Was macht eigentlich ein . . .

Tampondrucker

Seine Spuren finden sich im Alltag nahezu überall, und dennoch ist der Beruf kaum bekannt: Ein Tampondrucker bedruckt Dinge jeglichen Materials. Vor...

Seine Spuren finden sich im Alltag nahezu überall, und dennoch ist der Beruf kaum bekannt: Ein Tampondrucker bedruckt Dinge jeglichen Materials. Vor allem auf Kunststoffen kann man bei genauem Hinsehen das Ergebnis von Tampondruck entdecken - sei es das Firmenlogo auf dem Rechner, die Symbole auf dem Blinkerhebel im Auto, die Typenbezeichnung auf dem Staubsauger oder der Modelleisenbahn.

"Wir haben auch schon Dachziegel und Pflastersteine bedruckt", sagt Jürgen Götz (44). Seit 18 Jahren arbeitet er als Tampondrucker, betreibt eine eigene Lohntampondruckerei in Schwabach bei Nürnberg. Im Auftrag von Industrie und Mittelständlern bedruckt er alles vom Kugelschreiber bis zum Großformat. Ein Beruf mit Eigenheiten: Tampondruck ist trotz der Komplexität der Materie in Deutschland kein Lehrberuf. "Im Grunde müssen Sie sich das selbst beibringen", sagt Jürgen Götz, gelernter Einzelhandelskaufmann. Gefragt sind technisches Wissen, Materialkunde über die unterschiedlichsten Stoffe, sehr gutes Farbsehen und Fingerspitzengefühl.

Der Tampondruck wurde ursprünglich für die Uhrenherstellung erfunden: Weil die Zifferblätter immer kleiner wurden, konnte niemand mehr sie von Hand bemalen. Die Ziffern wurden dann auf eine Platte graviert und die Farbe mit Hilfe von Gelatine-Tampons auf das Zifferblatt übertragen. In der Regel arbeitet man heute im Druck mit Silikon-Tampons. Ähnlich wie beim Offsetdruck dient eine Druckplatte als Klischee, deren Vertiefungen dann mit Farbe ausgefüllt werden. Ein Silikonkissen nimmt Farbe und Muster auf und überträgt diese dann auf den zu bedruckenden Gegenstand. Weil Silikon weich ist und sich anpasst, lassen sich mit solchen Stempeln gewölbte Oberflächen, gekrümmte Teile und sogar Vertiefungen bedrucken. Meist muss jeder zu bedruckende Gegenstand von Hand in eine Halterung gelegt werden, die eigens dafür angefertigt wurde. "Da der Aufwand oft sehr groß ist, sind viele Aufträge nach Fernost abgezogen worden", erklärt Jürgen Götz. "Das beste Beispiel dafür ist die Spielwarenindustrie." Und doch: Der Bedarf ist riesig, solange Dinge produziert werden. "Tampondrucker werden Sie immer brauchen." Gemeinsam mit anderen Druckern setzt Götz sich dafür ein, dass sein Job zu einem Lehrberuf wird.

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