Kompass

Mit Gesetzen gegen Burn-out?

Ein Kommentar von Markus Baumanns

"Jeder Zweite klagt über Stress im Job." So lasen wir Ende Januar auf den Titelseiten der Zeitungen. Jeder fünfte Deutsche arbeitet gefühlt an der Grenze der Leistungsfähigkeit. Hoher Termin- und Zeitdruck, Multitasking aber auch Monotonie und Sinnentleerung in den Arbeitsabläufen sind die größten Belastungsfaktoren. Die Folge: 59 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen. Das ist ein Anstieg um mehr als 80 Prozent in den vergangenen 15 Jahren. Deutschland liegt damit im europäischen Vergleich weit vorn.

Wenn es ein Problem gibt, erschallt in Deutschland reflexhaft der Ruf nach mehr Regeln und Gesetzen. So auch hier: Der DGB fordert eine Anti-Stressverordnung (sehr putzig!) und ein klares Regelwerk. Empörte Arbeitsrechtler sehen eine Gesetzeslücke, die es schleunigst zu schließen gilt. Die zuständige Ministerin verweist auf die erfolgte Erweiterung des Arbeitsschutzgesetzes, die alles regle. Bezeichnend, dass wir wieder einmal individuelle Verantwortung auf Verordnungen wegdelegieren.

Im Kern ist es einfach: Die Ursachen liegen im täglichen Miteinander, in guter Mitarbeiterführung und -entwicklung. Die kann ich zwar durch betriebsinterne Vorgaben stützen. Wie wir diese aber im Alltag leben, darauf kommt es an. Gleichen wir unsere Erwartungen bei der Einstellung eines Mitarbeiters und vor jedem Projekt ab? Gebe ich als Führungskraft Orientierung - auch im Umgang mit der täglichen E-Mail-Flut? Helfe ich dabei, Prioritäten zu setzen? Stärke ich die Stärken eines Mitarbeiters, anstatt mich an seinen Schwächen abzuarbeiten? Höre ich aufmerksam zu? Zeige ich Wertschätzung? Nenne ich Defizite und Fehler beim Namen? Geben und nehmen wir, Mitarbeiter und Vorgesetzte, gegenseitig Feedback, sodass jeder weiß, woran er ist?

Also weg von Verordnungen hin zu gelebter, individueller Verantwortung im täglichen Führungshandeln. Endlich sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen dort gelandet, wo sie hingehören: gute Führung und der Mensch, und zwar auf Seite eins.

Dr. Markus Baumanns ist Unternehmensberater und Autor. www.schumacherbaumanns.com