Keine Angst vor schwierigen Fragen

Top im Job: Wie Bewerber sich auch bei "Sorgenthemen" gut präsentieren, erklärt Rita Zankl-Harbeck

Die erste Hürde ist genommen, die Einladung zum Jobinterview ist da. Jetzt geht es an die Vorbereitung - und an die "Sorgenfragen", wie Rita Zankl-Harbeck, Karrieretrainerin aus Hohenwestedt, sie nennt. "Es ist individuell, vor welchen Fragen ein Bewerber Angst hat", sagt sie. Eine Klientin etwa habe sich vor der Frage gefürchtet, was ihr Mann beruflich mache. Der war seit einiger Zeit krank und arbeitsunfähig. Lange um das Thema herumreden, sei immer der falsche Weg, sagt Zankl-Harbeck. Warum also nicht einfach nur den Beruf des Mannes nennen? Dessen Arbeitsunfähigkeit gehe das neue Unternehmen der Frau schließlich nichts an.

Zu den Sorgenfragen vieler gehört die Aufforderung, von Stärken zu berichten. "Den meisten Menschen fällt es leichter, Schwächen zu benennen", sagt die Kommunikationsexpertin. Vorbereitung sei darum das A und O. "Es zahlt sich aus zu wissen, was man beruflich an harten Fakten und an 'weichen' Schlüsselqualifikationen bieten kann." Einfach aufzählen hilft natürlich nicht: "Belegen Sie jede Stärke mit einem Beispiel", sagt Zankl-Harbeck. "So werden aus Behauptungen Beweise." Wer dann noch berücksichtigt, welche Anforderungen das Unternehmen an die Stelle hat - z.B. Kommunikationsstärke oder Zahlenaffinität - und seine Beispiele darauf abstimmt, kann punkten.

Eine Herausforderung ist auch die Frage: "Warum möchten Sie gerade für uns arbeiten?" Antworten wie "Die Fahrtzeit ist kürzer" sind tabu, sagt Zankl-Harbeck. Eine junge Frau, die Schifffahrtskauffrau werden wollte, habe darauf geantwortet, ihr Bruder sei Nautiker, und durch Gespräche mit ihm habe sie sich verstärkt mit dem Thema Seefahrt beschäftigt. Eine gute Erklärung, findet die Karrieretrainerin. "Wer seine Befähigung und sein Interesse begründen kann, zeigt dem Arbeitgeber, dass er einen überzeugten, engagierten Mitarbeiter bekommt."

Noch ein Klassiker: "Und warum wollen Sie Ihren Job wechseln?" Auch wenn sie sonst für Ehrlichkeit plädiert, rät Rita Zankl-Harbeck an dieser Stelle zum Abwägen: "Sagen Sie nie, dass es Schwierigkeiten im alten Job gegeben hat." Besser sei es, in die Zukunft zu blicken. Etwa so: "Ich habe in meinem Unternehmen alles erreicht, was möglich war, und möchte mich weiterentwickeln." Oder so: "Ich bin zufrieden in meiner jetzigen Position, aber Ihre Branche interessiert mich schon seit Langem, sodass ich mich einfach bewerben musste, als ich Ihre Ausschreibung sah." Ein absoluter Erfolgskiller dagegen: schlecht über die alte Firma oder ehemalige Kollegen reden.

"Auf keine Frage kann man sich 100-prozentig vorbereiten", sagt Rita Zankl-Harbeck. Sie rät, man solle "mit gesundem Selbstbewusstsein" zu sich stehen. Wer sich gut vorbereitet hat, könne jeder Situation gelassen entgegensehen. Wobei sie mit "Vorbereitung" nicht das Auswendiglernen von Antworten meint - auch wenn es helfe, möglichst viele Fragen schon einmal gedanklich durchzuspielen. "Es geht schließlich um ein partnerschaftliches Gespräch, bei dem sich beide Beteiligten kennenlernen wollen. Bewerber, die ihre Stärken und Qualifikationen kennen und es verstehen, die Verbindung zu den Jobanforderungen herzustellen, überzeugen." Einzig richtige Antworten gibt es ohnehin nicht.

Und was, wenn man doch einmal total überrascht ist und keine Antwort weiß? "Versuchen Sie nicht, perfekt zu sein", sagt Rita Zankl-Harbeck. "Lassen Sie sich ruhig einem Moment Zeit mit der Antwort." Das wirke authentischer als der Versuch, mit leeren Satzhülsen Zeit zu schinden, um eine vermutet erwünschte Antwort zu geben.

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