So vermarkten Sie sich richtig

Top im Job: Ragnhild Struss rät, Beziehungen auszubauen und sich auf Gespräche gut vorzubereiten

Im Terminkalender von Ragnhild Struss stehen neuerdings außer den üblichen Beratungsterminen Dinge wie „Netzwerktreffen“, „Fotostudio“ oder auch „Büroführung mit Multiplikatoren“. Dabei hat die Karriereberaterin überhaupt keine Probleme, frei zu sprechen oder eine eigene Position zu vertreten. „Aber mein Team hat angeregt, das Selbstmarketing stärker anzugehen, das setze ich jetzt um“, sagt Struss. Sie selbst sei keine große Small Talkerin, rede lieber über das Fachliche. Doch zur Inhaberin und Geschäftsführerin einer Karriereberatung gehöre es nun einmal auch, auf sich aufmerksam zu machen. „Man sollte sich zeigen, Beziehungen ausbauen und pflegen, aber ohne Glorifizierung der eigenen Person“, erläutert Struss ihr Ziel.

Auf das Thema Beziehungspflege seien sie und ihr Team in zwei Schritten gekommen: Zum einen kennt die Diplom-Kauffrau ihre eigenen Stärken und Schwächen, hat die Fremdwahrnehmung durch Freunde und Mitarbeiter abgefragt und berufliche Ziele benannt. Zum anderen hat das Beratungsteam einen Maßnahmenkatalog entworfen: Vorträge halten, informelle Möglichkeiten für den Austausch nutzen, sich auf Tagungen präsentieren. Ein Vorgehen, das die Basis für ein gutes Selbstmarketing bilde: „Man muss sich gut kennen, um eine aussichtsreiche Vermarktungsstrategie entwickeln und umsetzen zu können“, sagt Struss. Hilfreich sei zum Beispiel die Klärung, ob man eher zu den extrovertierten Typen zähle, die gerne auf andere zugehen. Oder zu den stillen, vorsichtigen Personen, die erst zum Gespräch eingeladen werden müssen.

„Viele Introvertierte hoffen darauf, dass man ihre Leistungen wahrnimmt und sie befördert. Sie kommen nicht von sich aus auf die Idee, FeedbackGespräche einzufordern“, sagt die Karriereberaterin. Ihnen rät sie zu mehr Mut: „Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie zur Vorbereitung eines Gesprächs benötigen, listen Sie Erfolge auf, dokumentieren Sie Ergebnisse und gehen Sie damit in den Termin.“

Eine gute Vorbereitung bringe diesen Menschen auch die Rettung auf der nächsten Betriebsfeier: „Man kann sich Gesprächsthemen überlegen, die man durch zwei, drei offene Fragen vorbereitet.“ Und dies durchaus strategisch: Wer beispielsweise in eine andere Sparte des Unternehmens wechseln will, findet heraus, wer dafür verantwortlich ist und wie diese Führungskraft angesprochen werden kann. „Ihr Aufgabengebiet interessiert mich. Wie sind Sie dazu gekommen?“, kann die Kontaktaufnahme lauten.

Entgegen der landläufigen Meinung benötigen auch Selbstdarsteller eine gute Vorbereitung auf das Zielvereinbarungsgespräch oder die Gehaltsverhandlung. Dies gilt umso mehr, je introvertierter der Chef ist. Der ist nämlich alles andere als begeistert, wenn er mit vielen sprachlichen Weichspülern und Konjunktiven umspült wird. Weniger ist mehr, lautet die Devise für die Extrovertierten, rät Ragnhild Struss. „Schnell auf den Punkt kommen und die Zahlen kennen.“

Auch beim Thema Online Netzwerke ist bewusstes Vorgehen erwünscht: Wer seinen privaten Facebook-Account nicht sperrt, ständig irgendwelche, zumeist kopierte Inhalte verbreitet, darf sich nicht wundern, wenn das nicht gut ankommt. „Für Mitarbeiter eines Startups, einer PR- oder Eventagentur ist es wichtig, gut vernetzt zu sein und das auch zu dokumentieren“, sagt Struss. Dagegen publiziert der wissenschaftliche Mitarbeiter am besten strategisch – zum Beispiel in einem renommierten fachspezifischen Magazin – und macht seine Zurückhaltung zum Erfolgsfaktor.