Buch der Woche

Nutzlos, aber gut zu wissen

Inhalt: ++++-

Am Anfang stand das Buch „Freakonomics“, jener Kultbestseller, mit dem der Wirtschaftswissenschaftler Steven D. Levitt und der Journalist Stephen J. Dubner anno 2005 unseren Blick auf Wirtschaft und Sozialpolitik radikal veränderten. Augenzwinkernd, aber wissenschaftlich immer sauber begründet, erklärten die beiden Autoren schräge Alltagsfragen wie etwa „Warum wohnen Drogenhändler bei ihren Müttern?“ oder „Sind Swimmingpools gefährlicher als Revolver?“. Ihre Erkenntnisse stammten und stammen aus der Analyse von Statistiken, deren Gegenüberstellung auf den ersten Blick eigentlich absurd erscheint. Der Erfolg des Buchs machte „Freakonomics“ zu einer Marke für unkonventionelles Denken. In ihrem inzwischen dritten Buch wenden Steven Levitt und Stephen Dubner ihre Analysemethode nun auf das Denken an sich an.

Präsentation: ++++-

Das muss man dem Magazin-Journalisten Dubner lassen: Er kann gute Geschichten erzählen. Das an sich ist schon unterhaltsam. Die seltsamen Vergleiche, die die beiden Autoren ziehen, etwa von König Salomon und David Lee Roth, dem Frontmann der Rockband Van Halen, sorgen darüber hinaus für Lesespaß mit hohem Bildungspotenzial. Ein 36-seitiger Fußnotenapparat verdeutlicht den wissenschaftlichen Anspruch. Grafiken und Tabellen fehlen bis auf drei Ausnahmen.

Praxiswert: +----

Keine Frage, wenn die Autoren etwa herleiten, dass die vergleichsweise höhere Herztodrate bei Afroamerikanern auf die Auswahl von Sklaven mit hohem Salzgehalt im Schweiß in früheren Jahrhunderten zurückzuführen sei, dann ist das wunderbarer Gesprächsstoff für gesellige Runden. Mehr aber auch nicht. Den Anspruch, eine neue Denkmethodik zu etablieren, erfüllt das Buch nicht. Es gibt keine systematischen Anleitungen, wie Andersdenken gelernt und angewendet werden kann. Querdenker wie Anja Förster und Peter Kreuz oder Tom Peters haben da bereits bessere Impulse für das Business geliefert. Am Ende ist „Think like a freak“ nur eine Verlängerung des „Freakonomics“-Erfolgs – aber ohne dessen Originalität.

„Think like a Freak“ von Steven D. Levitt und Stephen J. Dubner. Riemann Verlag, 256 Seiten, 18,99 Euro