Hafen Hamburg

Kakerlaken und kein Lohn: Massive Missstände auf Seeschiffen

Im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche "Baltic Week" haben die Inspektoren rund 60 Schiffe in deutschen Seehäfen besucht und mehr als 100 Verstöße gegen internationale Standards festgestellt. (Symbolbild)

Im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche "Baltic Week" haben die Inspektoren rund 60 Schiffe in deutschen Seehäfen besucht und mehr als 100 Verstöße gegen internationale Standards festgestellt. (Symbolbild)

Foto: dpa picture alliance / Rainer Keuenhof

"Missstände waren noch nie so schlimm": Kontrollen in deutschen Seehäfen zeigen schlechte Verpflegung und Lohn-Unregelmäßigkeiten.

Hamburg.  Die Gewerkschaft Ver.di hat bei ihren gemeinsam mit der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) im Rahmen der Aktionswoche „Baltic Week“ in deutschen Seehäfen durchgeführten Kontrollen massive Missstände an Bord von Seeschiffen hinsichtlich der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Seeleute festgestellt. „Die von uns aufgedeckten Missstände waren noch nie so schlimm wie in diesem Jahr; ganz offensichtlich wurden die Interessen der Seeleute in den mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie vielfach vernachlässigt“, sagte Susana Pereira-Ventura aus dem Ver.di-Bereich Internationale Maritime Wirtschaft.

„Wir haben zahlreiche Hinweise auf doppelte Buchführung über Löhne und Überstunden, nicht ausbezahlte Löhne, verweigerte Landgänge, schlechte Verpflegung und Unterkunft und weitere Verstöße gegen das Seearbeitsübereinkommen erhalten“, so die Expertin. „Auf einem Schiff liefen sogar Kakerlaken überall herum.“ Zwar habe es auch Schiffe gegeben, auf denen alles in Ordnung gewesen und die Besatzung gut behandelt worden sei – aber das seien nur wenige gewesen.

Kontrollen auf 60 Schiffen: "Rekordgewinne auf Rücken der Seeleute“

Im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche „Baltic Week“, die vom 5. bis zum 9. September stattfand, haben die Inspektoren rund 60 Schiffe besucht und mehr als 100 Verstöße gegen internationale Standards festgestellt. Die Kontrollen fanden in den Seehäfen Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Brake, Rostock, Wismar und Lübeck statt.

„Es kann nicht sein, dass Reeder internationale Vorschriften und Arbeitsvereinbarungen sowie Tarifverträge ignorieren – und zwar aus reiner Profitgier. Viele Schifffahrtsunternehmen erzielen Rekordgewinne auf dem Rücken der Seeleute“, so Pereira-Ventura weiter „Wir brauchen dringend mehr und bessere Kontrollen.“

( HA )