Gründerköpfe

Aus Leidenschaft fürs Nähen

Gründerköpfe: Zwei Hamburgerinnen machen sich mit Accessoires für Eltern und Kinder selbstständig

Wie man sein Hobby erfolgreich zu seinem Beruf macht, zeigen Maike Günther und Melanie Manegold. Seit ihrer Jugend sind beide begeisterte Schneiderinnen. Heute entwerfen, produzieren und vertreiben sie mit ihrer „Nähfaktur“ Accessoires. Das Spezielle an ihrer Geschäftsidee: Bei ihnen gibt es fast alle Produkte im Set: für Mutter und Kind, Vater und Kind oder für Geschwisterkinder. „Damit kann man seine Verbundenheit ausdrücken“, erklärt Maike Günther. Kennzeichen der Nähfaktur-Waren sind ein klares, schlichtes Design und kräftige Farben.

Für Geschwister gibt es da zum Beispiel unterschiedlich farbige Beutel mit ihren Namen oder identische Nackenhörnchen. Für Eltern und Kind sind Sets aus Kuscheldecke und Wickelunterlage oder aus Lätzchen und „Kleiderretter“ im Angebot. „Wir machen nur Kleinstserien“, sagt Maike Günther. „Und das soll auch so bleiben.“ Die Gründerinnen legen Wert darauf, vor allem Öko-Baumwolle zu verwenden, und lassen ihre Produkte möglichst regional produzieren.

Kennengelernt haben sich die beiden Mittdreißigerinnen während ihrer Schwangerschaft. Schnell entstand die Idee, aus der gemeinsamen Leidenschaft fürs Nähen etwas aufzubauen. Im Mai 2012 haben sie die Nähfaktur gegründet, seit rund einem Jahr sind sie mit ihrem Shop online. Die Ideen für ihre Produkte kommen ihnen meistens im Alltag. „Die Kuscheldecke zum Beispiel ist beim Frieren auf der Parkbank entstanden“, erzählt Manegold. Während ihre beiden Kinder im Sandkasten spielten: „So entwickelt sich unser Sortiment immer weiter“, erzählen die Gründerinnen. „Angepasst ans Alter unserer Kinder.“ Zwei Jahre ist der Nachwuchs inzwischen alt. Irgendwann werde es bestimmt auch Produkte für Kinder im Grundschulalter geben.

Ihre „alten“ Jobs haben beide noch. Maike Günther ist selbstständige Unternehmensberaterin in der Pharmabranche, Melanie Manegold ist Angestellte und arbeitet im Umweltschutz. Wahrscheinlich werden sie „nach und nach“ aus ihren Berufen aussteigen, kündigt Manegold an: wenn die nebenberufliche Gründung zu groß wird und nicht mehr zum Vollzeitjob passt. Zurzeit können sie ihre Aufgaben und auch die Kinder gut zusammenbringen. „Als wir zum Beispiel auf den Gründertagen in der Handelskammer waren, sind auch die Kinder dabei gewesen“, erzählt Günther. „Das klappte gut.“

Mit der Unterstützung, die Gründer in Hamburg erhalten können, sind die beiden, die ihre Firma ohne jeden Kredit auf die Beine gestellt haben, sehr zufrieden. „Es gibt eine Masse an Beratungsangeboten“, sagt Melanie Manegold. „Es ist wichtig, das in Anspruch zu nehmen.“ Beim Businessplan haben sie sich von den Wirtschaftssenioren helfen lassen, heute unterstützt sie eine Unternehmensberaterin, die sich auf Gründer spezialisiert hat.

Ihren Firmensitz haben die beiden immer noch in Günthers Privathaus, wo sie Prototypen nähen, Bestellungen abarbeiten und die Buchhaltung erledigen. „Mittelfristig werden wir aber richtige Geschäftsräume brauchen“, sagen sie. Die Nachfrage wachse merklich.

Als Nächstes wollen sie ihre Produkte nicht mehr nur Endkunden, sondern auch Wiederverkäufern anbieten. Und ihr Online-Marketing verbessern: Ein Facebook-Profil etwa sei gerade in Vorbereitung, erzählt Maike Günther. „Vor allem aber wollen wir weitere Wir-zwei-Sets entwickeln und die Nähfaktur als Marke stärker etablieren.“

www.naehfaktur.de