Gründerköpfe

Prävention als Geschäftsidee

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Mark Hübner-Weinhold

Gründerköpfe: Radiologe Thomas Broemel hat eine Praxis für gesundheitliche Vorsorge gegründet

„Wir verhindern, dass Menschen krank werden.“ Dieser Satz beschreibt den Anspruch des neuen Unternehmens Praenobis Ärzte. Ein großes Versprechen, das Dr. Thomas Broemel gibt. Der 62-Jährige ist geschäftsführender Gesellschafter der Vorsorge-Praxis am Neuen Wall. Seit Ende 2010 bieten Broemel und ein Team von Fachärzten Präventionsleistungen im 1908 erbauten Paulsenhaus mit seiner markanten Sandsteinfassade.

„Die meisten potenziellen Gesundheitsrisiken sind im Frühstadium erkennbar – und genau da setzen wir an“, erklärt Broemel. „Wir suchen das erste Zeichen einer beginnenden Erkrankung, klären die Ursache und besprechen mit den Menschen, was sie ändern können in ihrer Lebensweise, ihrer Ernährung, ihrem Job.“

Den Anstoß zu dieser Geschäftsidee gaben die immer detaillierteren Diagnosemöglichkeiten moderner Medizintechnik. Ob Ultraschall, 3-D-Echokardiografie oder Magnetresonanztomografie – neue Geräte eröffnen ganz präzise Einblicke in den menschlichen Körper. Radiologe Broemel war fasziniert davon, was er so in Organen oder Blutgefäßen sehen konnte.

„Wir haben oft Veränderungen im Körper erkannt, nach denen bei den Patienten gar nicht gefragt wurde. Seither habe ich mich damit beschäftigt, wie wir diese Diagnostik vorbeugend nutzen können.“

Seine Erfahrungen sammelte Thomas Broemel am UKE und im Krankenhaus St. Georg, bevor er 1987 seine erste eigene Praxis in Bergedorf eröffnete. 1995 folgte die Radiologie an der Stadthausbrücke, die seit 2002 den Namen Conradia trägt. 80 Mitarbeiter sind inzwischen an fünf Hamburger Standorten tätig. Firmenmitbegründer Broemel hat seine Anteile verkauft und verwirklicht mit Praenobis nun seinen beruflichen Traum. „Ich möchte nicht nur Krankheiten diagnostizieren, sondern sie aktiv vermeiden.“

Im Jahr 2009 nahm dieser Traum Gestalt an. Gemeinsam mit dem Gynäkologen Helmut Corterier und der Internistin Christiane Kirchhof konzipierte Broemel eine Praxis, die auf Vorsorge ausgerichtet ist. Seit der Eröffnung sind sieben weitere Fachärzte, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler, medizinische Fachangestellte und ein Mental-Coach hinzugekommen. Am Empfang sorgen die Kolleginnen Sabrina Höltig und Broemels Ehefrau Birgit dafür, dass alles reibungslos läuft. Als freier Mitarbeiter steht Führungskräfte- Trainer Hans Kindermann als Sparringspartner für Kunden in Führungspositionen zur Verfügung.

Ein Ganzkörpercheck dauert einen Tag. Dazu gehören akribische Untersuchungen von Blut, Körperfett, Herz und Blutgefäßen, Lunge, Gehirn, Augen, Ohren, Haut, Schilddrüse, Ober- und Unterbauch. Diese Vorsorge hat ihren Preis. Rund 1700 Euro muss eine Privatperson dafür berappen. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt diese Kosten nicht; bei entsprechender Diagnose trägt die private Krankenversicherung bis zu zwei Drittel.

1800 Menschen hätten den Check bislang genutzt, sagt Thomas Broemel. Die meisten von ihnen kommen über ihre Unternehmen. Diese abonnieren eine Art „Flatrate“ für die Gesundheitsvorsorge ihrer Mitarbeiter. Der Preis dafür beginnt pro Kopf und Jahr bei 1000 Euro und reicht je nach Leistung bis zu 2200 Euro. Die Befunde fallen unter das Arztgeheimnis; das Unternehmen erfährt nichts von Praenobis. Noch reagieren Firmen verhalten auf das Vorsorgeangebot, sagt Broemel. Er hofft auf die Zukunft: „Gesundheitliche Prävention wird immer wichtiger. Die Belegschaften werden älter, jüngere Menschen legen oft mehr Wert darauf.“

www.praenobis.de

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