Kompass

Tolle Idee, machen wir später mal!

Ein Kommentar von Mark Hübner-Weinhold

Sie sind motiviert. Sie sind kreativ. Sie haben eine großartige Idee. Sie machen einen Plan. Ganz konkret, Schritt für Schritt mit Meilensteinen, wann Sie wie welches Ziel erreichen werden. Sie wollen loslegen, machen, umsetzen. Und Sie haben Kollegen, einen Chef, Ihre Mitarbeiter. Die wollen nicht loslegen, machen, umsetzen. Wenn Sie Pech haben. Und die falschen Kollegen.

Für Menschen, die mit Leidenschaft arbeiten, die nicht die Stunden bis zum Feierabend und die Jahre bis zur Pensionierung zählen, ist das vielleicht die größte Herausforderung: mit Kollegen umzugehen, die bereits in Routine erstarrt sind. Kennen Sie diese menschlichen Bremsklötze? Die die Dinge immer schon so gemacht haben. An denen die Strahlkraft einer Idee wie ein Wassertropfen von wachsversiegeltem Lack abperlt. Die Ihr Engagement mit Einwänden torpedieren wie „Haben wir schon versucht, funktioniert nicht!“, „Wir haben nicht genug Budget, um das umzusetzen“ oder: „Tolle Idee, aber wer soll das denn noch schaffen?“

„Viele tolle Ideen sterben einen frühen Tod, weil diese Abwehrstrategien so erfolgreich sind“, sagt der emeritierte Harvard-Professor John P. Kotter. Die meisten Menschen fürchten sich vor allem, was ihren Status in der Gruppe bedrohen könnte. Und damit instinktiv vor allen Innovationen. Denn neue Ideen sind potenziell gefährlich. Veränderungen sind einfach ein Stressfaktor im Unternehmen. Gunter Dueck, ehemaliger Cheftechnologe von IBM, erklärt in seinem Bestseller „Das Neue und seine Feinde“, dass arbeitsteilige Organisationen ein Immunsystem herausbilden: Veränderungen werden als Störung empfunden und bekämpft.

Das kann niemand verstehen, der seine ganze Energie in ein neues Konzept gesteckt hat. Darin stecken jede Menge Wissen, Erfahrung und Leidenschaft. Aber eben nicht das Know-how um gruppendynamische Hindernisparcours und Bremswege. Der Blick dafür geht oft mit der Begeisterung für die Innovation verloren – und damit am Ende leider auch die gute Idee. Gut beraten ist daher, wer seine Idee im Verborgenen entwickelt und sich dann strategische Verbündete sucht, um die Verhinderer selbst auszubremsen.