Standpunkt

Ich schraube, also bin ich

Ein Plädoyer von Mark Hübner-Weinhold

Wie viel Geld in der Finanzkrise wirklich verbrannt wurde, ist kaum zu ermitteln und schon gar nicht vorstellbar. Erschreckend ist nur, dass diese gigantischen Fehlinvestitionen durch ein paar Tastenhübe und Mausklicks besiegelt wurden - von Wissensarbeitern. Das ist jene in Großraumbatterien eingeglaste oder einbetonierte Gattung des Homo Computensis.

Diese Menschen gelten als die Pioniere der Wissensgesellschaft. Mit ihrem Kopf produzieren sie Tag für Tag endlose Zahlen- und Zeichenkolonnen, deren Ergebnisse am Ende dem Altpapier zugeführt werden. Mit ihrer Hände Arbeit schaffen sie - nichts. Nun gut, sie fassen ihre Smartphones an und tippen nervös auf Tastaturen herum. Aber was haben sie am Feierabend in der Hand? Nichts. Außer ein paar Daten auf dem USB-Stick.

Beneidenswert ist dagegen die Fähigkeit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. "Ich schraube, also bin ich", heißt ein Buch des Philosophen und Motorradmechanikers (!) Matthew B. Crawford. Der Boom der Baumärkte zeigt, was wichtig ist. Anpacken, selber machen. Wie befriedigend ist es doch, ein selbst gezimmertes Regal aufzustellen! Oder die Gangschaltung des Fahrrades fachgerecht zu montieren. Wer empfindet schon so ein Glück beim Ausdrucken eines Projektplans?

Eigenhändige Arbeit verschafft uns unmittelbare Befriedigung. Das manuelle Tun ist sinnlich und sinnvoll. Deshalb haben technische Berufe eine große Zukunft. Und deshalb gehört der technische Werkunterricht zwingend auf jeden Lehrplan.