Soziale Netzwerke

Facebook, Xing, twitter: Bloggen und posten für die Firma

Soziale Netzwerke setzen Unternehmen unter Druck: Sie müssen ihr Marketing ins Internet bringen. Weiterbildung zum Social Media Manager boomt.

Die Jobs haben englische Namen: Sie heißen Corporate Blogger, Channel Planner, Word-of-Mouth-Manager oder Social Media Manager. Entwickelt haben sie sich dadurch, dass Unternehmen in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Qype gut dastehen wollen - und ein Mitarbeiter sich darum kümmern muss. "In Hamburg sind mehr als 1000 Mitarbeiter in diesem Bereich tätig", sagt Dierk Ladendorff, Personalexperte der Initiative hamburg@work. In den nächsten Jahren könne die Zahl auf 3000, 4000 oder sogar 5000 hochschnellen, schätzt er.

"Die meisten Unternehmen sind derzeit dabei, ihre Aktivitäten in den sozialen Medien auszubauen", sagt Torsten Panzer, Geschäftsführer der Social Media Akademie. "Die großen Firmen und Agenturen sind die Vorreiter, viele kleinere ziehen aber auch schon nach." Weiterbildungen in diesem Bereich seien derzeit sehr gefragt.

Corporate Blogger müssen den Nutzern einen Mehrwert liefern

Nils Nesselmann ist so ein sozialer Netzwerker. Er arbeitet für die Werbeagentur webguerillas als Corporate Blogger. "Ein Corporate Blogger ist jemand, der nicht privat einen Blog betreibt, sondern im Auftrag eines Unternehmens", sagt der 30-Jährige. Er stellt in seinem Blog neue Produkte vor, erklärt deren Möglichkeiten und bietet den Nutzern des Blogs damit einen Mehrwert. Über eine Kommentarfunktion ist er außerdem direkt mit den Kunden in Kontakt.

Eine spezielle Ausbildung zum Corporate Blogger gibt es nicht. Nesselmann hat Informationstechnik studiert. Er sagt: "Man sollte Spaß am Sprechen und Schreiben haben." Und auf jeden Fall auch privat bloggen: "Es fehlt sonst jegliches Gefühl."

Seine Kollegin Anna Dahmen ist Word-of-Mouth-Managerin. Sie kümmert sich darum, dass für ein Produkt oder eine Dienstleistung Multiplikatoren angesprochen werden und dass durch diese möglichst viel Mund-zu-Mund-Propaganda entsteht. Dazu wählt sie Testpersonen aus, die das Produkt ausprobieren und dann weiterempfehlen. Auch hier gibt es keine spezielle Ausbildung. "Wichtig sind sehr gute Marketingkenntnisse im Allgemeinen und Social-Media-Kenntnisse im Speziellen", sagt Dahmen.

Nur wenige Unternehmen sind schon so differenziert aufgestellt, dass sie für die verschiedenen Aufgaben in den sozialen Medien auch mehrere Mitarbeiter haben. Oft gibt es einen Social Media Manager, der sich um alles kümmert. Er unterstützt bei klassischen PR-Aufgaben, erstellt Blogeinträge und postet Links in Foren und auf Plattformen.

Es ist unterschiedlich, welcher Abteilung im Unternehmen der Social Media Manager angegliedert ist. "Das kann ebenso im Marketing wie in der Personalabteilung sein", sagt Dierk Ladendorff von hamburg@work. Kommt darauf an, was sein Auftrag ist: Social Marketing für Produkte und Dienstleistungen machen oder umfassenderes Employer Branding - wobei es darum geht, das Unternehmen als gute Arbeitgebermarke bekannt zu machen.

Auch privat sollten Social Media Manager extrem online sein

Wer Social Media Manager werden möchte, muss auch privat eifrig im Web unterwegs sein. "Man sollte nicht nur einen Facebook-Account haben, sondern auch in anderen gängigen Plattformen aktiv sein", sagt Tobias Arns vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien in Berlin. Hilfreich sei ein Medienmanagement- oder Marketing-Studium. Arns rechnet damit, dass sich die Universitäten auf den Bereich Social Media einstellen werden. Private Institute sind an dem Thema längst dran: Fernlern-Schulen wie das Institut für Lernsysteme (ILS), die Social Media Akademie oder die Fernakademie Klett. Vor Ort kann man sich auch an der Hamburg Media School, der Makromedia Hochschule oder bei "die dialog akademie" zum Social Media Manager weiterbilden.

Die Ansprüche an die Online-Experten jedenfalls wachsen. "Anfangs hat das einfach jemand im Unternehmen 'mitgemacht'", sagt Torsten Panzer von der Social Media Akademie, der sich auch im Vorstand von hamburg@work engagiert. Heute professionalisiere sich der Job. "Es ist nicht mehr damit getan, dass sich ein internetbegeisterter Praktikant darum kümmert. Social Media sind ein wirklich wichtiger Teil des Marketings geworden." Dafür brauche es eine professionelle Basis. Ideal findet Panzer eine Kombination von klassischer Ausbildung in einem Fachbereich - zum Beispiel BWL, Psychologie, PR oder Journalismus - plus das Draufsatteln von Social-Media-Wissen.

Wohin die sozialen Medien die Unternehmen führen werden, könne man längst noch nicht absehen, sagt Torsten Panzer. Schließlich geht es nicht nur darum, zu bloggen und zu posten, was das Zeug hält: "Das ist tatsächlich ein Kulturwandel", sagt Panzer. "Beispielsweise werden die traditionellen Arbeitszeiten damit infrage gestellt." Schließlich gebe es auch User, die um 22 Uhr eine Frage hätten. "Was soll man denen sagen? Um 17 Uhr ist bei uns Feierabend?"