Weiterkommen-Seminar

So löst man innere Blockaden

Julia Glöer berät Berufstätige und lehrt in einem Weiterkommen-Seminar, wie man sich erfolgreich selbst motiviert.

Wir stehen uns häufig selbst im Weg und können unser Potenzial nicht voll entfalten. Dies ist nicht nur im Berufsleben hinderlich. Wie wir Blockaden überwinden können, verrät die Hamburger Trainerin Julia Glöer.

Hamburger Abendblatt:

Welches sind die häufigsten persönlichen Hindernisse beim beruflichen Fortkommen?

Julia Glöer:

Natürlich gibt es viele äußere Umstände, die ein berufliches Fortkommen erschweren. Diese können wir oftmals nicht beeinflussen. Aktiv verändern können wir die Hindernisse, die in der eigenen Person liegen. Wir haben großen Einfluss auf unsere Einstellungen, Gefühle und Handlungen. Wenn wir hier aktiv werden, können wir eine höhere berufliche Zufriedenheit erreichen. Persönliche Bremsklötze sind jedoch sehr individuell. Bei meinen Teilnehmern reichen sie von Unlustgefühlen, die dazu führen, dass ungeliebte Aufgaben immer wieder auf die lange Bank geschoben werden, über einen Mangel an Mut, der dazu führen kann, dass jemand seinen Standpunkt nicht vertritt, bis zu geringem Selbstbewusstsein, sodass jemand das vorhandene Potenzial nicht ausschöpft.

Wie meistere ich innere Blockaden?

Glöer:

Die meisten von uns haben gelernt, dass wir uns am Riemen reißen müssen, um mit Selbstdisziplin und Zeitmanagement unser Leben in den Griff zu bekommen. Neueste Erkenntnisse aus der Motivationspsychologie und der Hirnforschung zeigen, dass eine ständige Selbstkontrolle langfristig wenig Erfolge bringt und sogar die Eintrittskarte in ein Burn-out sein kann. Innere Blockaden lassen sich besser meistern, wenn man weiß, dass es zwei Entscheidungssysteme gibt, die unser Handeln steuern. Zum einem unseren Verstand, mit dem wir meist bestens vertraut sind, und auf der anderen Seite das Unbewusste. Die moderne Hirnforschung zeigt, dass unser Unbewusstes wie eine Festplatte alles, was uns widerfährt, speichert. Diese Daten werden zusätzlich noch bewertet in die Kategorien „gut für mich“ oder „schlecht für mich“. Ist eine Situation, ein Mensch oder eine Handlung mit „schlecht für mich“ markiert, wird das unbewusste System alles dafür tun, damit diese Erfahrung sich nicht wiederholt. Das erleben wir dann als Unlustgefühl oder Blockade. Das Unbewusste übernimmt somit quasi einen wichtigen Schutzmechanismus.

Wie können sich Arbeitnehmer dennoch erfolgreich motivieren?

Glöer:

Da gibt es verschiedene Ausgangslagen. In dem ersten Fall möchten wir etwas und haben auch Lust drauf. In diesem Fall sitzen der Verstand und das Unbewusste sozusagen im selben Boot. Wir sind motiviert und müssen gar nichts weiter tun. Schwierig wird es, wenn der Verstand meint, wir sollten etwas tun, wie endlich eine tolle Präsentation halten, aber das Unbewusste zieht nicht am selben Strang, sondern meldet akute Unwohlgefühle. Bei Zielen, wo der Verstand und das Unbewusste in verschiedene Richtungen ziehen, müssen wir das Unbewusste für unser Ziel gewinnen. Es geht darum, herauszufinden, wie das Unbewusste mit Spaß und Freude dabei sein kann. Da setzt das Zürcher Ressourcen Modell ZRM mit Motto-Zielen an, mit denen ich arbeite.

Wie lässt sich damit das Unbewusste für ein Ziel gewinnen?

Glöer:

Das Zürcher Ressourcen Modell ist ein wissenschaftlich überprüftes Selbstmanagement-Training, das an der Universität Zürich 1991 zur gezielten Förderung unserer Handlungsmöglichkeiten entwickelt wurde. Es hilft, das eigene Fühlen und Verhalten besser zu steuern und zu verändern. Dadurch gelingt ein souveränes Handeln auch in schwierigen Situationen. Im Seminar arbeiten wir mit einer Bildkartei aus 90Motiven, um die unbewussten Bedürfnisse zu erkennen und mit den Vorhaben des Verstandes zu synchronisieren. Die Teilnehmer wählen ein Bild, das ihnen bezogen auf ihr Anliegen ein gutes Gefühl vermittelt, denn unser Unbewusstes kann über Bilder kommunizieren. Aus den Bildern entwickeln die Teilnehmer schrittweise Motto-Ziele, die dazu führen, dass auch ungeliebte Aufgaben angegangen werden können.

An wen richtet sich Ihr Seminar?

Glöer:

An Menschen, die ihren Wünschen Taten folgen lassen wollen. Wie etwa: Ab heute arbeite ich meine Ablage sofort ab; bitte ich meinen Chef um eine Gehaltserhöhung; führe ich das klärende Gespräch mit meiner Kollegin; bin ich netter zu meinen Kunden oder schreibe ich die fällige Bewerbung. Das Seminar ist auch geeignet für Menschen, die schwierige Aufgaben leichter und mit einem anderen Gefühl bewältigen wollen. Einen großen Schritt in Richtung zu mehr Balance im Leben können sich auch Menschen erarbeiten, die unter Stress leiden und bereits erste Symptome von Burn-out haben.