Perspektiven

Was macht eigentlich ein Physiker?

Hamburg. Sebastian Aderhold geht voll und ganz in der Forschung auf. Zurzeit schreibt der 27 Jahre alte Physiker, der an der Uni Bonn studiert hat, am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) seine Doktorarbeit. Das Forschungszentrum ist eines der weltweit führenden Beschleunigerzentren zur Erforschung der Materie. Wissenschaftler aus aller Welt nutzen das Licht aus der riesigen Beschleunigeranlage, um zum Beispiel Strukturen und Prozesse im Mikrokosmos sichtbar zu machen.

Physiker Aderhold arbeitet an der Entwicklung neuer Technologien für den Bau der Teilchenbeschleuniger. "Meine Arbeit trägt im Wesentlichen dazu bei, die nächste Beschleuniger-Generation zu ermöglichen und zugesagte elektrische Felder verlässlich zu erreichen", erklärt er.

Bei seiner Arbeit kooperiert er eng mit Wissenschaftlern aus aller Welt, vor allem aus Japan. "Als Physiker in der Forschung benötigt man einen langen Atem, eine große Neugier und einen gewissen Spieltrieb. Ansonsten würde man nie erfahren, was unsere Welt im Innersten zusammenhält", verrät der angehende Doktor der Physik mit einem Schmunzeln. Nach der Promotion will Aderhold unbedingt der Forschung treu bleiben. Ob es mit einer unbefristeten Stelle klappt, steht derzeit allerdings noch in den Sternen.

Forschungsinstitute sind aber längst nicht mehr die einzigen Arbeitgeber für Physiker. Nach Studium oder Promotion werden sie immer häufiger bei Versicherungen und Finanzdienstleistern, in IT-, Software- und Beratungsfirmen oder in Unternehmen aus der Optik-, Automobil-, Halbleiter- und Energiebranche tätig.

Unter den Naturwissenschaftlern gelten Physiker als Generalisten, entsprechend vielseitig sind ihre Einsatzbereiche in den einzelnen Branchen. Dennoch hat jeder Zweite der in der Wirtschaft beschäftigten Physiker überwiegend mit Entwicklung und Technologie zu tun.

Darüber hinaus befassen sich Physiker zunehmend mit Produktion und Fertigung, Qualitätskontrolle, Vertrieb und Marketing. "Die im Physikstudium erworbenen Kompetenzen, insbesondere die Fähigkeit komplexe Probleme anzugehen, sind eben auch für physikfremde Tätigkeiten von Nutzen", erklärt Lutz Schröter von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG).

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