So gelingt das erste Referat

Allein vor dem Plenum zu stehen macht viele Studenten nervös. Tipps gegen die Angst und für einen guten Vortrag

Die Kommilitonen blicken fragend, der Professor nickt aufmunternd: Jetzt sollten Erstsemester mit ihrem Referat loslegen. Doch statt souverän das Erarbeitete vorzutragen, wird die Stimme brüchig, der Kopf läuft rot an, der Vortrag ist fast vergessen. „Die Reaktion stammt noch aus der Steinzeit“, sagt Britta Wenske, Kommunikationsexpertin und Inhaberin des Hamburger Trainingsinstituts „speak up!“. „Früher dachten wir, wir müssten sterben, wenn eine Gruppe fremder Menschen uns in den Fokus nahm.“ Darüber hinaus verstärke das Gefühl, keine Fehler machen zu dürfen, die Angst noch einmal um ein paar Grade.

Mit guter Vorbereitung können aber auch Erstsemester ihre Nervosität in den Griff bekommen. „Am Anfang sollte immer die Frage stehen: ,Was ist das Minimum, das meine Zuhörer wissen müssen?‘“, erklärt Britta Wenske. Wer seinen Vortrag überfrachtet, sorgt dafür, dass bei den Kommilitonen nur wenig hängen bleibt. Wenske vergleicht das mit einem Buffet: „Wenn ich 30 Gerichte probiere, weiß ich nicht mehr, was ich alles gegessen habe. Bei drei Gerichten schon.“

Nie mit PowerPoint anfangen, der Übertrag auf Folien ist der letzte Schritt

Die Expertin empfiehlt die Vorbereitung abseits des Computers: „Wir sind kreativer, wenn wir nicht am Rechner arbeiten.“ Sie selbst erarbeite Präsentationen, indem sie die relevanten Punkte auf Klebezettel schreibe und die dann so lange hin und her sortiere, bis ein gutes Redekonzept entstehe. „Auf gar keinen Fall fängt man gleich mit PowerPoint an“, sagt Wenske. Der Übertrag auf Folien sei erst der letzte Schritt.

Damit ihr Referat gelingt, sollten Erstsemester es mehrmals vorher üben. „Vier- bis fünfmal“ empfiehlt Britta Wenske. „Den Einstieg gern noch häufiger.“ Es gehe nicht ums Auswendiglernen, betont sie. Eher darum, ein Gefühl für die Struktur des Referats zu bekommen. „Dabei ist es egal, ob ich das meinem Hund erzähle oder meinem Lebenspartner“, sagt Oliver Vornberger. Er ist Professor für Informatik an der Universität Osnabrück und mehrmals für seine Vorträge ausgezeichnet worden. Wichtig sei nur, sich überhaupt einmal selbst reden zu hören.

Wer sich in seinem Vortrag zu Hause fühlt, den bringen auch ein Blackout oder eine Störung von außen nicht wirklich aus dem Konzept. „Durchatmen, ruhig bleiben, einen Schluck trinken“, sagt Kommunikationstrainerin Britta Wenske. „Man kann sagen, dass man gerade den Faden verloren hat, oder steigt einfach ein Stück früher noch einmal in den Vortrag ein.“ Durch die kleine Wiederholung wisse man wieder, wie es weitergehe. Das sei alles andere als eine Blamage: „Zuhörer identifizieren sich mit dem Unperfekten“, sagt Wenske. „Das macht den Redner nahbar und dadurch sympathisch.“

Anfänger fahren gut, wenn sie sich technischer Hilfsmittel wie PowerPoint oder KeyNote bedienen, sagt Vornberger. Das verhindert, dass die Aufmerksamkeit ausschließlich auf dem Redner liegt und ist für viele angenehmer. Allerdings sollten Erstsemester dabei ein paar Grundregeln beherzigen. „Bei den Folien gilt die Fünf-mal-fünf-Regel“, sagt der Professor. Es sollten maximal fünf Zeilen mit höchstens fünf Worten pro Zeile sein. Grammatikalisch vollständige Sätze sind nicht notwendig. Die Punkte decken Erstsemester dann nicht gleichzeitig auf. Besser sei, sie so zu animieren, dass sie nach und nach erscheinen, sagt Vornberger. Sonst sei jeder Zuhörer mit Lesen beschäftigt, statt dem Vortragenden zuzuhören.

Bevor Studenten ihr Referat erarbeiten, sollten sie sich außerdem klarmachen, welchen Praxisbezug die Kommilitonen zum Thema haben. „Der Zuhörer soll sich vorstellen können, worüber geredet wird“, erläutert Rhetoriktrainer Martin Dall. Das gelte gerade für technische oder naturwissenschaftliche Vorträge.

50 Prozent eines Vortrags sollten aus Beispielen und Geschichten bestehen

Wer einen Vortrag über einen komplizierten Stoff halten muss, könne zunächst erläutern, in welchen Alltagssituationen man dem Thema begegnet. „Mindestens 50 Prozent eines Vortrags sollten aus Beispielen und Geschichten bestehen“, sagt Britta Wenske dazu. „Man ist immer in Versuchung, ganz viele Fakten unterzubringen, aber die kann ja jeder nachlesen“, erklärt sie. „Besser ist es, wenige Fakten einprägsam aufzubereiten.“

Für alle Referate gilt: Am besten ist es, wenn Studenten frei reden. Doch besonders am Anfang falle das vielen schwer, sagt Diplom-Psychologe Reinhard Franke. Wer sehr nervös ist, kann sich mit einem zweigeteilten Skript behelfen. Das ist ein ausformulierter Text auf der einen und eine Ausfertigung mit Stichpunkten auf der anderen Seite. Je nach Bedarf können Erstsemester dann zwischen den beiden Vortragsvarianten hin und her wechseln.

Britta Wenske hält vom Vorlesen dagegen gar nichts. „Dann könnte man den Text ausdrucken und den anderen zum Lesen geben.“ Sie empfiehlt, wenn die Angst so groß wird, dass man sich am liebsten Wort für Wort an ein Manuskript klammern möchte: „Vorher irgendetwas machen, was das Kopfkino abstellt.“ Sich in der Toilette einschließen und Grimassen schneiden, Atemübungen, seinen Körper abklopfen. „Und sich immer wieder bewusst machen: Hier passiert jetzt gleich wirklich nichts Schlimmes.“