Buch der Woche

Lechts oder rinks - Warum wir Fehler machen

Von Joseph T. Hallinan. Ariston, 283 Seiten, 18,95 Euro.

Inhalt: Wir vergessen Namen, verlegen Dinge, können uns als Zeugen nicht an die einfachsten Abläufe erinnern und sagen links, wenn wir rechts meinen. Wenn Ihnen das auch passiert, seien Sie ganz beruhigt. Denn: Irren ist menschlich. Eine simple Wahrheit, die Joseph T. Hallinan mit zahlreichen Beispielen illustriert. Der Pulitzer-Preisträger deckt die Mechanismen auf und hilft dem Leser dabei, seinen menschlichen Unzulänglichkeiten auf die Spur zu kommen. Die meisten schlimmen Pannen und Unfälle - Flugzeugabstürze zu 70 Prozent, Autounfälle zu 90 Prozent - werden durch menschliches Versagen verursacht. Hallinan beklagt, dass die Untersuchung der Vorfälle meist dann endet, wenn ein Schuldiger gefunden sei. "Doch auch das ist ein Fehler - wenn wir die wahre Ursache nicht herausfinden, sind wir dazu verdammt, Fehler zu wiederholen." Der Journalist bohrt tiefer und geht den Verzerrungen in unserer Wahrnehmung und unserer mangelhaften Urteilskraft auf den Grund.

+++++ exzellent

Präsentation: Die grafische Aufbereitung des Buches wirkt hausbacken. Gerade bei der Vielzahl der Beispiele wären mehr einprägsame Illustrationen hilfreich gewesen. Doch der Text und seine deutsche Übersetzung kommen locker und gut lesbar daher. Hier zeigt sich wieder einmal die Leichtigkeit, mit der amerikanische Autoren solche Themen an- und verpacken können. Allerdings mangelt es dem Buch zugleich am systematischen Aufbau. Ohne diesen roten Faden gerät es mehr zur unterhaltsamen Aufzählung aktueller Forschungsergebnisse und damit für interessierte Leser zum geeigneten Begleiter für mehrstündige Zugfahrten oder Flugreisen mit Unterbrechungen.

+++-- passabel

Praxiswert: Das Buch reiht sich ein in mehrere populäre Titel, die sich damit befassen, wie Menschen Entscheidungen treffen, etwa Malcolm Gladwells Bestseller "Blink - Die Macht des Moments". Die Vielzahl an Beispielen führt zwar zu vielen "Aha"-Erlebnissen mit durchaus praktischem Erkenntnisgewinn, doch zugleich ermüdet die bloße Menge an Forschungsergebnissen ohne roten Faden den Leser auf Dauer auch.

+++-- passabel