Hamburger Hafen

So reagiert Hamburg bei Seuchenalarm auf Kreuzfahrtschiffen

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Einsatzkräfte seilen sich am Kreuzfahrtterminal in Steinwerder aus dem Super-Puma der Bundespolizei ab.

Einsatzkräfte seilen sich am Kreuzfahrtterminal in Steinwerder aus dem Super-Puma der Bundespolizei ab.

Foto: André Zand-Vakili

Großübung: Beobachter analysieren die Abläufe. An den Ergebnissen sollen sich Einsatzkräfte in aller Welt orientieren können.

Hamburg.  Die Rotorblätter des Super-Pumas der Bundespolizei peitschen den Regen über den Parkplatz neben dem Cruise Center. Keine zehn Meter hoch schwebt die Maschine über dem Asphalt. Dann seilen, pardon, winschen sich fünf Männer in orangen Over­alls mit ihrer Ausrüstung ab.

Die Szene ist Teil der Übung Adaptives Resilienz Management im Hafen, kurz ARMHIN. Geübt wird, wie Hamburg reagiert, wenn ein Kreuzfahrtschiff auf den Hafen zusteuert, auf dem eine Infektion ausgebrochen ist.

Hamburger Hafen: Übung schon vor Corona geplant

Was angesichts Corona brandaktuell scheint, ist ein Szenario, das Experten bereits vor dem Beginn der CovidPandemie erdacht haben. „2018 haben wir mit den Planungen für diese Übung begonnen“, sagt Martin Dirksen-Fischer, Chef beim Port Health Center. Geübt wird der Einsatz auf einem Schiff mit 4000 Menschen an Bord, von denen 190 infiziert sind, während es noch auf die Hansestadt zufährt.

Das Cruise Center stellt den „Dampfer“ dar. Der Parkplatz ist das Landedeck, von dort geht es in die Halle, in der sonst Kreuzfahrer darauf warten, eingecheckt zu werden. Simuliert wird die Sichtung von Patienten. Hier schlägt die echte Pandemie zu. Statt vieler Statisten müssen sich die Übungsteilnehmer mit Zetteln zufrieden geben, auf denen Name und Probleme der Übungsbetroffenen stehen.

Erkrankte sollen schnell von Bord geholt werden

Zum Einsatz kommt dort eine digitale Erfassung via Tablet. Das geht schneller, ist übersichtlicher und wird direkt an Krankenhäuser, in die die Patienten eingeliefert werden, geschickt. Das System wurde ganz neu entwickelt. Geübt wird auch die Versorgung auf der schiffseigenen Krankenstation, die restlos überfüllt ist und auf der schon die ersten Patienten randaliert haben.

Eingeflossen in die Übung sind auch die neusten Erkenntnisse aus der echten Pandemie. So werden laut Dirksen-Fischer Erkrankte nicht mehr an Bord festgesetzt, sondern schnell zur weiteren medizinischen Versorgung vom Schiff geholt – auch um eine Panik unter den nicht Erkrankten zu verhindern.

Hamburger Hafen: Beobachter analysieren Ergebnisse

Dass am Cruise Center geübt wurde, hat einen interessanten Aspekt. Im Ernstfall wäre dort vermutlich der Anlaufpunkt eines von einer Pandemie betroffenen Passagierschiffes, weil der Standort weit weg von Wohngebieten ist und über genügend Platz für Einsatzkräfte und die Versorgung von Passagieren bei einer Schiffsevakuierung bietet.

Die gesamte Übung läuft unter den Augen zahlreicher Beobachter. Sie werden Abläufe analysieren und Ergebnisse zusammenfassen. Daraus soll in den kommenden Monaten eine Art Handbuch für solche Situationen werden, an der sich im Ernstfall die Einsatzkräfte in aller Welt orientieren können.

( zv )