Buch der Woche

Komm zum Punkt! Das Rhetorik-Buch mit der Anti-Laber-Formel

von Thilo Baum. Orell Füssli, 256 Seiten, 19,95 Euro.

Inhalt: Autor Thilo Baum ist ein Freund der kurzen Form. Daran besteht kein Zweifel. Und viele Rhetoriktrainings führen in die Irre, meint er. Statt Gestiktheater und aller möglichen manipulativen Tricks predigt er Struktur, Authentizität und Prägnanz. Auf diese Weise füllt er immerhin acht Kapitel. Außer viel Polemik gegen den alltäglichen Sprachmissbrauch liefert sein Buch "Komm zum Punkt!" einen Gegenentwurf: Der Leser soll Klartext sprechen. Der ist strukturiert, authentisch, logisch und letztlich auch spannend. Ab Kapitel vier liefert der Autor nach allerlei Analyse auf den Seiten davor eine praktische Anleitung. Dabei geht es weniger um sprachliche Finessen im engeren Sinn als vielmehr um eine konzentrierte Klarheit im Denken und dessen sprachliche Umsetzung. Hinter der im Titel annoncierten Anti-Laber-Formel verbergen sich 100 hilfreiche über den ganzen Text verteilte Merksätze, nach dem Motto: Tun Sie dies und vermeiden Sie das.

+++++ exzellent

Präsentation: Selbstverständlich ist dieser Rhetorikratgeber aus dem Hause Orell Füssli flott geschrieben. Es gibt einige Aha-Erlebnisse, viele Beispiele, amüsante Pointen und selbstverständlich die Beschreibung, wie man es besser macht. Nur damit ist es ja eigentlich nicht getan. Vom Lesen eines Buches sind die wenigsten zu besseren Rednern geworden. Die praktischen Übungen für die kleinen Schritte im Alltag fehlen in diesem leider. Etwas mehr Hilfestellung für den Transfer des wirklich klugen Ansatzes in die Praxis wäre perfekt gewesen.

+++-- passabel

Praxiswert: Ob die direkte Ansprache situativ immer der richtige Weg ist, sei mal dahingestellt. Manchmal könnte es zweckmäßig sein, im Gespräch auch mal den vorsichtigen, indirekten Weg zu nehmen. Gleichwohl: Es gibt zu viel Gelaber in unserem Alltag. Wer hingegen klare Ansagen machen kann und zum Punkt kommt, wird verstanden und erreicht schneller sein Ziel. Und darum geht es doch in Zeiten des Informationsüberflusses. Auf jeden Fall schärft die Lektüre das Gehör für heiße Luft und Schaumschlägerei.

++++- gut