Arbeitsverhältnis steht, ist nach Paragraf 60 Handelsgesetzbuch unzulässig. Wer das ohne Erlaubnis tut, dem kann möglicherweise fristlos gekündigt werden. Wer einen Nebenjob annehmen will, der gegen das Wettbewerbsverbot verstoßen könnte, sollte sich deshalb immer die Genehmigung des Arbeitgebers einholen – unabhängig davon, ob der Arbeitsvertrag das verlangt oder nicht. Ist der Arbeitgeber mit dem Nebenjob einverstanden, sollten Arbeitnehmer sich dies schriftlich bestätigen lassen. Denn kommt es wegen der Frage später zum Streit, haben sie etwas in der Hand.

„Der Arbeitgeber kann einen Nebenjob außerdem untersagen, wenn Mitarbeiter dadurch gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen“, sagt Dörfel-Ganzhorn. Das schreibt zum Beispiel vor, dass sie im Durchschnitt nicht mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten dürfen. Wer also bereits einen Arbeitsvertrag über 39 Stunden pro Woche hat, darf darüber hinaus maximal neun Stunden pro Woche arbeiten, erklärt Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Außerdem sieht das Gesetz eine Nachtruhe von mindestens elf Stunden vor. Die meisten Arbeitgeber kümmert es in der Regel wenig, wenn Mitarbeiter durch den Nebenjob gelegentlich gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen. In den allermeisten Fällen bekommen sie es gar nicht mit, so Bauer. Sie können den Nebenjob allerdings auch dann untersagen, wenn ein Mitarbeiter aufgrund der Doppelbelastung seine Leistung nicht wie gehabt erbringt und ständig übermüdet oder häufig krank ist. In dem Fall kann sich der Chef den Nebenjob verbitten – und eine einmal erteilte Genehmigung jederzeit zurückziehen. Gehen Mitarbeiter der Nebentätigkeit trotzdem weiter nach, handeln sie sich eine Abmahnung ein.

Grundsätzlich gilt: Untersagt der Arbeitgeber im Nachhinein einen Nebenjob, besteht der Vergütungsanspruch des Mitarbeiters im Hauptjob jedoch auf jeden Fall fort. Stellt sich zum Beispiel heraus, dass ein Arbeitnehmer über Monate hinweg statt der im Schnitt nach dem Arbeitszeitgesetz erlaubten 48 Stunden pro Woche über 60 Stunden gearbeitet hat, kann das Unternehmen sich im Nachhinein nicht weigern, den Lohn für die erbrachte Leistung zu erbringen.