NGOs

Nur noch schnell die Welt retten

Sich beruflich in einer Nichtregierungsorganisation zu engagieren, zieht Idealisten an. Doch Herzblut allein reicht nicht aus...

Nichtregierungsorganisationen, kurz NRO oder englisch NGO genannt, kennt fast jeder aus den Medien. Greenpeace, Brot für die Welt oder Human Rights Watch machen bei verschiedenen Aktionen teils spektakulär auf sich aufmerksam. Auf Themenfeldern wie Entwicklungspolitik, Menschenrechte, humanitäre Hilfe, Natur und Umwelt sind sie aktiv.

Das Klischee der zusammengewürfelten, basisdemokratischen Aktionsgruppen ist durch die zunehmende Professionalisierung der meisten NGOs mittlerweile überholt. „Zwar findet man Quereinsteiger, aber in vielen Arbeitsbereichen erwarten NGOs wie andere Arbeitgeber eine entsprechende Ausbildung“, sagt Kathrin Voss. Die Hamburger Unternehmensberaterin hat sich auf NGOs spezialisiert. „Interesse für das Thema und Engagement reichen nicht mehr aus.“

Wer einen Job bei einer NGO anstrebt, sollte außer Fachkompetenz und praktischen Erfahrungen vor allem Flexibilität und Kommunikationsstärke mitbringen. Außerdem müsse er sich in höherem Maße mit den Zielen des Arbeitgebers identifizieren, als das zum Beispiel bei Unternehmen der Fall ist, erklärt Voss.

Für Anike Peters, Strategie- und Projektentwicklerin („Campaignerin“) Klima und Energie bei Greenpeace in Hamburg ist das der entscheidende Antrieb: „Für mich zeichnet sich die Arbeit bei Greenpeace vor allem dadurch aus, dass meine persönlichen Ziele mit denen meines Arbeitgebers übereinstimmen.“ Das Ziel der Kampagnen, die sie mitentwickelt, ist der deutsche Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohlekraft bis spätestens 2040.

Zunächst war Peters ehrenamtlich in einer Greenpeace-Gruppe aktiv. „Schon damals habe ich mich besonders für die Themen Klimaschutz und Energiewende interessiert“, erzählt sie. Nach Studentenjobs und Praktika in der Industrie habe sie schnell gemerkt, dass Umweltschutz für Unternehmen oft eine untergeordnete Rolle spielt. Nach dem Diplom absolvierte sie deshalb zunächst ein Praktikum im Energiebereich von Greenpeace. Anschließend wurde ihr eine Festanstellung angeboten. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt sie. Peters’ Weg ist beispielhaft für viele NGO-Arbeiter: Vielen gelingt der Karriereeinstieg übers Ehrenamt oder Praktikum.

Und wenn es dann um den „richtigen“ Job geht? Eine typische Stelle für Einsteiger sei die Projektassistenz, sagt Kirsten Prestin vom Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO). Auch Volontariate oder Trainee-Stellen sind geeignet.

Grundsätzlich sind bei NGOs Menschen mit vielen beruflichen Qualifikationen gefragt – vom kaufmännischen Angestellten über den Lehrer bis hin zum Arzt oder Ingenieur. Sehr begehrt sind auch Verkaufs- und Vertriebskräfte für den Bereich Fundraising, das Fundament der NGO-Arbeit.

Beim Gehalt müssen NGO-Angestellte im Durchschnitt allerdings zurückstecken – gerade bei kleineren Organisationen. „Die Entlohnung ist verglichen mit der freien Wirtschaft oder staatlichen Jobs eher gering“, erklärt Torben Klages, Büroleiter der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Ohne Überstunden kommt er in seinem Job nicht aus: „50 bis 60 Wochenstunden bei einer Bezahlung von 40 Wochenstunden sind bei mir keine Seltenheit“, sagt er. Dennoch kommt bei ihm keine Unzufriedenheit auf. „Bei anderen Jobs in meinen Leben habe ich mehr Geld verdient, die waren aber viel weniger sinnerfüllt für mich“, sagt er.

Auch die Aufstiegsmöglichkeiten sind eher gering. Sie wüchsen jedoch mit dem Erfolg der NGO, erläutert Klages. Dann steigt der Personalbedarf meist an. Darüber hinaus können sich Möglichkeiten ergeben, in die Politik zu wechseln. Doch die meisten entscheiden sich für den Beruf, weil sie ihn als sinnstiftend empfinden. „Für mich ist die Frage, ob mein tägliches Handeln einen Sinn ergibt, von zentraler Bedeutung“, sagt der Büroleiter der BI Umweltschutz. „Eine Beschäftigung, die einzig auf Gelderwerb ausgerichtet ist, kann ich mir nicht mehr vorstellen.“