Zeitarbeit

Den "Klebe-Effekt" nutzen

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Zeitarbeiter müssen nicht nur gute Arbeit leisten. Sie müssen sich beim Auftraggeber auch gut verkaufen, um vielleicht übernommen zu werden.

Hamburg. Viele Zeitarbeiter hoffen darauf, vom entleihenden Unternehmen übernommen zu werden. Um diesen "Klebe-Effekt" zu erzielen, müssen sie sich gut verkaufen können. Denn oft bleibt ihnen nur wenig Zeit, um den Chef von sich zu überzeugen. Dazu reicht es nicht, gute Arbeit abzuliefern – man muss auch darüber reden, sagte die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München dem dpa-Themendienst.

Graue Mäuse haben schlechte Chancen

Eine als Sekretärin eingesetzte Zeitarbeiterin dürfe daher nicht nur still und leise ihren Job machen, wenn sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen will. Denn ein "graues Mäuschen" habe schlechte Chancen, im Unternehmen "kleben" zu bleiben. Vielmehr muss sie dafür sorgen, dass sie im Job persönlich wahrgenommen wird: "Ich sollte dem Chef die erledigten Sachen daher nicht einfach nur hinlegen", empfiehlt Leitner. "Stattdessen drücke ich sie ihm in die Hand und sage zum Beispiel: ‚Bitte sehr, ich habe das für Sie erledigt.’"

Die Unterstützung der "festen" Kollegen suchen

Konkurrenzdenken ist dabei fehl am Platz: So sollten Zeitarbeiter nicht die Ellbogen ausfahren, um sich zu beweisen, warnt Leitner. "Das geht nach hinten los." Denn wer es sich mit den Kollegen verscherzt, verspielt womöglich seine Übernahmechancen, weil er offensichtlich nicht ins Team passt.

Außerdem sei die Unterstützung der Kollegen eine wichtige Hilfe, um den Chef von sich zu überzeugen. "Wenn die anderen einen mögen, tun die auch etwas für einen", sagte Leitner. Dazu müssten Zeitarbeiter sich den Kollegen gegenüber nicht nur fachlich beweisen. "Es kommt darauf an, einen persönlichen Draht aufzubauen."

Nur wenige schaffen es, übernommen zu werden

Groß ist die Chance für Leiharbeiter nicht, als reguläre Arbeitskraft übernommen zu werden. So ist die Zeitarbeit nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg eher ein "schmaler Steg" als eine breite Brücke zum ersten Arbeitsmarkt. Zwar erhöht sie für Langzeitarbeitslose die Wahrscheinlichkeit, später eine reguläre Beschäftigung zu finden. In einem Zeitraum von zwei Jahren nach der Leiharbeit schaffe es aber nur ein kleiner Teil der zuvor Arbeitslosen, überwiegend beschäftigt zu bleiben und die Zeitarbeit ganz hinter sich zu lassen.

Nicht zu früh nach der Übernahme fragen

Die meisten Zeitarbeiter sind nur für einige Wochen angestellt. Sie müssten daher rechtzeitig das Gespräch mit dem Chef suchen, empfahl Leitner. Denn am letzten Tag ist es dafür oft zu hektisch. Wer zu früh mit dem Thema Übernahme anfängt, bekommt aber auch schnell eine Abfuhr. Bei einem Einsatz über wenige Monate sei daher sei daher eine Woche vor dem Ende ein guter Zeitpunkt.

Diplomatisch aufs Thema kommen

Dabei sollten Zeitarbeiter aber nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Wer zu forsch nachfragt, ob es Chancen auf eine Übernahme gibt, ernte schnell ein "Nein", erklärt Leitner. Besser sei es, die Suche nach einer regulären Stelle zunächst indirekt anzusprechen. "Ich kann zum Beispiel sagen: ‚Wenn Sie mal was hören, denken Sie dann an mich?’" Darauf könne der Chef in jedem Fall eingehen. Ist das Thema dann erst einmal auf dem Tisch ist, lässt sich das Gespräch auch leichter auf die Stellenplanung im Betrieb lenken. Und vielleicht ergibt sich dadurch aus dem unbestimmten "was hören" am Ende sogar ein konkretes Jobangebot. (dpa)