Stephen R. Covey gestorben - Nachruf auf einen Visionär

Das Interview am Telefon war schon beendet, wir hatten uns verabschiedet. Als ich gerade auflegen wollte, sprach Stephen R. Covey mit seiner Assistentin, die uns zugeschaltet war. Die beiden wähnten mich bereits aus der Leitung. Und so wurde ich an diesem Dezembervormittag 2008 Ohrenzeuge, dass Covey die Prinzipien, die er in seinen Büchern vermittelt, im Alltag lebte.

Mit ehrlicher Wertschätzung lobte er unser soeben geführtes Gespräch. Dann erkundigte er sich nach dem Befinden seiner Assistentin, fragte nach ihren Plänen für den Tag und nahm ihr einfühlsam die Unsicherheit, die sie bei einigen Aufgaben empfand. Klare Leitlinien, Mitgefühl, Verständnis und die Fähigkeit, andere Menschen zu inspirieren - all das barg dieses kleine, aber beeindruckende Gespräch zwischen Covey und seiner Mitarbeiterin.

Jetzt schweigt Stephen R. Covey für immer. In der Nacht zum Montag erlag er 79-jährig in einer Klinik in Idaho Falls den Spätfolgen eines Unfalls. Im April verlor Covey während einer steilen Abfahrt in den Bergen von Utah die Kontrolle über sein Fahrrad. Mit Hirnblutungen und gebrochenen Rippen lag er zwei Monate im Krankenhaus, erholte sich aber niemals mehr vollständig. Covey hinterlässt seine Frau Sandra, fünf Töchter, vier Söhne, 52 Enkel und sechs Urenkel - und ein Vermächtnis als moralische Autorität. Laut "Time Magazine" gehörte der gläubige Mormone zu den 25 einflussreichsten US-Amerikanern.

Sein 1989 erschienenes Buch "Die 7 Wege zur Effektivität" (Gabal Verlag) wurde in 40 Sprachen übersetzt und inzwischen mehr als 20 Millionen Mal verkauft. Der Management-Vordenker vereint darin philosophische und religiöse Prinzipien, wissenschaftliche Erkenntnisse, vor allem aus der Verhaltensforschung, und eigene Ideen zu einem ganzheitlichen Leitfaden für persönlichen und beruflichen Erfolg.

Proaktiv sein statt nur zu reagieren, das Win-win-Paradigma als Leitlinie für unser Handeln, die Prinzipien "Erledige Wichtiges zuerst" und "Habe stets das Ziel im Blick" sind berühmte Kernthesen. Covey war davon überzeugt, dass wahre Effektivität ein geistiger Wachstumsprozess sei, in dem moralische Prinzipien wie Fairness und Verlässlichkeit die entscheidende Rolle spielen. Stephen R. Covey bleibt über seinen Tod hinaus eine Inspiration.