Bei welcher Firma werde ich glücklich?

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Birte Schmidt

Für Ingenieure ist der Berufseinstieg selten schwierig, oft können sie sich den Job aussuchen. Zeitarbeit nützt beim Sammeln von Erfahrung

Um seinen Berufseinstieg macht sich Robert Schmidt keine Sorgen, doch jetzt will er es noch einmal wissen. Auf der Jobbörse des Stellenwerks und der Technischen Uni Hamburg-Harburg (TUHH) hat er sich in die Schlange der Wartenden eingereiht, um von der Mitarbeiterin der Hamburger Agentur für Arbeit seine Bewerbungsmappe durchchecken zu lassen. Der 25-Jährige studiert internationales Wirtschaftsingenieurswesen an der TU und schreibt gerade an seiner Diplomarbeit. „Ich habe ein halbes Jahr bei Airbus in Frankreich gearbeitet und in Chile und San Diego studiert, da sollte es kein Problem sein, einen guten Job zu finden“, sagt er selbstbewusst.

Wie ihm geht es auch den anderen Studenten hier, allesamt eingeschrieben in einen ingenieurwissenschaftlichen Studiengang an der TUHH oder der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg. Die Aussicht auf einen sicheren Job, ein hohes Einstiegsgehalt und gute Aufstiegschancen macht sie schon vor Ende ihres Studiums zu den Gewinnern auf dem Arbeitsmarkt. Trotzdem haben auch sie Informationsbedarf.

„Zwar finden Ingenieurinnen und Ingenieure in der Regel leichter einen Job als andere Absolventen, trotzdem ist ihr Berufseinstieg mit Entscheidungsschwierigkeiten verbunden“, sagt Michaela Hoppe vom Career Center der TUHH. „Für sie lautet die Frage weniger: Wie finde ich einen Job? Sondern: Bei welchem Unternehmen kann ich glücklich werden?“

Um die Studenten beim Berufseinstieg bestmöglich zu unterstützen, veranstaltet die TUHH deshalb immer im Herbst/Winter gemeinsam mit Stellenwerk, dem Jobportal der Hamburger Hochschulen, die Jobmesse mit dem Schwerpunkt Technik. „Unser Ziel ist es, für eine relativ homogene Studierendengruppe vielfältige Berufsmöglichkeiten aufzudecken“, sagt Hoppe.

Und dabei gibt es derzeit vor allem diesen einen starken Trend: „Wir haben festgestellt, dass sich immer mehr Hochschulabsolventen nicht mehr klassisch bei einem Unternehmen bewerben, sondern den Einstieg über einen Ingenieurdienstleister schaffen“, erzählt Hoppe. Denn während Berufseinsteiger anderer Branchen Zeitarbeit häufig als Notlösung empfinden, sehen Ingenieure darin eine gute Möglichkeit, gerade zum Berufsstart in unterschiedlichen Projekten vielfältige Einblicke in die Praxis zu bekommen.

„Ingenieurdienstleister funktionieren im Prinzip wie eine ausgegliederte Personalabteilung“, sagt die Mitarbeiterin des Career Centers weiter. Die Idee: Die Studenten sind fest bei einem Dienstleister angestellt, der sie für einzelne Projekte an große Unternehmen wie beispielsweise Airbus vermittelt. „Viele finden das spannend“, sagt Hoppe, „weil sie so gleich zu Anfang vielfältige Berufserfahrungen sammeln können und gleichzeitig einen sicheren Job haben.“ Die TUHH baut daher derzeit ihre Kooperation mit Ingenieurdienstleistern aus.

„Dienstleister in dieser Form gibt es schon viele Jahre, aber erst nach und nach haben die Unternehmen das auch für sich entdeckt“, sagt Matthias Geh, Chef der Personal- und Vertriebsabteilung bei der Heinkel Group, die sich in zwei Unternehmensabteilungen aufteilt. Während Heinkel Engineering Ingenieurdienstleistungen anbietet, vermittelt Heinkel Experts Personal intern für Projekte oder dauerhaft beim Kunden. 30 Ingenieure arbeiten in den Heinkel-Büros in Finkenwerder, 100 weitere sind im Einsatz bei den Kunden vor Ort: bei Airbus oder Eurocopter beispielsweise.

Auch Marta Garces und Cristina Barrio sind an diesem Tag zur Jobbörse gekommen. Beide haben bis zum Sommer in Spanien gelebt, absolvieren gerade ihr Erasmus-Jahr an der TUHH und würden danach gern in Hamburg bleiben. „In Deutschland haben wir einfach bessere Jobchancen“, sagt Garces. Bei der Jobbörse suchen die beiden deshalb nach einem passenden Unternehmen, bei dem sie ihre Masterarbeit schreiben können. „Das wäre eine ideale Gelegenheit, um noch mehr Arbeitserfahrung zu sammeln“, sagt Barrio. „Und wenn uns die Unternehmen gefallen, haben wir vielleicht bessere Möglichkeiten, nach dem Studium dort einzusteigen.“

Einen Pluspunkt haben die beiden schon mal, und der ist in der Ingenieurbranche nicht zu unterschätzen: Sie sind Frauen. „Nach wie vor sind die Damen unterrepräsentiert, aber sehr begehrt“, sagt Savenia Budinic, Personalerin bei Lufthansa Technik. Eine Tatsache, die nicht nur sie nach Lösungsansätzen suchen lässt. „Wir müssen feststellen, dass zum Beispiel in den arabischen Ländern und Südamerika Frauen schon viel selbstverständlicher technische Studiengänge ergreifen als bei uns in Deutschland.“

Gemeinsam mit ihren Kollegen berate sie deshalb momentan wieder intensiv darüber, wie das Unternehmen mehr weiblichen Nachwuchs gewinnen kann. „Die Mädchen sind so gut in der Schule, aber wenn es darum geht, sich für einen ingenieurswissenschaftlichen Studiengang zu entscheiden, sinkt der Anteil auf unter 20 Prozent. Es ist wichtig, dass die Frauen die Scheu vor diesen Berufen verlieren.“

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