Kompass

Kein Chef ohne Nachfolger

Für einen Inhaber, möglicherweise gar den Gründer, ist eigentlich kaum etwas wichtiger als seinen eigenen Nachfolger zu fördern.

Machtverliebt, stur und eigensinnig. Drei Attribute, die man vielen Chefs zuordnen kann. Die renommierte "Wirtschaftswoche" klebte das Etikett jüngst an Hans Riegel. Den Namen kennen Sie nicht? Doch, bestimmt. Die je ersten zwei Buchstaben von Hans Riegel, Bonn, sind als Haribo, weltweit erfolgreichste Fruchtgummi-Marke, unsterblich geworden.

Der Bärchenkönig scheint auch selbst an das ewige Leben zu glauben. Riegel, der das Unternehmen seit 1946 führt, ist mit 87 immer noch der starke Mann des Süßwarenkonzerns. Eine klare Nachfolgeregelung für den kinderlosen Patriarchen ist nicht in Sicht.

Ein klassischer Fall narzisstischer Selbstüberschätzung - und typisch insbesondere für inhabergeführte Unternehmen. Rechtzeitig konkrete Schritte einzuleiten, um einen oder mehrere geeignete Nachfolger zu finden und aufzubauen, scheint vielen mittelständischen Unternehmern extrem schwer zu fallen.

Dabei wäre kaum etwas wichtiger für einen Inhaber, möglicherweise gar den Gründer, als seinen eigenen Nachfolger zu fördern. Im Idealfall jemanden, der kein Duplikat des alten Unternehmenslenkers ist, sondern genügend Mut besitzt, um die Firma mit neuen Impulsen voranzubringen.

"Ich bin fit, fünf Jahre gehen noch", "Keiner kennt das Unternehmen so gut wie ich" - mit solchen Aussagen täuschen sich manche Senioren selbst und gefährden ihre Firma und damit auch viele Arbeitsplätze.

Neben der Unfähigkeit loszulassen, sind es vor allem zwei Aspekte, die bei Familienunternehmen zur Stolperfalle werden: erstens die Bereitschaft des Inhabers, auch familienfremde Nachfolger zu akzeptieren, wenn der eigene Nachwuchs nicht kann oder will; zweitens finanzielle Hürden wie die Erbschaftsteuer und die Einstiegsfinanzierung.

Dabei ist eine klare Nachfolgeregelung keine Frage des Alters, sondern guter, vorsorglicher Führung. Sobald man Sie also zum Leiter von irgendetwas ernennt, sollten Sie umgehend - am besten noch am gleichen Tag - damit beginnen, sich nach jemandem umzusehen, der Ihr Nachfolger werden könnte.