Jobmessen: So punkten Berufseinsteiger

Jeder nur zwei Kulis, bitte!

Experten warnen vor Fettnäpfchen: Greifen Sie nicht zu schnell in die Kiste mit den Werbepräsenten! Kleidung: besser formell als leger.

Mehr als 200 Jobmessen werden jedes Jahr in Deutschland veranstaltet. Sie geben Orientierung im Firmendschungel und öffnen im Idealfall die Tür zum ersten Job. Vorausgesetzt, man weiß, wie man sich richtig vorbereitet.

Zvonimir Javor meint, er habe in seinem Studentenleben schon mehr Jobmessen besucht als viele seiner Kommilitonen Vorlesungen. "Du musst Präsenz zeigen, dann erinnern sich die Firmen an dich, und der Einstieg nach dem Studium gelingt leichter", sagt der Maschinenbau-Student im achten Semester. Einen Großteil seiner Freizeit verbringt er auf Berufsmessen, entweder als Besucher oder als Veranstalter. Javor ist Mitglied der "bonding-studenteninitiative", deren Ziel es ist, Studenten schon während des Studiums Einblicke in das Berufsleben zu geben und Kontakte zwischen Studenten und Unternehmen herzustellen. Am 1. und 2. Dezember veranstalten Javor und sein Team die Firmenkontaktmesse Hamburg an der TU Harburg (siehe Kasten).

"Die Messe ist von Studenten für Studenten, sowohl für jene, die einen Praktikumsplatz suchen, als auch für solche, die kurz vor ihrem Abschluss stehen und auf der Suche nach einem Job sind", sagt Javor. Gerade für Letztere ist es besonders wichtig, den Besuch der Messe gut vorzubereiten. "Wir bieten im Vorfeld spezielle Trainings, sogenannte Warm-ups", sagt Javor. Dabei bekommen die Teilnehmer Infos zu allen Themen rund um das Thema Berufseinstieg. Wie sieht eine gute Bewerbung aus? Wie überstehe ich ein Vorstellungsgespräch auf Englisch? Und wie bereite ich mich auf ein Assessment-Center vor? "Außerdem geben wir den Teilnehmern einen Messeknigge an die Hand und erzählen, wie sie die Ausstellung ideal für sich nutzen können." Aber auch wer keinen Platz in einem der begehrten Workshops bekommt, kann von den Jobmessen profitieren, wenn er einige Regeln beachtet.

Meike Hilscher, Projektmanagerin im Personalbereich bei tesa, nimmt regelmäßig mit einem Stand an Jobmessen in ganz Deutschland teil. Ihre Anforderungen an die Bewerber: "Wir erwarten, dass sich die Interessenten im Vorfeld intensiv mit dem Unternehmen auseinandergesetzt haben." Welche Firmen auf einer Messe dabei sind, kann man vorab auf den Veranstalterseiten im Internet einsehen.

Je konkreter die Absichten des Besuchers und seine Fragen an die Personaler, desto höher ist die Chance, dass diese Interesse an dem Bewerber bekommen. "Dennoch sollten sich die Interessenten nicht nur mit den Firmen, sondern auch mit sich selber beschäftigt haben", meint Ulrike Riedel, Personalvorstand bei der Hamburger Hochbahn AG. "Was kann ich? Was sind meine Schwerpunkte? Wo liegen meine Interessen?" Nur wer gut über sich selber Bescheid wisse, könne sich auch anderen gut verkaufen.

Doch um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen, zählt mehr als das Interesse des Bewerbers - auch die Kleidung hat eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf die Personaler. "Einen richtigen Dresscode gibt es nicht. Von einem Studenten, der im ersten Semester Maschinenbau studiert, würde ich nicht erwarten, dass er in Anzug und Krawatte auftaucht", sagt Meike Hilscher von tesa. "Wer sich allerdings bei einer Bank bewerben möchte, sollte schon formell gekleidet sein", rät sie. Und bei Zweifeln an der richtigen Kleidung gilt der Ratschlag: Lieber etwas steifer als zu leger.

Am Ende entscheide das Gesamtpaket, vor allem aber, wie authentisch jemand wirke, sagt Ulrike Riedel von der Hochbahn. "Wir legen wert darauf, wie jemand im Umgang ist, wie verbindlich er auftritt, wie geradlinig, wie offen, wie höflich. Das Auftreten sollte in sich stimmig sein, einschließlich der Kleidung. Eine gute Ansprache kann zwar ein legeres Outfit kompensieren, aber es muss beides zur Person passen."

Erst wenn die Hürden der Vorbereitung erfolgreich bewältigt sind, geht es ans Eingemachte - das Gespräch mit den Personalern. Und dazu gehört Mut. "Einige Studenten haben Scheu, uns anzusprechen, aber das ist überhaupt nicht berechtigt", sagt Ulrike Riedel und lacht. "Schließlich sind wir auf der Messe, weil wir den Kontakt zu den Studierenden suchen." Wer sich allein nicht traue, könne aber gern einen Kommilitonen zur Verstärkung mitbringen, das sei kein Nachteil, fügt Hilscher hinzu. Die Frage "Was kann ich denn bei Ihnen machen?" sei allerdings alles andere als ein guter Einstieg und mache einen schlechten Eindruck bei den Unternehmensvertretern, betont die Personalexpertin.

Im Gespräch gelten die gängigen Verhaltensregeln: Höflichkeit, Freundlichkeit und Respekt. "Ein Kaugummi im Mund geht gar nicht!", weiß Messeorganisator Javor. "Und bloß nicht gleich nach den Kulis greifen." Ein derartiges Verhalten nämlich werten Personaler nicht gerade als Interesse am Job. "Es gibt Leute, die nur darauf aus sind, die Give-aways abzugreifen, und dann auch alles mitnehmen, was nicht niet und nagelfest ist", sagt Tesa-Personalerin Meike Hilscher.

Wer das Gespräch erfolgreich bewältigt, für den stehen die Chancen auf ein Praktikum oder sogar einen Job nicht schlecht. "Die Messen sind ein sehr wichtiger Kontaktpunkt für uns", hebt Personalvorstand Ulrike Riedel hervor. "Wir haben dort schon viele gute Leute kennengelernt, die später für die Hochbahn tätig waren." Aber die Messen seien auch wichtig, weil man dort Bewerber auf sich aufmerksam machen könne. "Leute, die vielleicht vorher nie daran gedacht haben, bei der Hochbahn zu arbeiten."

Für Zvonimir Javor wird die Messe in Hamburg Anfang Dezember eine der Letzten sein. Er schließt sein Studium kommendes Jahr ab. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird er dann als Trainee bei einer großen deutschen Automobilfirma einsteigen. Den betreffenden Personaler hat er auf einer Jobmesse kennengelernt.