Serie, Teil 9: Das 1 x 1 der Büropolitik:

Immer schön loyal bleiben

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Mark Hübner-Weinhold

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Welche Fehler Sie niemals machen sollten

Wieder einmal hat es mit der Beförderung nicht geklappt. Und als Sie bereits zum vierten Mal Ihre Forderung nach einem angemessenen Gehaltsplus vorbringen, drückt der Chef erneut seine Floskelwiederholungstaste: "Sie wissen ja, das ist im Moment schwierig. Aber lassen Sie uns gern in ein paar Monaten darüber sprechen."

Der Frust in dieser Situation ist groß. Sie engagieren sich für die Firma, machen zig Überstunden, riskieren für ihren Job sogar den Familienfrieden - und als Dank speist man Sie allenfalls mit ein paar netten Worten ab. Wer hat in solchen Momenten nicht schon mal daran gedacht, der Firma den Rücken zu kehren? Und diesen Gedanken als Munition fürs nächste Gespräch mit dem Chef zu verwenden?

Wer mit Kündigung droht, verliert das Vertrauen seines Vorgesetzten

So verständlich diese Reaktion sein mag, so falsch ist sie. "Widerstehen Sie der Versuchung, Ihren Forderungen, etwa nach Beförderung oder Gehaltserhöhung, Nachdruck zu verleihen, indem Sie androhen zu kündigen", rät Jürgen Lürssen, Professor für Marketing an der Leuphana-Universität Lüneburg. Eine solche Drohgebärde werde als Akt der Illoyalität gegenüber der Firma angesehen. "Außerdem stellt es eine Art Erpressung dar. Selbst wenn Ihre Vorgesetzten Ihren Forderungen nachgeben, bleibt in der Regel ein schlechter Nachgeschmack, der Ihrer Karriere nicht förderlich ist."

Als illoyal gilt nach Ansicht von Jürgen Lürssen auch, wer die Leitlinien und Glaubenssätze des eigenen Unternehmens anzweifelt. "Wer sich abfällig über die Qualität von Produkten, Dienstleistungen oder die Mitarbeiter der Firma äußert, gilt schnell als Nestbeschmutzer und schadet seiner Karriere - mag die Kritik inhaltlich auch berechtigt sein", bestätigt der Managementberater Manfred Klapproth.

Unklug ist es auch, Mitbewerber zu stark zu loben. "Denn es gibt in jedem Unternehmen eine natürliche Tendenz zu einer ,Wir gegen die anderen' -Haltung. Sie untergraben die Arbeitsmoral in Ihrer Firma, wenn Sie über die Konkurrenz ins Schwärmen geraten", erklärt Marc Oliver Opresnik, BWL-Professor an der Fachhochschule Lübeck. Sein Rat: "Formulieren Sie die Vorteile der Wettbewerber deutlich, aber zurückhaltend. Und betonen Sie dabei immer, dass Ihr einziges Ziel die Verbesserung der Situation Ihres Unternehmens ist."

Sich über den Chef bei dessen Chef beschweren? Ein schwerer Fehler

Wer Karriere machen will, sollte auch seinem direkten Vorgesetzten gegenüber loyal sein. "Übergehen Sie niemals Ihren Chef, indem Sie versuchen, eine Entscheidung an ihm vorbei von einer in der Firmenhierarchie noch höher stehenden Person zu erwirken oder sich dort über ihn zu beschweren", warnt Opresnik. In den meisten Unternehmen werde streng auf die Einhaltung des hierarchischen Dienstweges geachtet. Das sei allerdings kein Maulkorb im Umgang mit höherenVorgesetzten. "Sie sollen nur grundsätzlich jeden Eindruck vermeiden, dass Sie versuchen, irgendetwas an Ihrem Chef vorbei zu erreichen", sagt Opresnik.

Ins Karriereabseits spielt sich übrigens auch schnell, wer schlecht über seinen Chef redet, ihm in Meetings widerspricht oder Kontakt mit "feindlichen" Abteilungsleitern hat. Spesenbetrug, Diebstahl von Firmeneigentum und Bestechlichkeit sind ohnehin tabu.

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