Ziele für 2009: Jeder Zweite will im neuen Jahr etwas ändern

Machen Sie Ihre guten Vorsätze wahr!

Ob weniger Überstunden, mehr Ordnung oder höhere Umsatzzahlen - wer einen Plan verfolgt, sollte ihn in Teilschritte gliedern. Und das Belohnen nicht vergessen: Dann hält man durch.

Mal ehrlich: Haben Sie in den vergangenen Tagen nicht auch gute Vorsätze gefasst? Geplant, sich im Beruf weniger abzuhetzen, endlich eine Weiterbildung zu besuchen oder Ihre Überstunden in den Griff zu kriegen? Laut einer Ipsos-Umfrage hat sich jeder zweite Bundesbürger vorgenommen, im Jahr 2009 etwas zu verändern. Die Frage ist nur, wie viel in vier Wochen von den guten Vorsätzen noch übrig ist...

"Im neuen Jahr will ich in meinem Job vorankommen." Solche Sätze hört Ralf Welle, Hamburger Trainer und Inhaber der Beratung Targetcoach, oft bei seiner Arbeit. Ein löblicher Ansatz - der aber leider schon aufgrund der Formulierung zum Scheitern verurteilt ist. "Das ist wie der Vorsatz ,Im nächsten Jahr nehme ich ab'", erklärt Welle. "Viel zu vage. Wenn ich mir etwas vornehme, muss dieses Ziel messbar sein. Ich muss konkret festlegen, wann ich was erreicht haben will." Ziele können zum Beispiel sein: "Mein Schreibtisch soll am Ende jeder Woche aufgeräumt und übersichtlich sein." Oder: "Ich werde bis 1. Oktober das Cambridge Zertifikat für Englisch bestanden haben." Oder: "Ich will bis zum nächsten Halbjahresgespräch die Verkaufszahlen von Kollege Müller übertreffen." Ziele sollten diesen Anforderungen genügen: "Sie sind realistisch, messbar, motivierend und aus eigener Kraft erreichbar", fasst Ralf Welle zusammen.

Doch zunächst geht es darum, eine Vision zu entwickeln. "Nehmen wir zum Beispiel einen Sachbearbeiter, der weniger Überstunden machen möchte", sagt Welle. "Warum will er das? Vielleicht, weil er seine Kinder öfter selbst ins Bett bringen möchte." Und genau das kann nun seine Vision werden: Wie gut es sich anfühlt, rechtzeitig zu Hause zu sein und Zeit mit seinen Kindern verbringen zu können. "So wird ein Ziel konkret und greifbar", sagt Trainer Ralf Welle.

Will man seine guten Vorsätze ernsthaft umsetzen, braucht man eine Strategie, erklärt Beatris Uhlig von der Berliner Unternehmensberatung Uhlig & Partner. Und die entwickelt man am besten, indem man sich selbst Fragen stellt. Zum Beispiel: In welchem Zeitraum kann ich mein Ziel realistischerweise erreichen? In welche kleinen Schritte kann ich es unterteilen? "Teilschritte sind wichtig, weil sie nicht so viel Angst machen", hebt Uhlig hervor. Hält man sich nur das eine große Ziel, wie etwa seinen Stress zu reduzieren, vor Augen, sei die Gefahr des Scheiterns auch wesentlich größer.

Erreicht man hingegen nur ein Teilziel nicht, habe das nicht so stark demotivierende Wirkung. Schafft man es etwa nicht, die Zeit, die durch störende Kollegen im Laufe einer Woche verloren geht, wie geplant zu halbieren, verschiebt sich nur der Zeitpunkt, zu dem man sein Ziel vollständig erreicht hat - die Vision selbst gerät nicht in Gefahr. Beatris Uhlig rät unbedingt dazu, sich nicht in sein Ziel zu verbeißen: "Man sollte ihm gegenüber eine gewisse Entspannung behalten - auch das ist ein Geheimnis der Zielerreichung."

Dass solcher Gleichmut nicht vielen gegeben ist, erlebt auch Anja Gogol, Diplom-Pädagogin und selbstständige Karriereberaterin aus Hamburg, immer wieder. "Viele sagen, das soll jetzt unbedingt die richtige Entscheidung sein." Doch diese Vorstellung versucht sie demjenigen auszureden: "Heutzutage weiß man nie, ob eine berufliche Veränderung wirklich eine Entscheidung fürs Leben ist", sagt sie. Darum sollte man stets offen für Alternativen bleiben. "Es beschränkt einen doch nur, wenn man sagt, das muss es jetzt sein - und umso größer kann die Enttäuschung ausfallen." Dass der Start ins nächste Jahr ein markanter Termin für berufliche Richtungswechsel ist, findet Anja Gogol nicht. "Sich weiterzuentwickeln ist ein Wunsch, der Berufstätige das ganze Jahr über begleitet, nicht nur zum Jahreswechsel", so ihre Erfahrung. Die große Frage dabei sei, ob man das in seinem alten Job tun wolle oder ob das Ziel doch eher im Rahmen einer neuen Stelle zu erreichen sei. Sie plädiert dafür, erst einmal herauszufinden, was einem am gegenwärtigen Job gut gefalle und wobei man besondere Erfolge erzielt habe. Wer das weiß, hat es leichter, die passende Position für sich zu finden. Außerdem sei es wichtig zu wissen, was einen zum Job- oder Positionswechsel treibt. "Warum will ich etwas verändern? Ist es wirklich meine Motivation oder zum Beispiel die meines Partners?", solle man sich fragen, rät Anja Gogol. "Denn wenn ich etwas anderen zuliebe tue, kann ich meine Motivation nur eine Zeit lang aufrecht erhalten. Es kommt auf den eigenen Antrieb an."

Um dauerhaft bei der Stange zu bleiben, sollten sich Veränderungswillige immer wieder ihr Ziel vor Augen führen. "Bleiben wir bei unserem Sachbearbeiter. Wenn er sich das Lächeln seiner Kinder beim Zubettbringen vorstellt, weiß er wieder, was er will", sagt Coach Ralf Welle. "Dann bleibt er eben nur zehn Minuten auf dem Geburtstagsumtrunk seines Kollegen und keine ganze Stunde, wie er es früher gemacht hätte."

Und wie begegnet man dem typischen "Vergessen", dass oft schon wenige Tage oder Wochen nach dem Jahreswechsel einsetzt? "Wichtig ist, dass ich mir nicht zu viel auf einmal vornehme und dass mir mein Ziel im Bewusstsein bleibt", sagt Beraterin Uhlig. Funktionieren könne das zum Beispiel mit einem Zettel, den man gut sichtbar an seinem Arbeitsplatz oder auch zuhause anbringe. Wer mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt, kann sich eine Excel-Tabelle im Computer oder eine handschriftliche Liste einrichten, die die guten Vorsätze nebst ihren Teilschritten und den Zieldaten enthält. Sich zu belohnen darf man dabei aber auch nicht vergessen: "Man sollte das Erreichen kleiner Ziele ein bisschen feiern, vielleicht indem man seinen Partner mal wieder zum Essen einlädt", schlägt Ralf Welle vor.

Doch Trainer und Berater warnen unisono vor einem Fehler: den Jahresanfang als Startpunkt überzubewerten. "Für ernsthafte Veränderungen kann das nur ein Auslöser sein", sagt Anja Gogol. Und Beatris Uhlig ergänzt: "Im Grunde ist jeder Tag der richtige, um sich Ziele zu setzen." Man muss dann nur anfangen, sie umzusetzen . . .

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