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Bewerbung: Wann ist die dritte Seite sinnvoll?

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Karriereexpertin Christine von Borcke-Wloka zum Extrablatt in der Bewerbungsmappe. Die dritte Seite macht aber nicht immer Sinn.

Die "dritte Seite" taucht heute in vielen Karriereratgebern auf. Mit ihr sollen Jobsuchende in ihrer Bewerbungsmappe spezielle Fähigkeiten oder Leistungen hervorheben. So soll die dritte Seite als zusätzliches Verkaufsargument den Personalverantwortlichen für den Bewerber einnehmen. Erstmals propagiert wurde sie vor ein paar Jahren vom Beraterteam Hesse/Schrader.

Nun könnte also jeder Bewerber auf die Idee kommen, seine Unterlagen mit einer dritten Seite aufzumöbeln. Doch davon rät Bewerbungsexpertin Christine von Borcke-Wloka unbedingt ab: "Es gibt Bereiche, wo die dritte Seite keinen Sinn hat. Ich empfehle, sie nur einzusetzen, wenn der Inhalt dem Entscheider auch einen Mehrwert bringt." Wie zum Beispiel dem Empfänger der Mappe eines ihrer Klienten: Der Koch hatte den Unterlagen als dritte Seite seine jüngste Menükarte beigefügt.

Die Arbeit eines Buchhalters dagegen lasse sich meist ausschließlich in Lebenslauf und Anschreiben gut abbilden, sagt die Karriereberaterin. "Wenn der Buchhalter aber eine bestimmte Methode eingeführt oder ein Projekt umgesetzt hat, das im Unternehmen Kosten einspart, dann wäre dieser Arbeitserfolg Thema für die dritte Seite."

Überschrieben wird das Blatt mit Worten wie Leistungsbilanz, Qualitäts- oder Kompetenzprofil. Bei Azubis kann die Seite unter dem Titel "Meine Motivation" daherkommen. Überschriften wie "Über mich" oder "Was Sie sonst noch über mich wissen sollten", hält von Borcke-Wloka jedoch für zu simpel.

"Angehende Auszubildende können mit der Motivationsseite ihre Affinität für den gewählten Beruf hervorheben", sagt die Beraterin. "Zum Beispiel, indem sie erklären, welche diesbezüglichen Erfahrungen sie in Praktika, Nebenjobs oder Schulprojekten gesammelt haben."

Höhere Positionen im Unternehmen werden zwar nur selten über Ausschreibung und Bewerbung vergeben. Kommt es aber dennoch vor, könnten selbst Prokuristen mit der dritten Seite punkten: "Dort erklären sie zum Beispiel, für welche Bereiche sie zeichnungsberechtigt waren."

Die dritte Seite muss kein reiner Fließtext sein. Die Bewerbungsberaterin empfiehlt sogar andere Darstellungsformen - Aufzählungszeichen oder eine Mind Map. "Dabei stellt man die ausgeschriebene Position in die Mitte und führt drum herum auf, was man mitbringt, um die Aufgaben zu erfüllen." Wer doch den Fließtext wählt, sollte darauf achten, kurz, prägnant und einprägsam zu formulieren. "In der Ichform." Auf jeden Fall muss die Art der Darstellung zum Bewerber passen. Wem die Mind Map selbst nicht zusagt, bindet sie besser auch nicht in seine Bewerbung ein. Länger als eine Seite dürfe "die Dritte" keinesfalls werden, sagt Christine von Borcke-Wloka. Platziert werde sie direkt hinter dem Lebenslauf.

Wie kommt ein Bewerber nun auf die zündende Idee für die dritte Seite? "Man sollte sich unbedingt Zeit dafür nehmen", sagt Christine von Borcke-Wloka. Bewerber könnten damit beginnen, in einem Brainstorming Ideen zu sammeln, welche Erfolge sie dort präsentieren könnten. Texte für die dritte Seite aus Karrierebüchern abzukupfern verbiete sich, weil die Individualität und persönliche Note fehle.

"Außerdem kann man sehen, ob sich der Bewerber Mühe gegeben hat. Auch das ist für den Personaler ein Qualitätskriterium." Darüber hinaus müsse die dritte Seite auf die angestrebte Position zugeschnitten sein, sagt die Bewerbungsberaterin. "Wenn der Entscheider darin etwas entdeckt, was gut zur Aufgabe passt, die er zu vergeben hat, kann der Kandidat punkten."

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