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Was macht eigentlich ein Getränkefachgroßhändler?

Trinkt das Publikum bei einem Konzert von Howard Carpendale Bier oder Prosecco? Und was bevorzugen die Fans von AC/DC? Wie und vor allem wann muss für Nachschub im Festzelt auf dem Hamburger Dom oder dem Bremer Freimarkt gesorgt werden? Ob Einkauf, Logistik oder Verkauf - Getränkefachgroßhändler müssen sich in allen drei Bereichen gut auskennen. Der Job ist sehr vielseitig, vor allem im Außendienst.

"Unsere Getränkefachgroßhändler sind im Außendienst zugleich Berater, Weinspezialist, Finanzdienstleister und kümmern sich auch um die Telekommunikation bei Kunden, wenn diese beispielsweise kein EC-Cash-Gerät haben", sagt Ingo Böttjer, Geschäftsführer bei Getränke Nordmann in Wildeshausen. Böttjer ist gelernter Speditionskaufmann und Betriebswirt. Sein Berufsweg führte den 38-Jährigen von der Logistik über die Assistenz beim Inhaber der Nordmann-Gruppe bis zum Geschäftsleiter der Norddeutschen Getränkevertriebsgesellschaft. Seit vier Jahren ist er in Wildeshausen Chef von 80 Mitarbeitern, darunter zehn Auszubildende.

Insgesamt hat die Nordmann-Gruppe 1500 Mitarbeiter und bedient neben Handel und Gastronomie auch 80 Prozent der bundesweit 14 000 Tankstellen. "Außerdem bieten wir auch Marketingkonzepte für die Gastronomie und freie Getränkeabholmarktbetreiber an", sagt Böttjer. Der klassische Außendienstmitarbeiter ist für ein bestimmtes Gebiet zuständig. Für Hamburg arbeiten sechs Nordmann-Getränkefachgroßhändler. Diese müssen sich in dem umfangreichen Sortiment von über 2000 Artikeln an Säften, Wasser und Bier sowie weiteren rund 2000 Artikeln an Wein, Sekt und Spirituosen gut auskennen. Die Nordmann-Mitarbeiter erhalten spezielle Waren- und Gastronomieschulungen. Azubis und neuen jungen Mitarbeitern wird für einige Monate ein Pate zur Seite gestellt.

Außer Fachwissen und Kenntnissen über kaufmännische und logistische Abläufe ist im Job vor allem Menschenkenntnis gefragt. Denn ob ein Gastronom als Koch oder Betriebswirt selbst schon viel Wissen mitbringt, macht in der Beratung und Ansprache einen Unterschied. Außerdem muss der Fachgroßhändler die Anlieferbedingungen kennen, denn der Fahrer bringt jedes 50-Liter-Fass Bier selbst in den Keller des Restaurants. Das gehört zur Dienstleistung dazu.