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Nichts vergessen will gelernt sein

Namen erinnern, frei Reden halten – Gedächtnistrainer Franz-Josef Schumeckers erklärt einfache Merktechniken

Können Sie sich eine willkürliche Reihenfolge von 90 Nullen und Einsen in 15 Sekunden merken? Wahrscheinlich nicht. Und vielleicht finden Sie auch, dass das ein gänzlich unwichtiges Kunststück für Sie ist. Stimmt wohl, dennoch ist die Fähigkeit ein beeindruckender Beleg dafür, was möglich ist, wenn man sein Gehirn auf Trab bringt.

Franz-Josef Schumeckers kann das mit den 90 Nullen und Einsen. Und noch so einiges mehr. Mit seinen mentalen Fähigkeiten steht er im Guinness Buch der Rekorde, gehört zu den fünf besten Gedächtnissportlern Deutschlands und war sogar schon Siebter der Weltrangliste. Seit zwölf Jahren bringt er Teilnehmern seiner Seminare und Vorträge die Kunst des Merkens bei. Sein Gedächtnis verbessern kann jeder, sagt Schumeckers – egal wie alt, egal welche Vorkenntnisse. Auch er selbst war nicht immer der Gedächtniskünstler, der er heute ist. Bevor ihn der Spaß an der Gehirnakrobatik packte, war der Kempener Tischlermeister, studierte Innenarchitektur und arbeitete als Projektleiter in Unternehmen.

Doch was hilft es im Beruf, wenn man sich viel merken kann? Heutzutage ist doch jede Information nur ein paar Klicks entfernt. Schumeckers schränkt ein: „Nicht alle Informationen stehen uns überall zur Verfügung. Wenn ich zum Beispiel Namen oder Pin-Codes nach Belieben abspeichern kann, werde ich immer einen großen Vorteil bei der Arbeit und in der Gesellschaft haben.“

Das Grundprinzip sei, in Bildern zu denken, erklärt er. „Das Gehirn behält sie besser als Worte.“ Einen Herrn Müller merkt sich der Gedächtnistrainer, in dem er dem Mann in seiner Vorstellung einen Sack Mehl über die Schulter legt. Eine Frau Tscherschewski stellt er sich mit einer Schere vor, wie sie ihren Chef auf Skiern verfolgt. „Alle Namen mit -ski sind ohnehin schon einmal Skifahrer“, sagt Schumeckers und lacht. Damit einem solche Bilder zügig einfallen, ist ein bisschen Übung nötig. Aber es geht von Mal zu Mal schneller und macht immer mehr Spaß, verspricht der Gedächtnistrainer. Unter Druck setzen sollte sich dabei keiner. „Bei Stress arbeitet das Gehirn nicht gut.“ Dann akzeptiere man einfach, dass einem diesmal nichts Passendes eingefallen sei.

Auch bei der Routenmethode geht es um einprägsame Bilder. Mit ihr hinterlassen Berufstätige bei Vorträgen einen guten Eindruck, weil sie nicht ständig auf ihre Karteikarten schielen müssen. „Auch Vertriebler haben mit der Routenmethode jederzeit ihre Verkaufsargumente parat“, sagt Schumeckers. „Alles, was irgendwie mit Listen zu tun hat, kann man darauf ablegen.“ Die Route kann der Weg durchs Wohnzimmer sein oder entlang des eigenen Körpers. Auch der Arbeitsweg bietet sich an. Hauptsache, man kann die Stationen blind aufsagen: Mit jeder wird dann ein bestimmtes Bild verknüpft.

Als Übung zum Einstieg empfiehlt Schumeckers die Tierkreiszeichen: „Die Schuhe sind voller spitzer Steine – Steinbock. Das Knie platzt auf und lässt einen Wasserfall frei – Wassermann. In den vorderen Hosentaschen fühlt man etwas Glitschiges – Fische. Und so weiter.“ Je ungewöhnlicher die Bilder sind, desto leichter lassen sie sich merken. Übertragen auf eine Präsentation zum Thema Teamarbeit könnte das heißen: Am Fuß verankert man die Vorstellung von der Kooperation, wenn die Zehen sich beim Laufen aufeinander einstellen müssen; am Knie die Flexibilität aller Beteiligten, wenn die Sehnen sich bei der Kniebeuge dehnen; die vorderen Hosentaschen sind nach außen gekehrt fürs Verbot von Geheimniskrämerei im Team. Wie viele Punkte es auf der Route gibt, bedingt, wie viele Argumente seiner Liste man dort verankern kann.

„Die Körperroute nutze ich jeden Tag“, sagt Franz-Josef Schumeckers. Beim Joggen zum Beispiel. Dabei verfasst er seine To-do-Listen.