Spezialisten sind heiß begehrt

Staatlich geprüfte Techniker gibt es in vielen Fachrichtungen. Der Abschluss rangiert zwischen Meister und Bachelor

Halbzeit für Michael Oetjen. Der 25-Jährige lernt seit einem Jahr Elektrotechnik mit Schwerpunkt Informations- und Kommunikationstechnik an der Fachschule für Technik Hamburg, einem Unternehmen der Technischen Akademie Nord. „Diese Qualifizierung ist ideal für alle, die keine Mathe-Asse sind.“ Oetjen weiß, wovon er spricht. Nach seiner Ausbildung zum Informationselektroniker für Geräte- und Systemtechnik und erster Berufserfahrung entschied er sich für ein Elektrotechnik-Studium an der Fachhochschule Kiel. „Alles lief bestens – bis auf Mathe.“ Die dritte nicht bestandene Klausur bedeutete das Aus an der FH. Damit ist Oetjen nicht allein, Mathematik ist die Haupthürde bei technisch orientierten Studiengängen.

Die zweijährige private Qualifizierung an der Fachschule kostet ihn jetzt zwar 5000 Euro und führt statt zum Bachelor of Engineering zum Abschluss „Staatlich geprüfter Techniker“, aber dafür hat Oetjen nun weder Probleme mit Mathematik noch mit Modulen wie „Elektrische Schwingungen und Wellen berechnen, erzeugen und modulieren“ und „Elektronische Dimensionierungsprobleme mathematisieren und berechnen“.

„Damit sollte ich in der Einschätzung der Unternehmen etwa zwischen Meister und Bachelor liegen“, sagt Oetjen. Besonders gut gefällt ihm die Umsetzung von Theorie in Praxis in den schulinternen Laboren. „Aktuell arbeiten wir an Operationsverstärkern und Transistorschaltungen.“

Wenn Oetjen in einem Jahr seine Ausbildung abschließt, sollte er am Arbeitsmarkt keine Schwierigkeiten haben, sagt Schulleiter Björn-Ole Böttcher. Gerade an Elektro- und Maschinenbautechnikern bestehe ein enormer Bedarf. „Vor allem in Süddeutschland werden Techniker dieser Fachrichtung mit Kusshand genommen.“ Auch im Norden stünden die Chancen gut, hier erfolge der Einstieg aber häufiger über einen Zeitarbeits-Einsatz.

Die Qualifizierung zum Techniker gibt es in zahlreichen verschiedenen Fachrichtungen und mit unterschiedlichster Spezialisierung – die zum Teil exotisch anmuten. Darunter etwa der staatlich geprüfte Schuhtechniker, der Techniker für Baudenkmalpflege und Altbauerneuerung und der für Weinbau und Önologie. Den Hintergrund erläutert Böttcher: „Die verschiedenen Fachrichtungen werden von der Kultusministerkonferenz festgelegt, aber die Bundesländer entscheiden je nach Bedarf über Spezialisierungen.“ In der Metropolregion Hamburg sind Techniker vor allem im maritimen und Hafenumfeld, der Luftfahrt, der medizintechnischen Entwicklung und dem Bereich erneuerbarer Energien gefragt.

Entsprechende Ausbildungen bieten private wie staatliche Schulen. So bilden etwa die private Technische Fachschule Heinze sowie die Staatliche Gewerbeschule Fertigungs- und Flugzeugtechnik G15 in zwei oder zweieinhalb Jahren zum Luftfahrzeugtechniker aus. Für Mechatronik und Informationstechnik ist die G16 (Fachschule Technik Hamburg-Farmsen) die richtige Adresse, und an der G10 (Staatliche Gewerbeschule Energietechnik) stehen Energietechnik und Prozessautomatisierung auf dem Stundenplan – jeweils in zwei Jahren als Vollzeitausbildung.

Wer die Qualifizierung neben seinem Beruf macht, braucht drei bis vier Jahre

Berufsbegleitend verlängert sich die Qualifizierung auf drei bis vier Jahre, je nach Ausbildungsstruktur. Schulgebühren fallen bei den staatlichen Anbietern für private Interessenten keine an. Unabhängig vom Bildungsanbieter werden jeweils eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem sogenannten Zugangsberuf, beispielsweise Industriemechaniker, Elektroniker oder Mechatroniker, plus ein bis zwei Jahre Berufserfahrung vorausgesetzt.

Gerade das mache die Ausbildung so wertvoll ist Björn-Ole Böttcher überzeugt. „Staatlich geprüfte Techniker vereinen Ausbildung, Berufserfahrung und eine umfangreiche Qualifizierung. Das versetzt sie in die Lage, anfallende Probleme praxisnah anzugehen und Lösungsansätze zeitnah umzusetzen. Sie sind die entscheidenden Mittler zwischen Entwicklung und Anwendung.“ Zudem mache sich die Berufserfahrung bezahlt. „Qualifizierte Techniker können, je nach Verhandlungsgeschick, mit einem Einstiegsgehalt von 35.000 bis 40.000 Euro rechnen.“

Mario Spitzmüller, Pressesprecher beim Industrieverband Hamburg, rät, bei der Stellensuche nicht nur große Namen im Blick zu haben, sondern sich vielmehr auf den Mittelstand zu konzentrieren. „Hier finden sich hochinteressante Unternehmen, die erfolgreich auf dem internationalen Markt bestehen, indem sie Nischen besetzt halten.“ Techniker seien da sehr gefragt,. „Der technische Fortschritt macht schließlich die Stärke unseres Standortes aus, und Innovationskraft ist ein extrem wichtiger Wettbewerbsvorteil.“